Europa

Deutlich mehr Tote durch Alkohol in Großbritannien während COVID-19-Pandemie

Durch die Webcam riecht man keine Alkoholfahne. In Großbritannien wurde während der Pandemie mehr getrunken und auch die Zahl der alkoholbedingten Toten stieg – um ein Fünftel. Die häufigsten Gründe für den Alkoholgenuss sind Existenzängste, Einsamkeit oder Langeweile.
Deutlich mehr Tote durch Alkohol in Großbritannien während COVID-19-PandemieQuelle: www.globallookpress.com

In Großbritannien sind während der COVID-19-Pandemie deutlich mehr Menschen an den Folgen starken Alkoholkonsums gestorben. Die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle legte 2020 um ein Fünftel auf 6.983 zu, wie die Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) am Donnerstag mitteilte. Dabei waren Lebererkrankungen die mit Abstand häufigste Todesursache. Auch der Kauf und Konsum von Alkohol schossen demnach in die Höhe, obwohl Kneipen, Restaurants und Clubs insgesamt für mehr als ein halbes Jahr geschlossen waren.

Pamela Healy von der Hilfsorganisation British Liver Trust wies auf die Umstände der Lockdowns mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen hin. "Stress, Einsamkeit und der fehlende Zugang zu Hilfsdiensten haben dazu geführt, dass viele Menschen mehr Alkohol trinken und ihre Leber gefährden", sagte sie. PHE-Expertin Rosanna O'Connor forderte: "Die Bekämpfung von schädlichem Alkoholkonsum muss ein wesentlicher Bestandteil unseres Erholungsplans von der COVID-19-Pandemie sein."

Wie PHE unter Berufung auf Verbraucherstatistiken weiter mitteilte, verkauften Läden und Supermärkte im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) rund 12,6 Millionen Liter Alkohol mehr als im Vorjahr – ein Plus von rund einem Viertel (24,4 Prozent). Vor allem Menschen, die bereits vor der Corona-Krise viel Alkohol erwarben, hätten während der Pandemie mehr gekauft. Die Zahl der Menschen, die "auf steigendem und höherem Risikoniveau" Alkohol trinken, sei um mehr als die Hälfte – 58,6 Prozent – gestiegen. Todesfälle durch Alkoholvergiftung stiegen um 15,4 Prozent, nach einem Plus von 4,5 Prozent im Vorjahr.

Internationale Studie: Mehr als ein Drittel der Befragten tranken mehr Alkohol

Großbritannien steht mit diesem Problem nicht allein da. Der Alkoholkonsum in der Pandemie hat laut Global Drug Survey weltweit signifikant zugenommen – das Trinken hat sich trotz Schließung von Bars und Kneipen einfach nach Hause verlagert. Wie die Deutsche Welle im Februar berichtete, wurden für die internationale Studie im Mai und Juni 2020 insgesamt 58.811 Personen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Australien, Neuseeland, Brasilien und den USA befragt. Davon gaben 43 Prozent an, häufiger Alkohol getrunken zu haben und 36 Prozent gaben an, mehr Alkohol konsumiert zu haben.

Diese Angaben decken sich mit den Beobachtungen von Psychotherapeuten und Psychiatern in Deutschland, die in der Pandemie einen steigenden Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum und dadurch eine Zunahme psychischer Probleme beobachtet haben. Neben Alkohol und Nikotin versuchen viele, ihren Kummer auch mit Medikamenten zu betäuben. Ein Drittel der Experten diagnostizierte einen vermehrten Konsum von härteren Drogen wie Cannabinoiden, Kokain oder Halluzinogenen.

Betroffen sind vor allem Personen, die schon vor der Krise psychische Probleme oder Alkoholprobleme hatten. Außerdem fehlt bei vielen durch Isolation und Homeoffice die soziale Kontrolle – durch die Webcam riecht man keine Alkoholfahne.

Im Global Drug Survey nannten die Befragten als häufigste Gründe für das veränderte Trinkverhalten in der Pandemie, einfach "mehr Zeit dafür zu haben" (42 Prozent) oder schlicht "aus Langeweile" zu trinken (41 Prozent). Einige wollen mit dem Alkohol Ängste und Sorgen kompensieren, die die Corona-Krise bei ihnen ausgelöst hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die geläufigen Mittel der Stressbewältigung, Ausgehen oder Sport, oftmals wegfallen.

Betroffen sind laut BKK-Studie nicht nur psychisch labile Personen oder Menschen mit langjährigen Alkoholproblemen. Auch bislang unbelastete Menschen geraten durch Job- und Existenzängste, Einsamkeit, Langeweile oder das Fehlen der gewohnten Tagesstrukturen in seelische Nöte – und sind suchtgefährdet. 

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(RT/dpa)

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