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Niederlande: Die nächste Krawallnacht – Straßenkämpfe zwischen Polizei und Demonstranten

In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es erneut zu schweren Ausschreitungen in den Niederlanden. In zehn Städten lieferten sich Demonstranten Straßenkämpfe mit der Polizei. Autos wurden zerstört und Geschäfte geplündert. Mehr als 150 Personen wurden festgenommen.

Nach den massiven Protesten gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung am Sonntag, die zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei führten, kam es Montagabend erneut zu Ausschreitungen in den Niederlanden. Die niederländischen Behörden meldeten Unruhen in mindestens zehn Städten – darunter Amsterdam, Den Haag und Rotterdam.

Die Menschen haben sich kurz vor Beginn der Ausgangssperre in Stadtzentren versammelt. Die Polizei versuchte, die nicht genehmigten Zusammenkünfte aufzulösen. Nach Angaben der BBC feuerten Polizisten Warnschüsse ab und setzten Tränengas ein. Daraufhin eskalierte die Situation. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert die niederländischen Behörden, laut denen "hunderte gewaltbereite Jugendliche" in großen Gruppen "plündernd und randalierend durch die Straßen" gezogen sind. Mehr als 150 Personen wurden von der Polizei festgenommen.

In Rotterdam waren die Proteste besonders gewaltsam. Der niederländische Fernsehsender NOS berichtet von rund 100 "Randalierern", die sich Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein, die Steine und Feuerwerkskörper warfen. Zahlreiche Geschäfte wurden zerstört und geplündert. Nach Polizeiangaben wurden 50 Personen festgenommen.

Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb bezeichnete die Demonstranten als "schamlose Diebe". Die Nacht hinterlasse eine "traurige Bilanz". Mindestens zehn Polizisten seien in Rotterdam verletzt worden, sagte der Rotterdamer Polizeichef Fred Westerbeeke am Dienstagmorgen im niederländischen Radio.

Wie in Rotterdam kam es auch in mehreren anderen Städten der Niederlande zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizeikräften. Dabei wurden Fensterscheiben zerstört, Bushaltestellen demoliert, Feuer gelegt und mancherorts Geschäfte geplündert. Auch Journalisten und Kamerateams waren der Gewalteinwirkung ausgesetzt.

In Den Bosch sind die Ereignisse nach einem NOS-Bericht "gehörig aus dem Ruder gelaufen". Nach einem Feuerwerk sei eine große Gruppe von Demonstranten in die Stadt gezogen. NOS berichtet:

"Auf der gesamten Strecke wurden Plünderungen begangen, Feuer gelegt, Autos zerstört, Geschäfte geplündert."

In Den Bosch und Brabant versuchten kleine Gruppen nach Medienberichten, in Krankenhäuser einzudringen. Die Polizei habe die Zugänge weiträumig abgeriegelt. Krankenwagen mussten in andere Kliniken ausweichen.

Gegen Mitternacht flammten die Unruhen ab. Die Polizei hatte die Lage weitgehend unter Kontrolle, wie Polizeichef Willem Woelders gegenüber NOS sagte:

"Wir stellen fest, dass es im größten Teil der Niederlande wieder ruhig ist."

Anlass der Unruhen sind die von der Regierung verschärften Corona-Maßnahmen und eine seit Samstag geltende Ausgangssperre. Diese sieht vor, dass die Bürger zwischen 21 und 4:30 Uhr in ihren Wohnungen bleiben müssen. Verstöße werden mit Bußgeldern von 95 Euro bestraft.

Sonntagnacht hatten schwere Unruhen in etwa zehn Städten das Land erschüttert. Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen seit 40 Jahren. Eindhovens Bürgermeister John Jorritsma bezeichnete die Ausschreitungen als "Beinahe-Bürgerkrieg". Die Behörden der betroffenen Städte gehen davon aus, dass sich verschiedene Gruppen an den Krawallen beteiligen – darunter Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neonazis. Genaue Ermittlungen dazu gibt es bislang nicht.

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