Europa

Frankreich: Trotz mehr als 270.000 offener Impftermine besteht Regierung auf Priorisierung

Wie Deutschland setzt auch Frankreich darauf, zuerst die Ältesten und Schwächsten gegen das Coronavirus zu impfen. Trotz einer derzeit großen Anzahl an nicht in Anspruch genommenen Impfterminen soll aber an der Reihenfolge der Impfberechtigten nicht gerüttelt werden.
Frankreich: Trotz mehr als 270.000 offener Impftermine besteht Regierung auf PriorisierungQuelle: Reuters © Benoit Tessier

Der Leiter der französischen Corona-Impfstrategie, Alain Fischer, betonte erneut, dass die Mitarbeiter des Gesundheitswesens weiterhin ihrer Prioritätenliste folgen werden, um die am meisten gefährdeten Menschen zuerst gegen das Coronavirus zu impfen – trotz einer riesigen Anzahl von Impfterminen, die bisher nicht in Anspruch genommen wurden.

Fischer verteidigte am Mittwoch die Impfstrategie der französischen Regierung, die den älteren und gefährdeten Menschen Priorität einräumt, obwohl es noch am selben Morgen um 7.30 Uhr mehr als 270.000 nicht in Anspruch genommene Impftermine gab.

Gegenüber dem Fernsehsender Europe 1 erklärte Fischer:

"Wir müssen die gefährdeten Menschen impfen. Priorität müssen diejenigen haben, die es am meisten brauchen, die am meisten gefährdet sind, krank zu werden, ins Krankenhaus zu kommen und zu sterben."

Er führte an, dass es notwendig sei, einen ausreichenden Vorrat an Impfstoffdosen zur Verfügung zu haben, damit alte oder kranke Menschen gegen das Coronavirus immunisiert werden können, wenn sie es wünschen. Sie sollten nicht bis zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr warten müssen, weil die Dosen bereits an jüngere Menschen verteilt wurden.

Ohne auf die große Zahl der nicht in Anspruch genommenen Impftermine am Mittwochmorgen explizit einzugehen, räumte Fischer dennoch ein, dass es einige Herausforderungen in Bezug auf die Effizienz der Immunisierungsstrategie gebe.

Es sei richtig, dass es "entweder zu ungenutzten Zeitfenstern oder Dosen kommen kann", erklärte Fischer und fügte hinzu, dass in diesen Fällen "die Verantwortlichen in den Impfzentren oft Wartelisten haben, um vielleicht Leute abzuholen, die etwas jünger sind".

Laut Vite ma dose, einer Internetseite, die online verfügbare Termine in Impfzentren und Apotheken zusammenträgt, gab es an diesem Mittwochmorgen um 7.30 Uhr insgesamt 270.945 offene Termine für eine Corona-Immunisierung. Die Zahl wurde auch im Rahmen eines Kommentars von Gesundheitsminister Olivier Véran vom Dienstag bestätigt. Véran erklärte, dass es "eine Reihe von großen Impfzentren gibt, die offene Impftermine haben".

Die Regierung hatte zwar seit dem Start der Kampagne die Reihenfolge der Impfberechtigten etwas angepasst. Seit Ende März können sich Menschen ab 70 Jahren gegen Corona impfen. Auch das Gesundheitspersonal und Menschen über 50 Jahre mit Vorerkrankungen wie etwa Diabetes, Krebs oder starkem Übergewicht sind berechtigt, eine Immunisierung gegen SARS-CoV-2 in Anspruch zu nehmen. Um die Impfkampagne voranzutreiben, wird inzwischen auch unter anderem in Hausarztpraxen und Apotheken geimpft.

Dennoch kämpft Frankreich – mit mehr als 67 Millionen Einwohnern – im Vergleich zu den Nachbarländern mit einer geringen Impfquote. Und dies trotz zuletzt einer weiteren Welle von Corona-Fällen und COVID-19-Erkrankungen. Seit dem Start der Kampagne am 27. Dezember vergangenen Jahres bis heute haben mehr als 14 Millionen Menschen ihre erste Impfdosis erhalten, mehr als 5,5 Millionen hatten bereits auch ihre zweite Impfung. 

Zuletzt kämpfte das Land unter anderem mit mangelndem Vertrauen in den Impfstoff von AstraZeneca. Ein Arzt postete etwa ein Video, in dem er eine abgelaufene Ampulle des britisch-schwedischen Herstellers wegwirft und betont, er hätte nie gedacht, dass er während einer Pandemie Impfstoffe wegwerfen müsste.

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