Lateinamerika

Russische Botschaft in Bogotá weist Vorwürfe wegen Anstachelung zu Gewalt in Kolumbien zurück

Seit Ende April kommt es in Kolumbien immer wieder zu massenhaften Protesten. Verteidigungsminister Diego Molano hat vor Kurzem Russland der Anstachelung zu Gewalt und mehrerer Cyberattacken beschuldigt. Die russische Botschaft in Bogotá weist diese Vorwürfe nun zurück.
Russische Botschaft in Bogotá weist Vorwürfe wegen Anstachelung zu Gewalt in Kolumbien zurückQuelle: Reuters © Nathalia Angarita

Die russische Botschaft in Kolumbien hat am Freitagabend ihr Befremden wegen zweier Interviews des kolumbianischen Verteidigungsministers Diego Molano ausgedrückt. Die entsprechende Erklärung wurde unter anderem auf dem offiziellen Twitter-Account der russischen Vertretung in Bogotá veröffentlicht. Dort verwiesen die Diplomaten auf ein Gespräch des kolumbianischen Ministers mit der spanischen Zeitung El Mundo vom 17. Mai und auf sein Interview mit der kolumbianischen Zeitung El Tiempo vom 21. Mai.

Auf die Frage, ob es in sozialen Netzwerken eine ausländische Einmischung gegeben habe, um Menschen zu Gewalt anzustacheln, hatte Molano geantwortet, dass Cyberangriffe unter anderem von Russland aus verübt worden seien. Später sagte der Verteidigungsminister, dass es in sozialen Medien Informationen über mehrere Attacken und Mobilisierungsaufrufe aus Russland gebe.

Die russische Botschaft in Bogotá wies diese Anschuldigungen entschieden zurück. Solche "ernsthaften" Vorwürfe, die mit keinen konkreten Beweisen belegt seien, trügen keineswegs zur Entwicklung der "traditionell freundlichen" Beziehungen zwischen Russland und Kolumbien bei. Zugleich bedauerte die diplomatische Vertretung die Berichte über Tote bei den Protesten im südamerikanischen Land und drückte den Angehörigen der Opfer ihr tiefstes Beileid aus.

Die gewaltsamen Proteste hatten in Kolumbien am 28. April begonnen, nachdem die Regierung eine Steuerreform angekündigt hatte. Die landesweiten Demos arteten bald in gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei aus. Diese setzte auch scharfe Munition ein. Die Behörden bestätigten bislang den Tod von 15 Menschen, Menschenrechtler berichteten von mindestens 42 Todesopfern. Mehr als 1.900 Menschen erlitten Verletzungen, darunter 966 Polizeikräfte. Nach den landesweiten Streikaktionen zog Präsident Iván Duque die geplante Reform zurück.

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