Europa

Brüssel: Polizei setzt Wasserwerfer, Tränengas und Drohnen gegen Bürger ein

Ein Festival im Bois de la Cambre in Brüssel begann als Aprilscherz in den sozialen Medien und endete damit, dass die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte, um mehrere Tausend Partygäste zu vertreiben, die sich dem verhängten Lockdown widersetzten.

Rund 5.000 vorwiegend junge Leute kamen am Donnerstag in den Waldpark Bois de la Cambre südlich von Brüssel zu einer Veranstaltung mit unter dem Motto "La Boum", eine Anspielung auf eine französische Teenager-Romanserie der 1980er-Jahre, obwohl es sich offensichtlich um einen Aprilscherz handelte.

Nachdem die Partygänger über Drohnen wiederholt aufgefordert worden waren, sich zu zerstreuen, schickte die Polizei gegen 17 Uhr Ortszeit Bereitschaftspolizisten.

Da das Eingreifen der Sicherheitskräfte nicht die gewollte Wirkung erzielte, griff die Polizei härter durch und setzte schließlich Wasserwerfer und Tränengas ein.

Der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close schrieb gegen 18:30 Uhr auf Twitter, dass Versammlungen "dieser Art" nicht toleriert werden könnten, da die Pandemie noch nicht vorbei sei. Er betonte:

"Diejenigen, die die Anordnungen der Polizei nicht befolgen, laufen Gefahr, verhaftet und strafrechtlich verfolgt zu werden."

Close dankte der Polizei "für die harte Arbeit und den Menschen, die die Regeln seit über einem Jahr befolgt haben."

Einige der trotzigen Partygäste skandierten "Freiheit" und warfen Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Polizisten. Augenzeugenberichten zufolge verlagerten die Menschen die Party nach Anbruch der Nacht kurzerhand auf die Straße.

Belgische Medien berichteten nach vorläufigen Angaben der Polizei von 15 Festnahmen und elf Verletzten, darunter drei Polizisten.

Am Mittwoch entschied ein Gericht in Brüssel, dass die Ausgangssperren mangels parlamentarischer Genehmigungen verfassungswidrig seien. Man wies die belgische Regierung unter Androhung von Geldstrafen an, die Lockdowns innerhalb von 30 Tagen aufzuheben.

Während die Regierung sich leicht eine Geldstrafe von 5.000 Euro pro Tag leisten kann, dürfte die Tatsache, dass sich die ansonsten gegnerischen frankophonen und flämischen Menschenrechtsaktivisten gegen die Lockdowns zusammenschlossen, für einen Grund zum Nachdenken gesorgt haben.

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