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"Geht nach Russland" – Ukrainischer Präsident wendet sich an die Donbass-Bevölkerung

Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hat gegenüber der Donbass-Bevölkerung weitreichende Aussagen gemacht. Er sagte, dass die unkontrollierten Territorien künftig unausweichlich in die Ukraine zurückkehren. Diejenigen, die "die Ukraine nicht mögen", sollten nach Russland auswandern.
"Geht nach Russland" – Ukrainischer Präsident wendet sich an die Donbass-BevölkerungQuelle: AFP © Wladimir Supinski

In einem Interview dem staatlichen Fernsehsender Dom (Haus) wendete sich der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij an die Bevölkerung der von Kiew nicht kontrollierten Gebiete im Osten des Landes. Da der Kanal als Nachrichtenquelle für die Einwohner dieser Region konzipiert ist, sprach er Russisch. Selenskij sagte, dass dieses Territorium niemals russisch werde. Er verglich die Situation mit dem Mauerfall in Deutschland – es sei unwichtig, wie lange es besetzt ist.

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"Die Menschen, die Geschichte werden in jedem Fall die Gunst der Stunde nutzend sie zum Einsturz bringen." Dann stellte er die Menschen vor der Wahl, ob sie sich heimisch fühlen oder Gäste sind. "Ist es Ihre Heimat, oder sind Sie ein Gast?"

"Wenn Sie Russland lieben und glauben, dass Sie Ihr ganzes Leben lang gefühlt haben, dass dieses Gebiet der Ukraine zu Russland gehört, dann sollten Sie Ihren Kindern und Enkeln zuliebe bereits jetzt einen Platz in Russland suchen – das ist das Richtige."

Es gehe aber nicht darum, jemanden rauszuwerfen, betonte Selenskij. Es gehe darum, die Frage zu beantworten, "wer Sie sind". Er wies darauf hin, dass es ohne die Ukraine auf diesem Territorium keine Zivilisation geben werde. "Die Ukraine wird sich entwickeln, wird wachsen. Der Donbass in diesem abgeschnittenen, besetzten Zustand nicht. Deswegen wird es kein Glück für diese Menschen dort geben." Aber wenn die Menschen sich als Ukrainer fühlen, die ukrainische Flagge und Sprache respektieren, sollten sie abwarten.

"Wartet ab, haltet durch. Dieses Land wird auf jeden Fall befreit werden", versprach Selenski.

In den nicht anerkannten Volksrepubliken im Donbass riefen die Worte des ukrainischen Präsidenten scharfe Kritik hervor. Das Gesagte sei einfach zum Fremdschämen, sagte die Außenministerin der Volksrepublik Donezk Natalia Nikanorowa. Selenskij wisse nicht, dass der Donbass seit Jahrhunderten eine russische und russischsprachige Region war und ist, sagte sie und wies auf den Unterschied zwischen den Begriffen "russisch" und "russländisch" hin. Außerdem verstünden die ukrainischen Behörden die wahren Ursachen des Konflikts nicht.

"Ein Konflikt, der nicht nur und nicht so sehr wegen einer wirklich objektiv vorhandenen Liebe zu Russland begann, sondern in erster Linie wegen des Unwillens Kiews, uns, unsere Meinung, unsere Ablehnung der gesetzlosen Ereignisse auf dem Maidan anzuhören", schloss sie.

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Scharfe Kritik an Selenskij kam vor allem von den russischsprachigen Medien in der Ukraine. Der Präsident mache auf diese Weise deutlich, dass die Ukraine bereit ist, diese Regionen nur ohne ihre derzeitige Bevölkerung zu reintegrieren, schreibt das Internetportal Strana.ua

"Es ist allerdings nicht ganz klar, gegen welche Gesetze der Ukraine diese Selbstidentifizierung verstößt (auch in dem von Kiew kontrollierten Gebiet leben Millionen von Russen)", fährt Strana.ua fort.

"Mit derselben Logik könnte man vorschlagen, dass die Juden der Ukraine nach Israel gehen. Oder diejenigen nach Europa auszuweisen, die in die Europäischen Union eintreten wollen."

Die Journalistin Olesja Medwedewa kritisierte Selenskij für das gebrochene Wahlversprechen. "Selenskij demütigt weiterhin die Bewohner des Donbass. Der Mann, dem die Ukrainer bei den Präsidentschaftswahlen einen enormen Vertrauensbonus entgegenbrachten, verhöhnt nun ohne Gewissensbisse die Bürger der Ukraine und ihre Geschichte", schreibt sie auf Facebook. Selenskijs Aussagen erinnerten an den bei den Nationalisten populären Spruch "Koffer, Bahnhof, Russland", mit dem all jene zur Auswanderung aufgefordert werden, die mit der ultranationalistischen Politik nicht einverstanden sind. 

Auch in Russland wurden die Äußerungen des ukrainischen Präsidenten kommentiert. Wladimir Dschabarow, Vizevorsitzender des internationalen Ausschusses im Föderationsrat, nannte sie im Gespräch mit RT "verbrecherisch". 

"Im Wesentlichen sagte Selenskij, was viele ukrainische Politiker, insbesondere Nazis und die Westler, mehr als einmal gesagt haben – dass sie das Land im Donbass brauchen, aber nicht die Menschen, die dort leben. Dieses Vorgehen ist nicht nur seltsam, sondern auch verbrecherisch gegenüber der Bevölkerung des Landes. Daher denke ich, dass sie selbst die Bewohner des Donbass zur Selbstbestimmung drängen", sagte Dschabarow.

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