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Frankreichs Premier: Vierte Corona-Welle läuft, die meisten neuen Fälle bei Nicht-Geimpften

In Frankreich gelten seit Mittwoch neue Corona-Regeln. Premierminister Jean Castex erklärte im TV, dass sich das Land in einer vierten Welle befindet. Die meisten neu registrierten Fälle gebe es unter den ungeimpften Bürgern Frankreichs.
Frankreichs Premier: Vierte Corona-Welle läuft, die meisten neuen Fälle bei Nicht-GeimpftenQuelle: AFP © Thomas Samson

Frankreich kämpft gegen die als hochansteckend geltende Delta-Variante des Coronavirus. Die Regeln im Land wurden schon verschärft. Nun erklärte Premierminister Jean Castex am Mittwochabend im Fernsehsender TF1: 

"Wir befinden uns in der vierten Welle."

Die Delta-Variante des SARS-CoV-2-Erregers mache nun die Mehrzahl aller neuen Ansteckungen aus, so Castex weiter. Als Gast in einer Nachrichtensendung von TF1 verteidigte der Politiker die Einführung des sogenannten "Gesundheitspasses", der ab Mittwoch im ganzen Land gilt. Ab nun muss ihn jeder beim Besuch von Museen, Theatern, Kinos oder Touristenattraktionen vorzeigen. Damit wird bescheinigt, dass der Inhaber gegen das Coronavirus geimpft oder erst kürzlich negativ auf das Virus getestet wurde.

Auch andere Veranstaltungen oder Orte wie beispielsweise Messen oder bestimmte Sporteinrichtungen sind von der Entscheidung betroffen. Ab August soll der "Gesundheitspass" dann auch in Fernzügen, Bars, Restaurants, Einkaufszentren oder Krankenhäusern verpflichtend sein. Ein entsprechendes Gesetz wurde auf den Weg gebracht.

Castex zeigte sich besorgt über die stetig steigenden Corona-Zahlen im Land und rief die Bevölkerung dazu auf, sich demnächst impfen zu lassen. Zur Rechtfertigung der Entscheidung, den COVID-Gesundheitspass in ganz Frankreich einzuführen, verwies der französische Premierminister darauf, dass 96 Prozent der 18.000 am Dienstag verzeichneten neuen Corona-Fälle Menschen betrafen, die noch nicht gegen das Coronavirus geimpft seien.

Zuvor hatte Gesundheitsminister Olivier Véran vor der Nationalversammlung darüber berichtet, dass es in letzter Zeit einen noch nie dagewesenen Anstieg der Fälle seit Beginn der COVID-19-Pandemie in Frankreich gegeben habe – eine 150-prozentige Steigerung innerhalb der letzten Woche. Zurückzuführen sei dies auf die Delta-Variante. Allein am Mittwoch wurden rund 21.000 neue positive Infektions-Befunde gemeldet.

Der "Gesundheitspass" ist in ganz Frankreich auf heftigen Widerstand gestoßen. Zehntausende Menschen gingen in mehreren französischen Städten auf die Straßen und nannten die Regierung von Präsident Emmanuel Macron eine "Impfdiktatur". Einer von Macrons eigenen Abgeordneten, Pacôme Rupin, behauptete, der "Gesundheitspass wird unser Land spalten".

Der Pass wurde demnach eingeführt, um die Ausbreitung der Infektionen einzudämmen und um gleichzeitig zu vermeiden, dass das Land wieder einen landesweiten Lockdown verhängen muss. Castex stellte im TF1 jedoch eindeutig klar, dass derzeit nicht in Erwägung gezogen werde, den Pass für Kinder im Schulalter zu verlangen, wenn diese im September wieder in ihre Klassenräume zurückkehren werden.

Bislang erhielten in Frankreich (mit rund 67 Millionen Einwohnern) rund 58 Prozent der erwachsenen Bürger mindestens eine erste Dosis eines Corona-Impfstoffs verabreicht. Das sind rund 38 Millionen Menschen. Bis Ende August will die Regierung laut Premierminister die Zahl von 50 Millionen Erstgeimpften im Land erreichen.

Kürzlich wurde die Impfung für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen verpflichtend gemacht. Um die Immunisierungs-Kampagne gegen SARS-CoV-2 in der breiten Bevölkerung weiter anzukurbeln, sollen unter anderem die PCR-Tests ab Herbst kostenpflichtig werden, sofern sie nicht ärztlich verschrieben wurden. Zudem sollen laut Aussagen von Castex mit Beginn des neuen Schuljahres in den weiterführenden Schulen Impfaktionen für die 12- bis 17-Jährigen durchgeführt werden.

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