Europa

Selenskij, ein "Kämpfer für Freiheit und Demokratie" – am Tegernsee

Wladimir Selenskij erhält den diesjährigen "Freiheitspreis der Medien". Die Weimer Media Group schreibt ihm dafür "Verdienste" als Vorkämpfer "für Freiheit und Demokratie" zu. Den Preis erhalten auch die weißrussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja und die frühere russische TV-Journalistin Marina Owsjannikowa.
Selenskij, ein "Kämpfer für Freiheit und Demokratie" – am TegernseeQuelle: AFP © Sergei SUPINSKY / AFP

Die Auszeichnung "Freiheitspreis der Medien" wird dieses Jahr zum achten Mal vergeben. Dahinter steht die Weimer Media Group aus München, die den "Ludwig-Erhard-Gipfel" an ihrem zweiten Standort in Tegernsee ausrichtet. Auf dieser Veranstaltung soll dort am kommenden Freitag auch die Preisverleihung stattfinden. Ob die Preisträger anwesend sein werden, wurde nicht mitgeteilt, dies hängt möglicherweise auch von der Verfassung der Protagonisten ab.

Wie ntv berichtet, soll der CSU-Politiker und Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament Manfred Weber die Lobrede halten. Das Nachrichtenportal zitiert aus der Begründung für die Vergabe des Medienpreises an den ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij, die nicht an starken Worten spart:

"Es sind Ukrainerinnen und Ukrainer, Belarussinnen und Belarussen und auch Russinnen und Russen, die in Osteuropa an der Front gegen das Böse, gegen Krieg und Tyrannei stehen und ihre, aber auch unsere Freiheit tapfer verteidigen. Mit Worten, mit Taten, mit großem Mut – und mit ihrem Leben. Deutschland, Europa und die Welt erleben eine Zeitenwende, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges einmal mehr über Frieden und Freiheit, über Wahrheit und Unrecht entscheidet. Und sie mahnt uns: Individuelle Freiheit, Demokratie und Wohlstand sind nicht selbstverständlich."

Das Lob der Jury gipfelt in der Behauptung, der ukrainische Präsident verkörpere ein neues Freiheitsidol, und stilisiert ihn dabei gar zu einem "Führer", noch dazu einem "charismatischen" hoch:

"Präsident Selenskyj steht für eine Generation charismatischer Führer, die Menschen in der ganzen Welt für ihren Mut, ihre Vision und ihre Freiheitsliebe und Gerechtigkeit inspirieren."

Selenskij in bester Gesellschaft

Während es um die weißrussische Preisträgerin Swetlana Tichanowskaja in letzter Zeit etwas ruhiger geworden ist, erhält die russische Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa gegenwärtig noch Aufmerksamkeit. Sie wurde vor wenigen Wochen einem größeren Publikum im Westen bekannt, als sie aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine während einer Nachrichtensendung mit einem selbst geschriebenen Plakat Mitte März vor die laufende Kamera trat. Zwar folgte ihre Entlassung auf dem Fuße, doch ließ eine Anschlussbeschäftigung als freie Korrespondentin bei der Welt nicht lange auf sich warten.

Wie das Verleger-Ehepaar Weimer betonte, soll der von ihnen vergebene "Freiheitspreis" Personen auszeichnen, die sich – wie ntv formulierte – "in besonderer Weise für die freie Meinungsäußerung, das gesellschaftliche Miteinander, den politischen Dialog und die Demokratie einsetzen".

Der "Ludwig-Erhard-Gipfel" solle als "weltanschauliche[s] Format zur Förderung der europäischen Idee" in der Gegenwart "eine tragende Rolle" spielen.

Die Verleger sprechen von einer "politische[n] Diskussion auf Grundlage gemeinsamer Werte" und behaupten, "Akzeptanz gegenüber Meinungspluralismus sowie die Debatte um Leitlinien für den globalen Wirtschaftsaustausch" seien ihnen "wichtiger denn je".

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt, ob der Erhard-Gipfel am Tegernsee auch die Lage der politischen Opposition in der Ukraine, die Verfolgung ihrer Exponenten oder die Schließung von Zeitungen und Fernsehstationen thematisieren wird.

Alles, was Rang und Namen hat, redete hier schon

Die lange Liste der Lobredner, mit der die Weimer Media Group für den von ihr verliehenen Preis aufwarten kann, spricht auf ihre Weise für sich. Dazu zählten unter anderem der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesfinanzminister Christian Lindner, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg, die Vizeregierungschefin von Liechtenstein Sabine Monauni, SPD-Chef Lars Klingbeil, die Bundesvorsitzende der Grünen Ricarda Lang, der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Digitalministerin Judith Gerlach und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, BDI-Präsident Siegfried Russwurm, ifo-Präsident Clemens Fuest, die sogenannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer, außerdem etliche bekannte Wirtschaftskapitäne wie der Vorstandsvorsitzende von Bayer Werner Baumann, der Audi-Chef Markus Duesmann, der Geschäftsführer von Sanofi Deutschland Jochen Maas und einige weitere.

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