Lateinamerika

Brenzliger Besuch im Waldbrandgebiet: Protestler greifen Wagen des argentinischen Präsidenten an

Am Samstag ist es in der argentinischen Provinz Chubut recht brenzlig zugegangen. Als Präsident Alberto Fernández in der Stadt Lago Puelo eintraf, um sich ein Bild von verheerenden Waldbränden zu machen, wurde sein Wagen von mehreren Bergbau-Gegnern angegriffen.
Brenzliger Besuch im Waldbrandgebiet: Protestler greifen Wagen des argentinischen Präsidenten anQuelle: Reuters © REUTERS / Matias Garay

Am Samstag haben mehrere Demonstranten in der Stadt Lago Puelo den Wagen des argentinischen Staatschefs Alberto Fernández angegriffen. Der Zwischenfall ereignete sich, als der Politiker die von verheerenden Waldbränden heimgesuchte Provinz Chubut in Patagonien besuchte. Vor der Einsatzzentrale, in der Fernández und andere Regierungsbeamte mit den örtlichen Behörden die Situation berieten, versammelte sich eine Gruppe von Aktivisten, die gegen ein Bergbauprojekt in der Region protestierten.

Dutzende Bergbau-Gegner stellten sich dem Präsidentenwagen in den Weg. Sie schlugen auf das Fahrzeug ein und bewarfen es mit Steinen. Nach Angaben des Fernsehsenders TN wurde der Präsidentensprecher Juan Pablo Biondi mit einem Stein am Kopf getroffen. Die Protestler schlugen außerdem zwei Fensterscheiben im Kleinbus ein und beschimpften den Gouverneur von Chubut, Mariano Arcioni. Aus dem Präsidentenamt verlautete später, bei dem Zwischenfall sei niemand verletzt worden.

Nach Angaben der Zeitung La Nación griffen die Protestler auch Medienvertreter an, nachdem sich der argentinische Präsident und seine Delegation vom Ort des Geschehens zurückgezogen hatten. Attackiert wurde demnach ein Kameramann dieser Zeitung. Nach dem Zwischenfall beendete der Präsident seinen Besuch in der südlichen Provinz. Der Zeitung El Clarín zufolge machte Fernández einen Rundflug im Helikopter und kehrte dann in die Hauptstadt Buenos Aires zurück. Später verurteilte der Staatschef das Vorgehen der Aktivisten auf Twitter als inakzeptable Aktion einer gewaltbereiten Minderheit.

In Bezug auf das geplante Bergbauprojekt sagte Fernández, es sei eine Angelegenheit der Provinz und nicht seine Angelegenheit. Das Problem soll unter Einwohnern von Chubut gelöst werden. Hinsichtlich der Waldbrände sagte der Präsident: "Wenn es einen Schuldigen gibt, so soll er gefunden werden."

Das Bergwerkprojekt, für den Gouverneur Arcioni wirbt, muss noch im regionalen Parlament von Chubut genehmigt werden. Demnach sollen in den Bezirken Telsen und Gastre groß angelegte Bergwerkaktivitäten erlaubt werden. Die Gegner des Projektes weisen auf dessen negative Folgen für die Umwelt hin.

Fernández war eigentlich in Lago Puelo eingetroffen, um sich ein Bild von den verheerenden Bränden zu machen, von denen das Gebiet am Fuße der Anden seit mehreren Tagen betroffen war. Umweltminister Juan Cabandié zufolge wurden bereits knapp 7.000 Hektar Wald verwüstet und 300 Häuser zerstört. Ein Landarbeiter kam ums Leben, Dutzende Menschen wurden verletzt. Zuletzt regnete es in der Region, was den Feuerwehrteams dabei half, die Flammen in den aktivsten Herden einzudämmen.

Die genaue Ursache der Brände war zunächst unklar. Die Behörden wiesen darauf hin, dass sechs Feuer zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten ausgebrochen seien. Deshalb habe man eine Untersuchung eingeleitet, um herauszufinden, ob die Feuer absichtlich gelegt worden seien.

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