Asien

Wegen überlasteter Krematorien: Indien verbrennt Leichen in Park – Regierung zensiert Kritiker

Die Corona-Krise in Indien nimmt immer dramatischere Formen an. Es fehlt nicht nur an medizinischer Versorgung – auch die Krematorien sind überlastet. Nun werden Tote sogar in Parks verbrannt. Derweil zensiert Twitter auf Anweisung der Regierung kritische Stimmen.
Wegen überlasteter Krematorien: Indien verbrennt Leichen in Park – Regierung zensiert Kritiker© Ruptly

Die Corona-Krise verschärft sich Indien zusehends. Die Krankenhäuser sind voll, die Krematorien überlastet. Ein Park in der indischen Hauptstadt Delhi wurde am Montag kurzerhand in einen Einäscherungsplatz umgewandelt. In Indien gab es mehr als eine Million Positivgetestete in nur vier Tagen. Zudem über 2.000 Tote im Zusammenhang mit COVID-19 – ein schlimmer Rekord reiht sich aktuell an den nächsten.

Doch neben der Trauer über die vielen Opfer, bricht sich in Indien nun auch Wut bahn. Tausende in ganz Indien sind empört, nachdem die Regierung die Social-Media-Plattform Twitter angewiesen hat, kritische Beiträge zum Umgang mit der Corona-Krise zu entfernen, wie die BBC berichtete. Ein Twitter-Sprecher bestätigte, dass einige Beiträge auf dem Kurznachrichtendienst in Indien nicht mehr angezeigt werden.

Die Regierung habe eine Notverordnung zur Zensur der Tweets erlassen, teilte Twitter auf Lumen mit, einer Datenbank, die globale Regierungsverfügungen zu Online-Inhalten verfolgt. Twitter gab indes nicht an, welche Inhalte heruntergenommen wurden, aber laut Medienberichten, soll es unter anderem den Tweet eines Politikers getroffen haben, der Premierminister Narendra Modi direkt für die COVID-19-Todesfälle verantwortlich machte. Zudem soll auch der Eintrag eines Schauspielers betroffen sein, der Modi dafür kritisierte, dass er politische Kundgebungen abhalte, während das Virus wüte.

Twitter erklärte, es überprüfe Inhalte, wenn es eine "gültige rechtliche Anfrage" erhalte – in diesem Fall soll die indische Regierung den Information Technology Act 2000 zitiert haben. "Wenn festgestellt wird, dass der Inhalt in einer bestimmten Gerichtsbarkeit illegal ist, aber nicht gegen die Twitter-Regeln verstößt, können wir den Zugriff auf den Inhalt nur in Indien zurückhalten", so Twitter.

Ein indischer Beamter sagte, das betreffende Material sei irreführend oder könne Panik auslösen. "Wir können keine Fake News zulassen, die dem Land schaden", sagte der nationale Sprecher der BJP, Gopal Agarwal, gegenüber der BBC. Die Krise werde durch Fake News verschlimmert, Inhalte in den sozialen Medien müssten im Einklang mit der Rechtsstaatlichkeit stehen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums für Informationstechnik hatte zuvor der Zeitung The Hindu mitgeteilt, dass es notwendig sei, "gegen diejenigen vorzugehen, die soziale Medien (...) für unethische Zwecke missbrauchen."

In den sozialen Medien kritisierten nun viele die Regierung dafür, sich auf "Zensur" zu konzentrieren, während sich das Land inmitten einer "humanitären Katastrophe" befinde. Es ist nicht das erste Mal, dass Twitter in Indien in die Kritik gerät. Im Februar dieses Jahres sperrte die Plattform mehr als 500 Konten, die mit den laufenden Bauernprotesten gegen die Agrarreform in Verbindung standen, nachdem die Regierung eine rechtliche Mitteilung herausgegeben hatte. Laut BBC hätte Twitter-Mitarbeitern in Indien eine Gefängnisstrafe gedroht, wenn sie der Anordnung nicht nachgekommen wären.

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