Gesellschaft

Die Vergänglichkeit des Ruhms – Wer davon am meisten betroffen ist und wer in Erinnerung bleibt

Ein Forscherteam aus Lausanne und Stanford hat untersucht, wie der Eindruck in der Öffentlichkeit bleibt, wenn Prominente versterben. Ihre Studie zeigt, wer die besten Chancen hat, im öffentlichen Gedächtnis zu bleiben, und wer aus diesem rausrutscht.
Die Vergänglichkeit des Ruhms – Wer davon am meisten betroffen ist und wer in Erinnerung bleibtQuelle: www.globallookpress.com © Henrik Hildebrandt/colourpress.c

Von Tilo Gräser

"Was bleibt nach dem Tode, wenn der Name nicht bleibt? Und wie bleibt der Name, wenn Geschichte er schreibt?" Diese Fragen stellte die DDR-Band Stern Combo Meißen vor fast 45 Jahren in ihrem Lied "Kampf um den Südpol". Bis heute fragen sich das viele Menschen, vor allem wirkliche und eingebildete Prominente.

In der Vergangenheit galt als eine der schwersten Strafen, aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen zu werden, die "damnatio memoriae". Was ein Mensch tun muss, damit ihm das nicht widerfährt, das wollten Forscher der Universitäten in Lausanne und in Stanford herausfinden. Dafür wurde untersucht, wie Tausende von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Jahr nach ihrem Ableben erwähnt wurden. Dadurch konnte herausgefunden werden, an wen man sich nach deren Tod erinnert und an wen nicht.

Die Wissenschaftler haben laut einer Pressemitteilung über ihre Studie die Erinnerung an mehr als zweitausend Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die zwischen 2009 und 2014 verstorben sind, nachverfolgt. Die Zahlen wurden mithilfe von Algorithmen ausgewertet, heißt es. Die in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Studie fand vier Muster des Erinnerns: "Aufblitzen", "Schweigen", "Zunahme" und "Abnahme".

Politiker und Sportler schnell vergessen

Robert West, Hauptautor der Studie und Forscher in Lausanne, sagte dazu laut Pressemitteilung: "Das häufigste Muster betrifft etwa die Hälfte aller Menschen. Vor ihrem Tod wird nicht viel über sie geredet, nach ihrem Tod gibt es einen kleinen Aufschwung und dann geht es wieder auf das Niveau vor ihrem Tod zurück. Ein weiteres Viertel der Menschen weist ein im Grunde völlig flaches Muster auf. Über sie erscheint in den meisten Zeitungen nicht einmal ein Nachruf."

Wenn Prominente nach ihrem Tod aus dem öffentlichen Gedächtnis herausrutschen, handelt es sich der Studie nach "oft um Personen aus den Bereichen Politik oder Sport, die nicht mehr die Dinge tun, die sie in die Schlagzeilen gebracht haben". Es gebe einige wenige sehr berühmte Leute unter ihnen, doch auf die Mehrheit treffe das nicht zu.

"Es gibt eine Handvoll Superstars, an die man sich wirklich erinnert, während die meisten anderen in Vergessenheit geraten."

Laut den Forschern gibt es kurzfristig mehr Aufmerksamkeit, wenn jemand jung stirbt oder bei einem sogenannten unnatürlichen Tod. Am Längsten bleiben aber der Studie zufolge Künstler in der Erinnerung der Gesellschaft, "da sie ein kulturelles Erbe hinterlassen, das sie überdauern wird".

Künstler bleiben in Erinnerung

Als Beispiele werden die Sängerin Whitney Houston und der ehemalige Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, genannt. "Am Tag ihres Todes stieg die Zahl der Erwähnungen sprunghaft an, da die Welt sich an sie erinnerte. Im darauffolgenden Jahr sah es anders aus: Houstons 'Aufstieg' dauerte ein Jahr, während Chavez in den 'Abstieg' rutschte", erklärte Forscher West laut der Pressemitteilung.

Danach waren die Forscher überrascht, dass jemand wie Houston fortgesetzt in den Mainstream-Nachrichten und in den sozialen Medien erwähnt wird. Zudem würden die Nachrichten in den sogenannten sozialen Netzwerken eine zusätzliche Rolle spielen. "Dadurch wird sowohl die Neugier der Öffentlichkeit befriedigt, indem beispielsweise über den spektakulären Tod eines jungen Menschen berichtet wird, als auch ein kollektives Gedächtnis geschaffen, wenn ein alter Mensch oder eine bedeutende Persönlichkeit nach einem erfolgreichen Leben stirbt."

Ruhm sei "eine seltene Sache", wird West zitiert, der zudem meint, dass "es sich wahrscheinlich nicht lohnt, danach zu streben". Selbst für jene, die gezielt danach streben, bleibe er nicht von Dauer. Die persönliche Erkenntnis des Forschers:

"Ich schätze es, 'im Moment zu leben', denn wenn man sich nicht einmal an diese berühmten Menschen erinnert, dann weiß ich, dass dies bei mir auch nicht der Fall sein wird."

In dem eingangs erwähnten Lied der Stern Combo Meißen geht es um die beiden Antarktis-Forscher Roald Amundsen aus Norwegen und Robert Falcon Scott aus Großbritannien. Ihr Wettlauf um den Südpol 1911 endete tragisch: Der Norweger erreichte den Pol am 14. Dezember 1911 als Erster – als Scott einen Monat später ankam, sah er die wehende norwegische Flagge. Auf dem Rückweg kamen alle Teilnehmer der Scott-Expedition ums Leben, einschließlich des britischen Polarforschers.

Die Antwort der bis heute spielenden Band aus dem sächsischen Meißen: "Was bleibt nach dem Tode, wenn nicht bleibt der Ruhm. Was bleibt nach dem Tode, große Tat, großes Menschentum."

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