Europa

Türkei wirft Griechenland Zurückdrängen illegaler Migranten in türkische Gewässer vor

Die griechische Küstenwache soll illegale Migranten, die auf Inseln in der Ägäis gestrandet sind, zurück in türkische Hoheitsgewässer geschickt haben. Dies behauptet der türkische Innenminister und wirft Athen inhumanes Verhalten sowie Folter vor.
Türkei wirft Griechenland Zurückdrängen illegaler Migranten in türkische Gewässer vorQuelle: Reuters © Umit Bektas

Griechische Vertreter der Küstenwache seien in "Folter und tägliche unmenschliche Behandlungen" verwickelt, twitterte der türkische Innenminister Süleyman Soylu. Er adressierte diese Anschuldigung an Notis Mitarachi, den griechischen Minister für Migration und Asyl.

Der türkische Minister fügte ein Video hinzu, das ein Schiff der griechischen Küstenwache zeigen soll, welches mit Migranten gefüllte Rettungsinseln in der Ägäis zurücklässt, um diese türkischen Schiffen zur Bergung zu überlassen.

"Sehen Sie, wie Ihre Einsatzkräfte eine unmenschliche Aktion durchführen", so der türkische Minister auf Twitter an seinen griechischen Amtskollegen. Er fügte hinzu, dass die europäische Grenzschutzagentur Frontex an dieser Praxis mitverantwortlich sei, während Brüssel diese einfach ignoriere.

Soylu veröffentlichte auch einen Link zu einer Erklärung des Kommandos der türkischen Küstenwache, in der einige der jüngsten Vorfälle beschrieben werden, bei denen türkische Offiziere Menschen retteten, die von griechischen Schiffen im Stich gelassen wurden. Die türkische Küstenwache will jeweils am 6. und 8. Dezember insgesamt 28 Menschen aufgegriffen haben.

Diese Geretteten sollen zu der gleichen Gruppe gehören, die zwei Tage lang auf der griechischen Insel Farmakonisi unweit der türkisch-anatolischen Küste gestrandet sei, bevor sie von der griechischen Küstenwache aufgegriffen wurde. Die griechischen Offiziere sollen anschließend die Männer von Frauen und Kindern getrennt und in einem Rettungsboot in türkische Gewässer gebracht haben.

Berichten zufolge sollen die Männer einige Tage auf einem Schiff der griechischen Küstenwache verbracht haben. Dort sollen sie schwer geschlagen und ihnen ihr Geld und ihre Mobiltelefone weggenommen worden sein, so die türkische Erklärung. Ein veröffentlichtes Video zeigt, wie ein türkisches Schiff den männlichen Teil der Gruppe rettet, wobei die Migranten Verletzungen und Narben zeigen, die sie in den Händen der griechischen Küstenwache erlitten haben wollen.

Mitarachi hat auf Soylus Behauptungen nicht reagiert. Bisher bestritt Athen solche Anschuldigungen und behauptete, die internationalen Menschenrechte einzuhalten. Griechenland kritisierte die Türkei bei mehreren Gelegenheiten und beschuldigte die türkische Küstenwache wiederholt, Migrantenboote in griechische Gewässer "geschoben" zu haben.

Die historisch angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten haben sich in den vergangenen Monaten weiter extrem verschlechtert, nachdem es zwischen Ankara und Athen wegen der türkischen Gasbohrungen im östlichen Mittelmeer zu einem Streit gekommen war. Die Türkei behauptet, dass sie in Gewässern auf ihrem eigenen Festlandsockel und in Gebieten, die von Ankara unterstützte türkische Zyprioten für sich beanspruchen, nach Kohlenwasserstoffen sucht.

Die EU äußerte ihre Besorgnis darüber, dass Ankara Flüchtlinge und Migranten als Teil seiner Strategie des Druckes gegen die EU ermuntert, die Grenze von der Türkei nach Griechenland zu überqueren. Dennoch hofft Brüssel in dieser Frage auf eine "verantwortungsvolle Zusammenarbeit" mit Ankara, wie es der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel nur einen Tag vor der Veröffentlichung der türkischen Erklärung formulierte.

Laut Schätzungen der türkischen Regierung befinden sich in dem Land zurzeit 2,23 Millionen registrierte Syrer, die durch den Krieg in ihrem Land vertrieben wurden. Doch auch Menschen aus anderen Teilen der Welt nutzen die Türkei als Drehscheibe, um in die EU zu gelangen.

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