Deutschland

Hiobsbotschaft im Tourismus: 69 Milliarden Euro Ausfall in neun Monaten

Die deutsche Tourismusbranche hat es 2020 hart erwischt. 39 Prozent weniger Übernachtungen, der tiefste Stand seit 1992, dem Beginn der Erfassung gesamtdeutscher Hotelauslastung. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband warnt: "Die Konten unserer Betriebe sind leer!"
Hiobsbotschaft im Tourismus: 69 Milliarden Euro Ausfall in neun Monaten© DTV

Deutsche Hoteliers mussten 39 Prozent weniger Übernachtungen (302,3 Millionen) verzeichnen. Das sei nach Mitteilung vom Statistischen Bundesamt der tiefste Stand seit Beginn der Erfassung gesamtdeutscher Ergebnisse dieser Branche im Jahre 1992. Auch Huberta Sasse bestätigt als Sprecherin für den Deutschen Tourismusverband (DTV) gegenüber RT DE:

"Allein zwischen den Monaten März und Dezember haben wir rund 69 Milliarden Euro Umsatzausfall zu verzeichnen."

Das Gastgewerbe ist besonders hart getroffen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) fordert die schnelle Auszahlung der Hilfen und einen Fahrplan zur Wiederöffnung der Hotels und Restaurants.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für den Deutschlandtourismus und damit für das Gastgewerbe verheerend. Nach zehn Wachstumsjahren in Folge brachen die Übernachtungszahlen 2020 dramatisch ein. Im vergangenen Jahr zählten die Beherbergungsbetriebe in Deutschland nur 302,3 Millionen Übernachtungen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekanntgab. Das sind 39,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Davon entfielen 270,3 Millionen auf Übernachtungen aus dem Inland, ein Minus von 33,4 Prozent. Noch gravierender war der Rückgang bei den ausländischen Gästen: 32,0 Millionen Übernachtungen bedeuten hier ein Minus von 64,4 Prozent. Ursache für den historischen Tiefstand seit Beginn der Erfassung gesamtdeutscher Ergebnisse im Jahr 1992 sind die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Guido Zöllick, Präsident Bundesverbandes DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.) erklärt gegenüber RT DE:

"Nach dem desaströsen Corona-Jahr mit vier Monaten Lockdown sind die Konten unserer Betriebe leer. Wegen der verzögerten Hilfszahlungen und der fehlenden Öffnungsperspektiven nehmen Verzweiflung und Existenzängste in der Branche dramatisch zu."

Weitere Verluste ergaben sich durch den Wegfall von Messen, Kongressen sowie großen Kultur- und Sportveranstaltungen, die 2020 weitgehend nicht stattfinden konnten oder – wenn doch – dann nur in kleinerem Rahmen, wie etwa die digital durchgeführte "Grüne Woche" in Berlin.

Seit dem 2. November befindet sich die Branche erneut im Lockdown. Daher mussten die Beherbergungsbetriebe in Deutschland in den letzten beiden Monaten des vergangenen Jahres wiederum starke Einbußen hinnehmen.

Im November 2020 konnten lediglich 9,1 Millionen Übernachtungen verbucht werden, das waren 72,1 Prozent weniger als im November 2019. Im Dezember sank die Zahl der Übernachtungen sogar um 78,4 Prozent auf nur 6,7 Millionen gegenüber dem Vorjahresmonat.

Bemerkenswert ist auch der Rückgang der geöffneten Betriebe im Dezember 2020: Nur rund 60 Prozent beziehungsweise 31.000 der 52.200 statistisch erfassten Beherbergungsbetriebe hatten geöffnet. Das waren noch einmal rund ein Viertel (25,4 Prozent) weniger im Vergleich zum Vormonat (November 2020) mit noch 38.800 geöffneten Betrieben. Zöllick drängt auf die Auszahlung der staatlichen Hilfen und auf Perspektiven für seine Branche.

"Das Geschäft mit den wenigen Übernachtungen der Geschäftsreisenden deckt kaum die Kosten für das Offenhalten der Hotels, Gasthäuser und Pensionen."

