Europa

Kontrolle neuer strengerer Corona-Regeln: Tschechien schickt Polizisten und Soldaten auf die Straße

Deutschlands Nachbarland verschärft den Corona-Lockdown. Strikte Regeln wie etwa, dass man seinen Bezirk nur noch in Ausnahmefällen verlassen darf, gelten zunächst für drei Wochen. Zehntausende Polizisten und Soldaten kontrollieren landesweit die Einhaltung der Regeln.
Kontrolle neuer strengerer Corona-Regeln: Tschechien schickt Polizisten und Soldaten auf die StraßeQuelle: Reuters © David W Cerny

Die Bewegungsfreiheit der Menschen in Tschechien ist in den nächsten drei Wochen massiv einschränkt. Zudem werden Geschäfte und Schulen geschlossen. Die Regierung in Prag versucht nun mit verschärften Corona-Regeln, die schnelle Ausbreitung vom SARS-CoV-2-Virus im Land zu verlangsamen. Seit Montag patrouillieren Einsatzkräfte auf den Straßen. 

Die Bürger dürfen seit dieser Woche nur noch in Ausnahmefällen ihren Wohnbezirk verlassen. Über Bezirksgrenzen hinweg bleiben Wege zur Arbeit, zum Arzt, zur Pflege von Hilfsbedürftigen und zu Behördengängen erlaubt – wenn entsprechende schriftliche Nachweise mitgeführt werden.

An 500 Kontrollpunkten im gesamten Land werden rund 25.000 Polizisten und etwa 5.000 Soldaten eingesetzt, um die Einhaltung der verschärften Corona-Regeln durchzusetzen. So dürfen die Beamten stichprobenartige Kontrollen durchführen und die Bürger müssen auf Verlangen persönliche Papiere vorlegen. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 20.000 Tschechischen Kronen, rund 760 Euro.

Im Land gilt zudem eine Ausgangssperre von 21 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Zudem dürfen die Menschen nur in ihrer eigenen Gemeinde Sport treiben oder mit ihren Hunden spazieren gehen. Auch das Tragen von OP-Masken ist in vielen Bereichen Pflicht.

Am vergangenen Wochenende hatte Premierminister Andrei Babiš einen neuen 30-tägigen Ausnahmezustand ausgerufen. Babiš warnte nach einer Sondersitzung des Kabinetts: 

"Wenn wir das nicht tun, sieht die ganze Welt ein zweites Bergamo in Tschechien."

Im vergangenen Frühjahr galt die italienische Provinz Bergamo als der europäische Corona-Hotspot. Bilder von überfüllten Intensivstationen, erschöpften Ärzten und überlasteten Krematorien gingen um die Welt. 

Der Ausnahmezustand in Tschechien soll bis zum 28. März andauern. Der Premierminister warnte vor der immensen Belastung, die weitere SARS-CoV-2-Fälle für die Krankenhäuser bedeuten würden. Ohne die zusätzlichen Maßnahmen werde "unser Gesundheitssystem einfach nicht in der Lage sein, dem standzuhalten", betonte der 66-Jährige. Babiš bestätigte auch, dass die als viel infektiöser geltende südafrikanische Variante des SARS-CoV-2-Virus bereits im Land entdeckt worden sei. 

Das bereitet den tschechischen Gesundheitsbehörden Sorgen, denn die britische Variante hat das Land schon heimgesucht und die Zahl der neu bestätigten Corona-Fälle in die Höhe getrieben. Tschechien kämpft derzeit mit der höchsten Rate an neuen positiven Corona-Befunden unter allen EU-Staaten. 

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Tschechien lag laut Daten der Johns Hopkins-Universität am Sonntag bei 109,82 pro 100.000 Einwohner. Mehr als 7.000 COVID-19-Patienten werden derzeit im Krankenhaus behandelt, davon mehr als 1.500 auf Intensivstationen.

Das Land mit rund 10,7 Millionen Einwohnern verzeichnet seit Beginn der Pandemie insgesamt mehr als 1,2 Millionen Corona-Fälle und mehr als 20.450 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus.

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