Asien

Thailands Corona-Krise trifft die Ärmsten gewaltig

Das Land des Lächelns lädt zum Weinen ein. Aufgrund der strikten Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 steht Thailand am Scheideweg. Seit 17 Monaten fehlt es dem einst sehr beliebten südostasiatischen Reiseziel an zahlungswilligen Besuchern, sodass eine ganze Branche und alle daran Beteiligten vor einem tiefen Abgrund stehen.
Thailands Corona-Krise trifft die Ärmsten gewaltigQuelle: AFP © Mladen ANTONOV

Im vergangenen Jahr war das Königreich Thailand verhältnismäßig gut im Kampf gegen das Coronavirus aufgestellt. Geringe Infektionszahlen und unter einhundert Tote ließen mit Staunen auf das vielbereiste Land des Lächelns blicken, das sich im März 2020 aus Sicherheitsgründen dafür aber von der wichtigen Einnahmequelle namens Tourismus komplett verabschiedete. Von diesem bedeutenden Wirtschaftszweig, der 2019 für Einnahmen in Höhe von mindestens 58 Milliarden Euro verantwortlich war, leben äußerst viele Menschen.

Oft arbeiten diese Personen ohne feste Arbeitsverträge für ihre täglichen Einnahmen, die ihnen kurzfristig den Lebensunterhalt absichern. Gerade Orte, die für die Natur oder das Vergnügen bekannt sind, locken eine Menge ärmerer Thailänder aus ihrer Heimat, um dort die finanzielle Situation der gesamten Familie zu verbessern. Nachdem aber bereits das letzte Jahr aufgrund äußerst komplizierter Einreisebestimmungen den Strom der Touristen komplett versiegen ließ, war die Hoffnung groß, dass 2021 zurück zum gewohnten Reiseboom führt, der alle geleerten Portemonnaies wieder auffüllen kann.

Nun ist seit dem diesjährigen Neujahrsfest im April aber ein immer stärkerer Anstieg der Corona-Zahlen zu vermelden, sodass sich Thailand aktuell in einer weitaus schlechteren Situation als noch im letzten Jahr befindet. Nicht nur ein wesentlich höherer Anteil infizierter Menschen und mit dem Virus versterbende Personen werden täglich gezählt, auch die Maßnahmen in den mittlerweile 29 als Red Zones bezeichneten Provinzen sorgen bei vielen gesund gebliebenen Thailändern für riesige Existenznöte.

Eigentlich hoffte man Ende 2020 darauf, dass die Krise in den meisten Teilen der Welt unter eine gewisse Kontrolle gebracht worden wäre, sodass unter speziellen Auflagen die touristischen Reisen nach Thailand wieder aus vielen Ländern ermöglicht wurden. Nur ein sehr kleiner Teil von ausländischen Besuchern traute sich aber zurück in das feuchtwarme Klima Thailands, das gerade in den kalten Wintermonaten ansonsten von diesen liebend gerne überrannt wird.

Ein Teil-Lockdown von Dezember bis Januar sorgte zuerst für Verunsicherung, dann wurde nach der Wiederöffnung nur wenige Monate später im April das Songkran-Neujahrsfest als Grund genannt, warum sich das Virus im gesamten Land ausbreiten konnte, was zu neuen Schließungen verschiedener Geschäftsfelder und stärkeren Restriktionen in immer mehr Provinzen führte. Eingeschleppt soll das Virus vor allem von Gastarbeitern aus Myanmar worden sein, die in Thailand unter dürftigen Umständen auf Märkten oder im Baugewerbe arbeiten.

