Deutschland

Lauterbach schlägt Alarm: Bei Lockerungen droht dritte Welle durch "Turbo-Virus"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist alles andere als überzeugt davon, dass die sinkenden "Infektionszahlen" ein Grund zur Lockerung der Corona-Maßnahmen sein könnten. Es gelte, die Gefahr der "Mutanten" nicht nur ernst zu nehmen, sondern sich für eine dritte Welle zu wappnen.
Lauterbach schlägt Alarm: Bei Lockerungen droht dritte Welle durch "Turbo-Virus"Quelle: www.globallookpress.com

Seit Wochen sinken bundesweit die sogenannten "Corona-Neuinfektionen" – also die Anzahl der Menschen, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden – und damit auch die Inzidenzwerte. Bei vielen Menschen keimt nun Hoffnung auf, dass die rigiden Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der ausgerufenen COVID-19-Pandemie schrittweise aufgehoben werden könnten.

Der von Bund und Ländern verhängte Lockdown zur Eindämmung dieser COVID-19-Pandemie gilt derzeit bis zum 14. Februar, und am Mittwoch wollen Bund und Länderchefs dann die weitere Strategie beraten.

Zuletzt ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, dass die Zustimmung der Bevölkerung für die Lockdown-Maßnahmen deutlich gesunken sei. Nur noch 37 Prozent der Bürger sind der aktuellen Umfrage zufolge für eine Verlängerung der bisherigen Einschränkungen über den 14. Februar hinaus, weitere 13 Prozent sind sogar für deren Verschärfung. Dagegen sind 30 Prozent für eine Lockerung und 13 Prozent für eine komplette Rückkehr zur Normalität. 7 Prozent machten keine Angaben.

Zu den politischen Persönlichkeiten, die baldigen Lockerungen der staatlichen Beschränkungen derweil skeptisch gegenüberstehen, zählt auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Grund für ihn seien die um sich greifenden, wahrscheinlich noch deutlich ansteckenderen Virusmutanten, wie der Mediziner auf Twitter schrieb.

Auch "eigene Berechnungen" ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass bei derzeitiger Ausbreitung der Mutanten die Fallzahlen nur noch bis Ende Februar sinken dürften, dann komme eine dritte Welle der Pandemie auf die Bevölkerung zu.

Nach Einschätzung des Gesundheitsökonomen machten die britischen und südafrikanischen SARS-CoV-2-Varianten bis heute bereits einen Anteil von rund 20 Prozent aus.

Zuletzt hatte sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits zurückhaltend geäußert, was mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen anbelangt.

Der CDU-Politiker erklärte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe

"Die Zahlen sind ermutigend, es gibt bei den Neuinfektionen einen spürbaren Trend nach unten. Aber man kann noch nicht abschließend sagen, wo wir am 14. Februar stehen."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte sich davon überzeugt, dass man sich nun nicht "öffentlich mit Lockerungs-Fahrplänen überbieten" dürfe.

Laut dem SPD-Politiker Lauterbach stünden bei den Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch nun "extrem schwere" Gespräche an. Die Bevölkerung erwarte zwar Lockerungen, weil die Fallzahlen sinken. Epidemiologisch betrachtet sei dies jedoch nicht vertretbar. Eigentlich "müssten wir sogar verschärfen", weil eine dritte Welle mit dem "Turbo-Virus" drohe, warnte er. Zusätzlich gefährdeten Lockerungen den "Impferfolg", weil bei einigen Mutationen Impfungen weniger gut wirkten.

"Die politisch schlechteste Lösung wäre: Warten, bis die 3. Welle beginnt, weil dann die Bevölkerung reif für die schlechte Nachricht wäre. Das wäre falsch. Weil die verlorene Zeit nicht einholbar ist. Es bliebe nur Lockdown bis Ostern."

Jetzt seien "Mut und Transparenz gefragt".

Derweil kippt die Stimmung nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der mittelständischen Wirtschaft. So erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) Markus Jerger gegenüber RT DE:

"Wir erwarten vom morgigen Corona-Gipfel einen verbindlichen Fahrplan für den Lock-off Deutschlands. Die Bundesregierung muss uns verbindlich sagen, ab welchen Inzidenzwerten welche Lockerungen gelten. Der nächste Gipfel bei der Kanzlerin muss ein Mittelstandsgipfel sein."

Laut Jerger koste der Lockdown jede Woche drei bis fünf Milliarden Euro. Die auch aus den wirtschaftlichen Kennzahlen schon längst entstandenen gesellschaftlichen Kollateralschäden, werden von der Bundesregierung bislang nicht systematisch erfasst.

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