Deutschland

"So albtraumhaft, was wir erleben": Sucharit Bhakdi will Deutschland verlassen

Er gilt als eine der Lichtfiguren der sogenannten "Corona-Skeptiker": Der Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe Sucharit Bhakdi. Nun zieht er eine bittere Bilanz der Corona-Politik der vergangenen Monate. Es sei nun an der Zeit, Deutschland zu verlassen, ist sich Bhakdi sicher.
"So albtraumhaft, was wir erleben":  Sucharit Bhakdi will Deutschland verlassenQuelle: www.globallookpress.com © Ralph Peters/www.imago-images.de

Wohl nur wenige renommierte Experten mussten hierzulande aufgrund ihrer Ansichten in der Corona-Debatte in den vergangenen Monaten so viel Häme und eine vergleichbare  Fülle an persönlichen Angriffen über sich ergehen lassen, wie der Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Prof. Dr. Sucharit Bhakdi. Wohl auch deshalb gehört Bhakdi zu den Erstunterzeichnern des sogenannten "Appell für freie Debattenräume".

Anlass für die anhaltende Kritik an Bhakdi waren und sind seine im aktuellen Diskurs eingebrachten Thesen von einer massiven Überdramatisierung der Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 und seine allgemeine, bisweilen fundamentale Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Dies alles brachte er etwa in seinem Bestseller "Corona Fehlalarm? Daten, Fakten, Hintergründe" zum Ausdruck. Längst ist das gemeinsam mit seiner Frau, der Biochemikerin und Hochschullehrerin Prof. Dr. Karina Reiß, verfasste Werk so etwas wie die Bibel in den Reihen der sogenannten Corona-Skeptiker.

Im August 2020 kam Bhakdi auf den Kern seiner Kritik zu sprechen:

"Die Gefährlichkeit eines Virus kann nur daran gemessen werden, wie viele Tote gefordert werden durch die entsprechende Infektionskrankheit. Und die Antwort ist schlicht und einfach, dass dieses Virus nicht mehr Tote fordert als eine mittelschwere Grippewelle."

Immer wieder forderte er zudem die Aufhebung sämtlicher Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19, da es keine sogenannte "Pandemie von nationaler Tragweite" gebe.

"Es gibt keine Epidemie von nationaler Tragweite und somit keinen Grund für alle diese Einschränkungen."

Doch Bhakdis Analysen und Argumente sind "in Fachkreisen umstritten" und der frühere Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gerät zusehends ins Abseits. Auch seine alten Wirkungsstätten distanzierten sich zwischenzeitlich von ihm:

"Die Universitätsmedizin und das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene distanzieren sich an entscheidenden Stellen von den von Herrn Bhakdi vertretenen Positionen, die wir als irreführend bis falsch betrachten."

Und längst wird er in einem Atemzug mit sogenannten Verschwörungstheoretikern und "Corona-Verharmlosern" genannt.

Aufgrund seiner auch regierungskritischen Expertenmeinung hefteten sich zudem "professionelle Faktenprüfer" an seine Fersen, um Bhakdi das mutmaßliche Verbreiten von "Desinformation" nachzuweisen.

"Das Ergebnis: Was Wodarg und Bhakdi sagen, ist nicht völlig falsch, jedoch vermischen sie Fakten mit Spekulation und Desinformation."

Schon seit knapp 60 Jahren lebt der in Washington, D.C. als Sohn thailändischer Diplomaten geborene Bhakdi in Deutschland. Doch bereits Ende 2020 machte er deutlich, dass er seine Wahlheimat heute längst nicht mehr wiederkenne.

"Ich kam aus einem totalitären Staat. Und ich habe das Wunder der Demokratie hier erlebt. Jetzt sehe ich mit Schrecken in meinem Herzen, dass mein Kind möglicherweise in einem totalitären Staat aufwachsen müsste, in dem die freiheitlichen Grundrechte entgegen aller wissenschaftlichen Evidenz willkürlich eingeschränkt werden."

Ein totalitärer Staat der nach Ansicht Bhakdis immer mehr die Züge einer "Gesundheitsdiktatur" trage. Vor wenigen Tagen bekräftigte er nun den Wunsch, Deutschland tatsächlich den Rücken zuzukehren. Ein sichtlich bewegter Bhakdi erklärte vor wenigen Tagen in einem ausführlichen Interview auf YouTube:

"Ich habe nie gedacht, dass ich überhaupt dieses wunderbare Land Deutschland verlassen würde. (…) Ich habe gedacht, hier will ich sterben. Und jetzt: Hier will ich nicht sterben und hier werde ich auch nicht sterben."

Es sei "so furchtbar, so erschreckend, so albtraumhaft, was wir erleben in diesem Land", schiebt der ehemalige Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nach.

Einst sei Deutschland für ihn das "wunderbarste Land" gewesen. Als er vor über 57 Jahren nach Deutschland kam, um Medizin zu studieren, hätte er gedacht, dass Deutschland "das Land der tüchtigen, ehrlichen Menschen" sei, "die etwas wiederaufgebaut haben". Er hätte Deutschland und die Deutschen "bewundert", erklärt Bhakdi.

Bhakdi kritisiert in dem gut einstündigen Gespräch auch die Verwendung der herkömmlichen PCR-Tests, die derart empfindlich seien, dass auch er wahrscheinlich "positiv" getestet würde, "weil dieser blöde PCR-Test sofort anzeigt, wenn ich irgendein Viech habe – ob Virus oder Bakterium ist einfach egal: Es ist falsch-positiv". Merklich frustriert ergänzt Bhakdi:

"Und dann würden diese dummen Deutschen anfangen zu versuchen, meine Kontaktpersonen zu kontaktieren."

Das und vieles mehr sei "so dumm, dass man nicht glaubt, dass Menschen so dumm sein können", ist sich Bhakdi sicher.

Eines der größten Probleme Deutschlands in der Corona-Krise sei die Spaltung der Mediziner und Ärzteschaft in zwei sich diametral entgegenstehende Gruppen.

"Die einen leben das, was sie sich selbst als Eid auferlegt haben (...) Ich gelobe mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen."

Für diese Gruppe sei es wichtig, zusammen zu kommen und zu diskutieren, "aber wissenschaftlich sachlich".

"Dann gibt es die andere Gruppe, die bereit ist, die Menschenrechte zu verletzen."

Dies erfolge jedoch oftmals nicht zwingend mit böser Absicht, da man sich dabei allzu oft auf das eigene "medizinische Nichtwissen" stütze. "Deswegen können sie damit leben", so Bhakdi. Bei diesem Teil der Gruppe sei nicht das medizinische Wissen für ihre Ansichten in der Corona-Debatte ausschlaggebend, sondern der "Glaube".

Wesentlich "schlimmer" seien die Vertreter einer zweiten (Unter-)Gruppe innerhalb der zweiten Gruppe:

"Die wissen ganz genau: Ihr medizinisches Wissen reicht aus, damit sie wissen, dass das, was sie tun, gegen das berufliche Ethos verstößt. Und trotzdem machen sie es. Und das ist das Ende der medizinischen Welt, so wie sie sein sollte."

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