Deutschland

Studie der Bertelsmann Stiftung: Populismus in Deutschland rückläufig

Der von der Bertelsmann Stiftung betrachtete ideologische Populismus geht in Deutschland zurück. Von den Autoren der Studie wird ein Rückstrom populistischer, bürgerlicher Wähler erwartet. Insbesondere die etablierten Unionsparteien profitieren davon.
Studie der Bertelsmann Stiftung: Populismus in Deutschland rückläufigQuelle: www.globallookpress.com © David Inderlied

Laut einer im September veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung ist der Populismus in Deutschland stark rückläufig. Gleichzeitig warnt die Stiftung vor den Gefahren einer weiteren Radikalisierung am rechten Rand der Gesellschaft. Das erneut gestiegene Vertrauen in die Regierung und in staatliche Institutionen sowie die Abkehr vom gegenübergestellten Populismus liege vor allem an der Corona-Krise.

"Eine starke Staatlichkeit entzieht dem Populismus einen wesentlichen Teil seiner Geschäftsgrundlage. (...) Populismus braucht den schwachen Staat als Projektionsfläche für seine autoritären Ambitionen", so Wolfgang Merkel, Direktor der Abteilung "Demokratie und Demokratisierung" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Merkel zufolge bestehe ein Risiko bei den Reaktionen der Politik auf die Corona-Proteste: Sollte die legitime Kritik an den Corona-Maßnahmen nicht ernst genommen und in die rechte Ecke gestellt werden, bestehe die Gefahr einer "Repopulisierung" der politischen Mitte.

Noch 2018 hätte die politische Mitte die größte Zunahme an populistischen Einstellungen zu verzeichnen gehabt. Nun sei auffällig, dass der Rücklauf überdurchschnittlich aus der Mitte angetrieben werde. Robert Vehrkamp, Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung und Autor der Studie, meint deswegen: "Insbesondere die politische Mitte erweist sich in der Auseinandersetzung (…) damit als wichtigste Stütze des Meinungsumschwungs."

Am rechten Rand und bei der AfD sehen die Autoren der Studie eine weitere Radikalisierung: 87 Prozent der AfD-Wähler würden populistische und rechtsextreme Einstellungen vertreten.

Als am wenigsten "populismusanfällig" wird in der Studie die Grünen-Partei aufgeführt.

Die Studie definiert den von ihr behandelten Populismus ideologisch – als "eine bestimmte Idee über Politik und Demokratie, deren Normen, Verfahren und Funktionsweise", in Abgrenzung zu anderen möglichen Definitionen wie "politischer Stil" oder "strategische Form der politischen Mobilisierung und Organisation".

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