Nahost

Nach Waffenruhe: Biden verspricht Israel Nachschub für Raketenabwehrsysteme

US-Präsident Joe Biden verspricht Tel Aviv nach den fast zweiwöchigen Kämpfen mit militanten Palästinensern Nachschub für die Iron Dome-Raketenabwehrsysteme. Er bestätigte zudem ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den beiden Konfliktparteien.
Nach Waffenruhe: Biden verspricht Israel Nachschub für RaketenabwehrsystemeQuelle: Reuters © Jonathan Ernst

In einer kurzen Ansprache an die Nation am Donnerstagabend bekräftigte US-Präsident Joe Biden die Unterstützung Washingtons für Israels "Recht, sich gegen wahllose Raketenangriffe zu verteidigen". Er hob hervor, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ihm seine Wertschätzung für das Iron-Dome-System mitgeteilt habe, welches die beiden Länder gemeinsam entwickelt haben. Laut Netanjahu habe das System das Leben unzähliger israelischer Bürger gerettet, sowohl von Arabern als auch Juden. Biden betonte:

"Ich habe ihm meine volle Unterstützung zugesichert, Israels Iron-Dome-System aufzurüsten, um seine Verteidigung und Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten."

Das im Jahr 2011 in Dienst gestellte israelische Iron Dome-Raketenabwehrsystem nutzt zur Ortung ankommender Raketen ein Radarverfolgungssystem und feuert Abfangraketen ab, um die Geschosse in der Luft abzuschießen. Nach Angaben des Air Force Magazine kostet eine Abfangrakete vom Typ Amir schätzungsweise zwischen 20.000 und 100.000 US-Dollar, wobei die israelische Regierung keine offizielle Zahl nennt. Das System wurde während der jüngsten Angriffe mehrfach in Aktion gesehen, wobei die israelischen Streitkräfte beim Abfangen der Ziele eine Erfolgsrate von etwa 90 Prozent angeben.

Biden wies auch darauf hin, dass Israel und die Hamas sich auf einen Waffenstillstand geeinigt hätten, der wenige Stunden nach seiner Ansprache in Kraft treten sollte. Das von Ägypten vermittelte Abkommen soll die seit elf Tagen anhaltenden intensiven Feindseligkeiten zwischen der palästinensischen Enklave und Israel beenden. Tausende Raketen waren von Gaza aus auf israelische Städte abgefeuert worden, woraufhin die israelische Luftwaffe eine Serie von Angriffen auf das Palästinensergebiet flog. Berichten zufolge wurden bei den Kämpfen mindestens 230 Palästinenser getötet, darunter 65 Kinder sowie 12 Israelis, darunter zwei Kinder.

Tatsächlich schweigen seit 2 Uhr nachts die Waffen. Beide Konfliktparteien halten sich demnach an die ausgehandelten Bedingungen. In palästinensischen Städten zogen daraufhin tausende Menschen auf die Straßen und feierten den vermeintlichen "Sieg".

US-Präsident Biden meinte außerdem, dass Washington in Verbindung mit den Vereinten Nationen und weiteren internationalen Akteuren daran arbeiten werde, "schnelle humanitäre Hilfe" zu leisten und den Wiederaufbau im Gazastreifen zu unterstützen, wo etwa 450 Gebäude durch israelische Angriffe zerstört oder schwer beschädigt wurden, darunter auch eine Reihe von Krankenhäusern und Kliniken. Biden fügte jedoch hinzu, dass diese Bemühungen "in voller Partnerschaft mit der Palästinensischen Autonomiebehörde –  nicht mit der Hamas" erfolgen würden. Hiermit deutete er an, dass die Hamas anderenfalls mit Hilfsgeldern "ihr militärisches Arsenal aufstocken" würden.

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat ihren Sitz im besetzten Westjordanland und wird von Präsident Mahmoud Abbas geleitet. Sie regiert getrennt von der Hamas-geführten Verwaltung in Gaza. Die ersten Wahlen in den palästinensischen Gebieten seit dem Jahr 2006 waren für Mai angesetzt, wurden aber wegen eines Streits mit Tel Aviv darüber verschoben, ob die Bewohner Ostjerusalems zur Wahl zugelassen werden sollen.

Mehr zum Thema - "Zivile Opfer unglücklich und unbeabsichtigt" – Militärsprecher über Luftangriffe auf Gaza