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COVID-19-Fälle in Frankreich explodieren – Land rügt AstraZeneca für Vertragsverletzungen mit der EU

Die COVID-19-Krise in Frankreich verschärft sich. Die Zahl der Corona-Fälle steigt sprunghaft an. Weitere Regionen stehen vor dem Lockdown. Paris rügt unterdessen AstraZeneca für eine angebliche Nichteinhaltung vertraglicher Lieferverpflichtungen für den Impfstoff.
COVID-19-Fälle in Frankreich explodieren – Land rügt AstraZeneca für Vertragsverletzungen mit der EUQuelle: www.globallookpress.com © BeckerBredel via www.imago-images.de

Nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch erklärte der französische Regierungssprecher Gabriel Attal, AstraZeneca habe die Zusagen über eine Versorgung der EU-Länder mit dem Impfstoff gegen COVID-19 nicht eingehalten:

"Die Lage ist völlig inakzeptabel."

Französische Krankenhäuser stehen mit rund 27.000 Coronavirus-Patienten unter starkem Druck. Die Zahl der COVID-Patienten auf den Intensivstationen stieg am Dienstag auf 4.634, ein Vier-Monats-Hoch.

"Die Situation verschlimmert sich überall", erklärte Attal den Medien. Er kündigte an, die Menschen würden umgehend vermehrt aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Regierung plane zudem Sanktionen gegen Unternehmen, die nicht genug dafür tun, ihren Arbeitnehmern Heimarbeit zu ermöglichen, sowie verstärkte diesbezügliche Kontrollen.

AstraZeneca bestreitet unterdessen, seine vertragsmäßigen Lieferverpflichtungen mit der EU zu verletzen. Seitens des Pharmakonzerns hält man den Vorwürfen entgegen, der Vertrag verpflichte vielmehr zu "bestmöglichen angemessenen Anstrengungen". Diesen komme man nach, obwohl man mit Problemen bei der Herstellung zu kämpfen habe.

Vergangene Woche verhängte die französische Regierung eine einmonatige Abriegelung von Paris und Teilen Nordfrankreichs, nachdem sich dort die Fälle positiver Testergebnisse durch die augenscheinliche Ausbreitung der hochansteckenden Varianten des Coronavirus gehäuft hatten. Nicht essenzielle Geschäfte mussten dort ihre Pforten vorübergehend schließen und es gibt Einschränkungen, wie weit sich Menschen bei Verlassen ihres Wohnsitzes bewegen dürfen.

Attal zufolge erwägt die Regierung, die Regionen Rhone, Aube und Nievre auf die Liste der COVID-19-Hochrisikogebiete zu setzen. Diese seien sorgfältig zu überwachen und restriktive Maßnahmen könnten erforderlich werden.

Als Teil eines landesweiten Impfprogramms bietet Frankreich ab Samstag Impfungen für alle Personen über 70 Jahren an. Der französische Präsident Emmanuel Macron will Sportstadien zu Massenimpfstellen zweckentfremden.

Bis Montag hatten rund 6,3 Millionen Menschen in Frankreich, etwa 9,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten. Das Land meldete im vergangenen Jahr mehr als 4,3 Millionen Fälle von Coronavirus-Infektionen und hatte fast 93.000 Todesfälle in Verbindung mit der Krankheit COVID-19 zu verzeichnen.

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