Europa

"Wer andern eine Grube gräbt ..." – Sacharowa erinnert DW an Karikatur zum Hochwasser in Sibirien

Ein Gouverneur in Sibirien hatte sich im Gespräch mit Flutopfern in der Sprache vergriffen – und die Deutsche Welle hatte mit einer bissigen Karikatur reagiert. Nun erinnerte die russische Diplomatin Maria Sacharowa den Autor an die zwei Jahre alte Zeichnung.
"Wer andern eine Grube gräbt ..." – Sacharowa erinnert DW an Karikatur zum Hochwasser in SibirienQuelle: Sputnik © Kirill Schipitzyn

Ende Juni 2019 kam es infolge von Starkregen zu Überschwemmungen in der sibirischen Kleinstadt Kansk im Gebiet Kransnojarsk. Mehr als 100 Einfamilienhäuser und Datschas standen teilweise unter Wasser, Dutzende Menschen mussten von Rettungskräften evakuiert werden.

Der Gebietsgouverneur Alexander Uss besuchte den Ort und traf sich mit den Betroffenen, um mit ihnen über ihre Nöte zu sprechen. Eine Frau machte ihn auf mögliche Probleme mit einer Verkehrsstraße aufmerksam. "Haben sie unsere Straße gesehen? Wenn sie weggespült wird, sind wir hier abgeschnitten." "Was möchten Sie mir sagen? Wollen Sie mit mir diskutieren? Das kann ich auch", fragte Uss zurück.

Die Frage wurde zwar gleich im Gespräch geklärt. Aber da der Vorgang von Gesprächsteilnehmern gefilmt wurde, tauchten die Worte des damals frisch wiedergewählten Gouverneurs in den Medien auf. Für seine Wortwahl musste der Gebietschef viel Kritik einstecken, sogar aus der Staatsduma.

"In dieser Situation haben die Regierenden kein Recht auf diese Art von Emotionen, man muss mit Leuten absolut respektvoll sprechen, insbesondere in dieser Situation", sagte ein Abgeordneter der regierenden Partei "Einiges Russland".

Auch die Deutsche Welle nahm darauf Bezug – mit einer Karikatur. "Der Gouverneur der Region Krasnojarsk, Alexander Uss, hat die Bewohnerin von Kansk, wo es eine Überschwemmung gab, beleidigt. Später entschuldigte er sich, aber seinen Ruf hat er bereits ruiniert, glaubt der Karikaturist Sergei Jolkin", twitterte die DW.

An diesen Tweet erinnerte zwei Jahre später die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. "Ich rate der Deutschen Welle, sich die Karikatur noch einmal anzusehen, sie könnte nützlich sein, um den Umgang deutscher Politiker mit deutschen Bürgern nach der Flut in der Bundesrepublik zu demonstrieren", schrieb sie auf Facebook. In dem Passagier eines Hubschraubers könne man leicht etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erkennen, so Sacharowa weiter. Auch der Text könne unverändert bleiben, nur den Rumpf müsse man durch den Namen eines beliebigen deutschen Regionalpolitikers ersetzen.

"Obwohl da auch eine Ergänzung passen würde: 'Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.'"

Mit ihrem Beitrag spielte Sacharowa offenbar auf den Fauxpas des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet an, der durch Lachen beim Besuch des Katastrophengebiets aufgefallen war. Die Kameras hielten auch Steinmeiers unauffälliges Lächeln fest, das ebenso in einer Gesprächssituation entstanden war. Aber auch mutmaßliches Behördenversagen – etwa bei der Vorwarnung der Bevölkerung oder ersten Hilfsmaßnahmen – könnte gemeint sein.

Sacharowa war nicht die Erste, die in diesen Tagen an den russischen Karikaturisten dachte. Jolkin ist bekannt für seine bissigen Zeichnungen, auf denen er vor allem Wladimir Putin und die russische Regierung verspottet. Sie werden fast täglich exklusiv bei der russischen Version der Deutschen Welle veröffentlicht

"Wer schreibt denn für euch die Anweisungen?", wandte er sich am Sonntag auf Twitter an die "Kreml-Bots". "Die letzten Tage werde ich mit den gleichen Fragen bombardiert: 'Warum zeigst du keine Karikaturen über das Hochwasser in Deutschland? Wie kann man so ein verschlacktes Gehirn haben?'", beschwerte sich Jolkin. Offenbar glaubte er, hinter diesen Attacken eine koordinierte Medienkampagne gegen sich und die Deutsche Welle zu erkennen. 

Im Juni und Juli 2019 waren mehrere russische Regionen von starken Überschwemmungen heimgesucht worden. Während es im Gebiet Krasnojarsk keine Todesopfer gegeben hatte, waren in Irkutsk 29 und in Krasnodar sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Flutkatastrophe in Deutschland forderte bislang mehr als 160 Menschenleben, die Opferzahl kann aufgrund vieler Vermisster noch steigen.

Die russische DW-Version widmete der Katastrophe in Deutschland Dutzende Beiträge, wobei mögliches Fehlverhalten deutscher Politiker kein Thema war. Mutmaßliches Behördenversagen beim Katastrophenschutz wurde in einem Meinungsartikel thematisiert. Der Autor kam zu dem Schluss, dass Defizite viel eher bei den technischen Möglichkeiten des Frühwarnsystems zu suchen seien.

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