Nun dürfen zwar seit dem 1. Juli geimpfte Ausländer ein Sandbox-Modellprojekt auf der Insel Phuket genießen, das ihnen dort einige Freiheiten gewährt, doch im Rest des Landes ist es mittlerweile so weit gekommen, dass Inlandsreisen zwischen unterschiedlichen Provinzen untersagt wurden. Dies trifft wieder die einheimischen Arbeiter besonders hart, die voller Hoffnung zwecks Geldverdienen die heimatlichen Gefilde verließen, um vom versprochenen Wiedererwachen der Tourismusbranche zu profitieren. Schon seit Monaten besitzen diese Menschen nun kein tatsächliches Einkommen mehr und haben vom thailändischen Staat nicht viel Hilfe zu erwarten.

Einzig von den Einschränkungen direkt betroffene Arbeitnehmer mit bestehenden Verträgen haben den Anspruch auf eine geringfügige finanzielle Unterstützung, die nicht einmal 300 Euro im Monat beträgt und an mindestens sechs Monate eingehende Einzahlungen in den Sozialversicherungsfond gebunden sind.

Somit fehlt einem gehörigen Teil der Bevölkerung in den ehemals überlaufenen Gegenden wie Pattaya, Hua Hin oder Koh Samui das Geld zum Überleben und eine Rückkehr zur Familie wird verhindert. Aus diesem Grund häufen sich an diesen Orten jetzt auch die Obdachlosigkeit und die Abhängigkeit der Betroffenen auf Essensspenden, die häufig nur von noch operierenden Geschäften und Unternehmen organisiert werden. Während der wieder initiierten Ausgangssperren kann es den Hungernden dabei aber auch noch passieren, dass sie von der Polizei vertrieben werden.

Thailand hofft insgesamt auf eine Rückkehr zur Normalität, wenn ein Großteil der Bevölkerung gegen COVID-19 geimpft worden ist, doch die Verfügbarkeit der Impfstoffe ist weiterhin zu sehr begrenzt. Obwohl im Land selbst Vaxzevria von AstraZeneca produziert wird und früh der chinesische Impfstoff von Sinovac in den Einsatz kam, hinkt das Land den eigenen Prognosen hinterher. Erst Ende Juli musste sich der Leiter des Nationalen Impfinstituts öffentlich für die langsame und mangelhafte Versorgung entschuldigen, während er versprach, dem von der UN unterstützen Covax-Programm beizutreten, um im nächsten Jahr an den Bestand gespendeter Impfstoffe zu gelangen.

"Ich entschuldige mich bei den Menschen, dass es dem Nationalen Impfstoffinstitut nicht gelungen ist, eine ausreichende Menge an Impfstoffen für die Situation zu beschaffen, obwohl wir unser Bestes gegeben haben", sagte Nakorn Premsri, Direktor des Impfstoffinstituts, auf einer Pressekonferenz. "Die Mutationen (des Virus) waren nicht vorhersehbar und haben zu einer schnelleren Ausbreitung als im letzten Jahr geführt. Die Bemühungen zur Beschaffung von Impfstoffen entsprachen nicht der aktuellen Situation."

Wie lange die Menschen in Thailand aus der Tourismusbranche ohne wirkliche Unterstützung daher noch überleben können und was vom jährlich einst knapp 40 Millionen Besucher empfangenden Land des Lächelns nach der Corona-Krise übrig bleiben wird, kann unter diesen verheerenden Umständen schnell vermutet werden. Schon zu Beginn von 2021 konnten aufmerksame Beobachter feststellen, dass circa 70 Prozent der einst florierenden Hotelanlagen, Klubs, Bars und Restaurants aufgrund des finanziellen Schadens wohl nicht wieder öffnen können. Jobs für die ehemalige Belegschaft fallen somit auch der Krise dauerhaft zum Opfer.

Etwas, das dem mitverantwortlichen Premierminister Prayut Chan-o-cha von einem gehörigen Teil der thailändischen Bevölkerung ebenfalls gegönnt würde, von diesem aber in keiner Weise in Betracht gezogen wird. Auch der wohl reichste Monarch der Welt, Thailands König Maha Vajiralongkorn, dessen Vermögen auf 70 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, scheint die dringlichen Bedürfnisse seiner Untertanen gekonnt zu übersehen.

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