Nach fast einem Jahr Pandemie seien Rücklagen nicht mehr vorhanden, die Betriebe stünden finanziell "mit dem Rücken zur Wand". Dreiviertel der Hotels und Restaurants bangen laut einer DEHOGA-Umfrage vom Januar um ihre Existenz. Umso wichtiger sei jetzt, dass die versprochenen Hilfen schnell und in vollem Umfang bei allen notleidenden Unternehmen ankämen und die Antragstellung für größere Unternehmen endlich möglich werde.

Von der Bundesregierung erwartet der Verband DEHOGA eine konkrete Perspektive für das Wiedereröffnen von Hotels und Restaurants. "Wir fordern einen abgestimmten Fahrplan mit klaren Kriterien, wann und unter welchen Voraussetzungen unsere Betriebe wieder öffnen dürfen", so Zöllick. Bürger wie Unternehmer bräuchten dringend eine an nachvollziehbaren Kriterien ausgerichtete Öffnungsstrategie, sobald diese durch die Infektionslage zulässig werde.

Für einen erfolgreichen Neustart hat der Verband DEHOGA konkrete Pläne mit dem Titel "Gastgewerbe verantwortlich wieder hochfahren" vorgelegt. Hotels und Restaurants hätten bereits im Frühjahr in strikte Hygiene- und Schutzkonzepte investiert und seien auch laut RKI keine Pandemietreiber. Zöllick mahnt eindringlich:

"Es geht um die wirtschaftliche Existenz der Unternehmer und die Rettung Hunderttausender Arbeitsplätze. Zudem geht es auch um den Erhalt ganzer touristischer und gastronomischer Strukturen." 

Auch der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) Reinhard Meyer lässt an der Corona-Politik der Bundesregierung kein gutes Haar:

"Seit drei Monaten befinden sich die Akteure im Deutschlandtourismus im kompletten Lockdown. Trotz versprochener umfassender Hilfsmaßnahmen ist der Tourismus als Wirtschaftsmotor Deutschlands in Gefahr. Die drei Millionen Beschäftigten im Deutschlandtourismus brauchen jetzt Perspektiven und auch Zuversicht."

Der DTV unterstützt das Ziel, die Infektionszahlen wieder dauerhaft bundesweit unter eine 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu senken, um Öffnungsperspektiven für den Tourismus zu ermöglichen. Der  Deutsche Tourismusverband sieht auch für das laufende Jahr schwarz. "Aufzuholen sind die Verluste aus dem Winterlockdown nicht", sagte DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz.

"Die fehlenden Übernachtungen und ausbleibenden Umsätze bedrohen die Existenz zigtausender Betriebe", warnte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, Guido Zöllick. Nach dem desaströsen Corona-Jahr 2020 seien die Konten vieler Betriebe leer. Zöllick weiter:

"Wegen der verzögerten Hilfszahlungen und der fehlenden Öffnungsperspektiven nehmen Verzweiflung und Existenzängste in der Branche dramatisch zu."

Der Einbruch bei den Übernachtungen zeige deutlich die Folgen der Corona-Krise mit wiederholten Beherbergungsverboten oder -einschränkungen, bilanzierte das Statistikamt. So war die Aufnahme von Privatgästen nur bis Mitte März und von Mitte Mai bis Mitte Oktober überhaupt möglich.

In den für die Branche besonders wichtigen Sommermonaten hätten zudem regionale Beherbergungsverbote für Reisende aus inländischen Risikogebieten die Branche beeinträchtigt. "Auch nach der Wiedereröffnung der Betriebe lief das Geschäft aufgrund von Abstandsgeboten, Kapazitätsbegrenzungen und Reisebeschränkungen nur gebremst", sagte Zöllick. Die massiven Verluste ließen sich auch nicht durch eine mancherorts gute Sommersaison kompensieren.

Die nun veröffentlichte Öffnungsstrategie des DTV basiert auf einer dreistufigen Ampel, die konkrete Maßnahmen für sicheres Reisen entlang der touristischen Reisekette unterhalb einer bundesweiten 7-Tagesinzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner beschreibt:

  • In der Stufe Grün bei einer Inzidenz bis maximal 35 ist Tourismus in allen Bereichen unter Beachtung der strengen Regeln möglich.
  • In der Stufe Gelb oberhalb einer Inzidenz von 35 sind spezifische Auflagen verpflichtend vorgesehen.
  • In der Stufe Rot über 50 müssen Zielgebiete ihre touristischen Angebote schließen.

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