International

Indischer Impfstoffproduzent fleht: "Die Vereinigten Staaten müssen ihr Rohstoffembargo beenden!"

In vielen Ländern werden Grundstoffe für wichtige COVID-Vakzine bedrohlich knapp. Der Chef des weltgrößten Impfstoffherstellers Serum Institute of India (SII) hat an US-Präsident Joe Biden appelliert. Der WHO-Chef schlägt Alarm.
Indischer Impfstoffproduzent fleht: "Die Vereinigten Staaten müssen ihr Rohstoffembargo beenden!"Quelle: www.globallookpress.com © Ashish Vaishnav/Keystone Press Agency

Der SII-Chef Adar Poonawalla twitterte seine Not Anfang der Woche:

"Die Vereinigten Staaten müssen ihr Rohstoffembargo beenden."

Die Stoffe werden zur Produktion von Corona-Impfstoffen benötigt und wurden jüngst knapp. Der weltgrößte Impfstoffhersteller aus Indien schlug Alarm. Der indische Premier Narendra Modi unterstützte den Firmenchef in seiner Bitte in der Hindustan Times. Für die Impfstoffe SII und der in Hyderabad sitzenden Firma Bharat Biotech fehlen angesichts der drohenden zweiten Corona-Welle die Rohstoffe. Die kommen aus den USA. 

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Jahr angeordnet, dass Hersteller von Impfstoffen in den USA zuerst das eigene Land versorgen müssten. Joe Biden hat diese Regel übernommen und mit dem Kriegsproduktionsgesetz ergänzt:

"US-Unternehmen müssen auch bevorzugt mit heimischen Grundstoffen und Geräten beliefert werden."

Dieses Material steht demnach anderen Herstellern außerhalb der USA nicht zur Verfügung. Dabei war die Entwicklung und Herstellung unter der Weltgesundheitsorganisation WHO längst eine internationale Aufgabe. SII stellt unter anderem das Vakzin von AstraZeneca für den weltweiten Einsatz her und wird in Kürze mit der Produktion des Impfstoffs von Novavax beginnen. Covishield wurde von AstraZeneca und der Uni Oxford entwickelt.

Poonawalla hat Biden nun aufgefordert, das US-Exportverbot für Rohstoffe zur Herstellung von COVID-19-Vakzinen aufzuheben. Er schrieb:

"Wenn wir uns wirklich vereinen wollen, um dieses Virus zu besiegen, bitte ich Sie, das Embargo für Rohstoffexporte aus den USA aufzuheben, damit die Impfstoffproduktion anlaufen kann."

Der US-Präsident reagierte zunächst nicht öffentlich darauf. Die US-Restriktionen für den Rohstoffexport behinderten zuletzt die Produktion des SII. Poonawalla kritisierte in einer indischen Zeitung, dies sei "so gut wie ein Impfstoffverbot". In der vergangenen Woche hatte er finanzielle Hilfen von der indischen Regierung gefordert. Die internationale Covax-Initiative, an der unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt ist, soll aus Indien 200 Millionen Corona-Impfdosen erhalten. Das Covax-Programm wird jedoch immer wieder durch die Bevorratung von Impfstoffen in reicheren Nationen behindert. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte:

"Die sich ausweitende Ungleichheit in der globalen Verteilung von Impfstoffen ist schockierend."

Mehr zum Thema - Lauterbach wittert Gefahr wegen indischer Variante: "Bundesnotbremse sollte verschärft werden"