Europa

Dank chinesischer und russischer Corona-Impfstoffe: Serbien impft im Rekordtempo

Während in Deutschland heftigst darüber diskutiert wird, warum es zu wenig Corona-Impfstoff gibt und wie das Problem nun gelöst werden könnte, impft ein Land am Rande der EU im Eiltempo: Serbien hat mehr als 500.000 Dosen verabreicht – vor allem Vakzine aus China und Russland.
Dank chinesischer und russischer Corona-Impfstoffe: Serbien impft im RekordtempoQuelle: AFP © Andrej Isakovic

Die Anmeldung zur Impfung gegen das Coronavirus erfolgt online, über die Seite der "elektronischen Verwaltung der Regierung Serbiens", oder telefonisch. Zur Auswahl stehen derzeit drei Impfstoffe – das russische Sputnik V, jenes vom deutschen Pharmaunternehmen BioNTech mit dessen amerikanischem Partner Pfizer und der Corona-Impfstoff Sinopharm aus China. Schon bald könnte laut Medienberichten auch AstraZeneca zum Einsatz kommen.

Seit Ende Dezember wird in Serbien offiziell geimpft. Bis Anfang Februar wurden mehr als 500.000 Dosen verabreicht. Vor allem der chinesische und der russische Impfstoff kommen zum Einsatz. Falls man sich für BioNTech/Pfizer ausspricht, muss man derzeit wegen der Lieferengpässe Wartezeiten in Kauf nehmen. Es besteht keine Impfpflicht.

Wie mehrere bereits Geimpfte aus Belgrad RT DE sagten, müsse man etwa eine Woche nach der Anmeldung auf den Impftermin warten. Via E-Mail bekommt man dann alle Informationen: wann, in welchem Impfzentrum und um wie viel Uhr. Benachrichtigt werden könne man auch via SMS. Danach gehe alles schnell. Auch jene Bürger ohne Termin, die in ein Zentrum kommen, würden geimpft. Sie müssten jedoch Wartezeit in Kauf nehmen.

Das Westbalkanland mit rund sieben Millionen Einwohnern (ohne seine abtrünnige Provinz Kosovo) ging nach anfänglicher Immunisierung älterer Personen und des Pflegepersonals schnell dazu über, auch Jüngeren diese Möglichkeit anzubieten. Nach offiziellen Angaben wurden rund 300 Impfzentren im ganzen Land errichtet. Allein in der Hauptstadt seien es 18. Derzeit ist Serbien das zweitschnellste Land in Europa, gemessen an der Zahl der Geimpften pro 100.000 Einwohner. Schneller ist nur noch Großbritannien.

Serbiens Erfolg dürfte in der Entscheidung der Regierung in Belgrad liegen, sich – anders als EU-Länder – frühzeitig um die Beschaffung der Impfstoffe aller Anbieter zu bemühen. Zudem unterhält Serbien unter Präsident Aleksandar Vučić exzellente Beziehungen zu Moskau und Peking – parallel zum EU-Beitrittsprozess. In Brüssel und Washington wurde dies stets mit Misstrauen betrachtet. Belgrad jedoch blieb seinem Kurs treu. Nun, durch die Impfstoff-Lieferprobleme innerhalb der EU, dürfte Vučić innenpolitisch gestärkt sein.

Bisher wurde nach Serbien etwa mehr als eine Million Dosen des chinesischen Impfstoffs Sinopharm geliefert. Mitte Januar war es Präsident Vučić persönlich, der am Flughafen in Belgrad zusammen mit der chinesischen Botschafterin in Serbien die Lieferung aus Peking in Empfang genommen hatte. Erst vor wenigen Tagen war auch eine neue Lieferung des russischen Sputnik V mit weiteren 40.000 Dosen nach Belgrad gekommen. Nach Angaben des Pressestabs des Präsidenten sollen noch weitere rund 200.000 demnächst folgen. Von BioNTech/Pfizer sollen zudem demnächst rund 9.600 Dosen ins Land geliefert werden.

Bereits im Frühjahr, während der ersten Pandemie-Welle, hatte Serbien Hilfe aus Russland und China angenommen.

In der Region hatten die Länder wie Bosnien-Herzegowina oder die NATO-Verbündeten Nordmazedonien und Montenegro anfänglich auf die Impfstoffe im Rahmen des EU-Beschaffungsprogramms COVAX gesetzt – als Zeichen der Verbundenheit. Doch nun schwenken sie offenbar um. Aus Skopje und Podgorica hieß es jüngst, man wolle jetzt Impfstoffe aus Russland und China kaufen. Die serbische Entität in Bosnien-Herzegowina hatte jüngst Belgrad um Hilfe bei der Beschaffung gebeten.

Nach den aktuellen Angaben der Regierung seien in Serbien seit Beginn der Pandemie mehr als 4.300 Menschen an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung gestorben. Rund 397.000 Menschen wurden bislang als positiv getestet. 

Im Gegensatz zum Frühling, als im Land harte Maßnahmen mit strengen Ausgangssperren von 18 Uhr bis 5 Uhr nächsten Tages verhängt worden waren, fährt Serbien derzeit einen Kurs ohne Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Geschäfte und Restaurants sind offen, im Land gelten Maskenpflicht und Abstandregeln. 

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