Nahost

Drohnenangriff auf Abu Dhabi: Eine neue Eskalationsstufe im Jemen-Konflikt

Die mit Iran verbündete Ansarullah-Bewegung verübte am Montag einen Drohnenangriff auf Abu Dhabi. Es bleibt unklar, ob bei dem Angriff das emiratische Luftabwehrsystem zum Einsatz kam. Die Waffen der Huthis mit größerer Reichweite wurden laut Experten entweder in Iran hergestellt oder basieren auf iranischer Technologie.
Drohnenangriff auf Abu Dhabi: Eine neue Eskalationsstufe im Jemen-KonfliktQuelle: AP © Planet Labs PBC

Die mit Iran verbündete Ansarullah-Bewegung (Huthi-Milizen) aus dem Jemen hat am Montag einen spektakulären Drohnenangriff auf die emiratische Hauptstadt Abu Dhabi verübt. Die Drohnen wurden vermutlich vom Flughafen Sanaa aus gestartet. Der Angriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate, die weit entfernt vom Jemen liegen, markiert eine Trendwende in Jemen-Konflikt und macht deutlich, dass die Jemeniten in der Lage sind, die Verbündeten der Saudis auch aus der Ferne ins Visier zu nehmen. 

Eine vorläufige Untersuchung der Emirate bestätigte inzwischen, dass die Huthis bei dem Angriff auf eine Ölanlage Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt hatten – Waffen, die die Ansarullah-Bewegung bereits mehrfach gegen Ziele tief im saudischen Territorium anwendete. 

Satellitenaufnahmen zeigen das Ausmaß des Huthi-Angriffs auf die Ölanlage. Die Nachrichtenagentur AP gelangte am Dienstag in den Besitz der Aufnahmen der Planet Labs PBC, auf denen zu sehen ist, wie über einem Treibstofflager der staatlichen Ölgesellschaft Adnoc gewaltiger Rauch aufsteigt.

Die Emirate forderten am Dienstag nach dem Angriff eine Sondersitzung des Sicherheitsrats. Es bleibt weiterhin unklar, ob bei dem Angriff auf Abu Dhabi das Luftabwehrsystem überhaupt zum Einsatz kam. Laut einem vertraulichen Bericht des UN-Sicherheitsrates, der dem Wall Street Journal exklusiv vorliegt, haben die Huthis die Fähigkeit entwickelt, Drohnen, Kurzstreckenraketen und andere Waffen zu bauen, indem sie Materialien wie Motoren verwenden, die sie lokal oder auf dem Schwarzmarkt durch Vermittler in Europa, dem Mittleren Osten und Asien kaufen. 

Jene Waffen mit größerer Reichweite seien jedoch entweder in Iran hergestellt worden oder basieren auf iranischer Technologie, sagten Militär-Experten. "Die Iraner stellten den Huthis das Fachwissen hinter solchen Angriffen zur Verfügung", erklärte Christopher Long, Geheimdienstmanager bei der in Dubai ansässigen Sicherheitsfirma Neptune P2P Group.

Die Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten verschlechterten sich in letzter Zeit, nachdem die VAE ihre Beziehungen zu Israel normalisiert hatten. In den letzten Monaten kam es während der laufenden Atomverhandlungen in Wien zu einem sprunghaften Anstieg der diplomatischen Kontakte zwischen Iran und den arabischen Golfstaaten. Mehrere Analysten führen den Schritt unter anderem auf das schwindende US-Engagement in der Region zurück. Eines der deutlichsten Signale für eine Annäherung zwischen den Emiraten und Iran war der Besuch des nationalen Sicherheitsberaters der VAE, Scheich Tahnun bin Zayid Al Nahyan, Anfang Dezember, der vom iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi in Teheran empfangen wurde. Es war das ranghöchste Treffen zwischen iranischen und emiratischen Beamten seit einem Jahrzehnt.

Die Huthi-Milizen flogen im Grunde einen Luftangriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate, weil diese ihre Militärintervention im Jemen wieder verstärkt haben, obwohl der Golfstaat sich seit 2019 aus diesem Konflikt zurückgezogen hatte. Die Emirate mischten in letzter Zeit wieder militärisch im Jemen mit. Im Jahr 2018 führten die Huthis nach eigenen Angaben einen Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen von Abu Dhabi durch. Die VAE bestritten jedoch, dass es überhaupt zu einem Angriff kam, wobei es seinerzeit auch keine Hinweise auf erhebliche Schäden gab. 

Die Biden-Regierung hat Sanktionen gegen einige Huthi-Funktionäre verhängt, aber Bemühungen, die Bewegung wieder auf die "Terrorliste" zu setzen, zurückgewiesen. Das US-Außenministerium erklärte am Dienstag, dass es weiterhin Einzelpersonen und Organisationen ins Visier nehmen werde. Die gescheiterte, von Saudi-Arabien geführte Kriegskampagne gegen den Jemen hat durch fehlgeleitete Luftangriffe – bei denen Tausende von Zivilisten getötet wurden – die schlimmste humanitäre Krise der Welt in der Region verursacht. Aufgrund der von den Saudis verhängten Blockade gegen Jemeniten leiden Millionen Menschen im Jemen seit Jahren unter anderem an akutem Hunger.

Mehr zum Thema - Fake: Saudischer Film zeigt keine Waffenschmiede der Huthis, sondern Bilder der US-Invasion im Irak

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