Gesellschaft

Corona-Stress? Raucheranteil in Deutschland legt deutlich zu

Der Anteil der Raucher in Deutschland steigt wieder. Einer Studie zufolge liegt er derzeit bei den Menschen über 14 Jahren bei fast 31 Prozent. Ende 2019 belief sich die Zahl demnach noch auf etwa 27 Prozent. Forscher vermuten hinter diesem Trend eine mögliche Corona-Folge.
Corona-Stress? Raucheranteil in Deutschland legt deutlich zuQuelle: www.globallookpress.com © imagebroker/Giuseppe Graziano

Der Anteil der Raucher in Deutschland ist wieder auf Wachstumskurs. Er liegt derzeit bei fast 31 Prozent unter den Menschen ab 14 Jahren, wie aus der repräsentativen Langzeitstudie "Deutsche Befragung zum Rauchverhalten" (Debra) hervorgeht. Ende 2019 – also noch vor der Corona-Pandemie – lag der Anteil der Raucher jedweden Geschlechts in der Bevölkerung Deutschlands ab 14 Jahren Lebensalter noch bei etwa 27 Prozent, vor einem Jahr bei etwa 27,5 Prozent. Am 1. Januar 2022 wird es erstmals seit sieben Jahren wieder eine Erhöhung der Tabaksteuer in der Bundesrepublik geben.

Wahrscheinlich seien im letzten Jahr mehr frische Ex-Raucher wieder rückfällig geworden, sagt der Suchtforscher und Debra-Leiter Daniel Kotz der Deutschen Presse-Agentur. Er äußerte sich zu einem möglichen Zusammenhang dieser Tendenz mit der Corona-Pandemie:

"Ob Corona-Stress oder allgemein Auswirkungen der Pandemie da jetzt hineinspielen, ist ein bisschen spekulativ, kann aber sein."

Denkbar sei etwa auch, dass Menschen im Homeoffice ungehemmter als im normalen Büro zur Zigarette greifen.

Auch schon vor Corona habe man eine rückläufige Motivation in Deutschland beobachten können, mit dem Rauchen aufzuhören, erläutert der Epidemiologe Kotz, Leiter des Sucht-Forschungsschwerpunktes am Centre for Health and Society (chs) der Universitätsklinik Düsseldorf. Auch die sogenannte Rauchstoppversuchsrate sei rückläufig. Allerdings gebe es einen klaren Trend bei Jugendlichen, gar nicht erst mit der potenziellen Sucht anzufangen.

Zur Einordnung der deutschen Raucherquote verweist Kotz auf Großbritannien, wo es eine gut vergleichbare Studie gebe. Dort sinke der Raucheranteil seit Jahren kontinuierlich, er liege derzeit bei etwa 15 Prozent. Zum Vergleich: In England kostet eine Schachtel Markenzigaretten umgerechnet etwa 13 Euro und damit fast doppelt so viel wie in Deutschland.

Deutschland kann in Anbetracht seines Raucheranteils und der vergleichsweise niedrigen Preise für Zigaretten nach wie vor als das Raucherparadies und Tabakland bezeichnet werden. In Nachbarländern wie der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Dänemark sind Zigaretten teurer. Allerdings sind sie in vielen anderen EU-Ländern auch noch billiger, darunter in Österreich, Spanien, Italien, Polen und Tschechien.

In Deutschland steigt die Steuer für eine Packung mit 20 Zigaretten im kommenden Jahr um durchschnittlich 10 Eurocent. 2023 werden weitere 10 Eurocent aufgeschlagen, in den Jahren 2025 und 2026 kommen noch einmal jeweils 15 Eurocent pro Packung hinzu.

Am 1. Januar 2022 tritt zudem das Tabaksteuermodernisierungsgesetz in Kraft. Auch Wasserpfeifentabak und erhitzter Tabak, die beide bislang niedriger – nämlich wie Pfeifentabak – besteuert worden sind, werden damit höher besteuert. Auch bei den Liquids für E-Zigaretten wird an der Steuerschraube gedreht – jedoch erst ab 1. Juli 2022.

Studien zufolge gehen nach wie vor etwa 13 Prozent der Mortalität in Deutschland auf das Tabakrauchen zurück, wobei sich mehr als ein Viertel dieser Todesfälle noch im Erwerbsalter ereignen. Jährlich sterben in Deutschland ungefähr 125.000 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum. Das sind mehr Rauchertote in nur einem Jahr als die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus nach nunmehr fast zwei Jahren beträgt.

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(rt/dpa)

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