Wirtschaft

Corona-Folgen: 70 Milliarden weniger Bargeld im Umlauf, mehr Kartenzahlungen, höhere Gebühren

Aus Hygienegründen solle man auf Barzahlung verzichten, rieten Gesundheitspolitiker. Dadurch sank 2020 der Bargeldumsatz in Deutschland um 70 Milliarden Euro. In der Folge verlangten 460 Banken bis zu 75 Cent pro Kartenzahlung. Die Kosten wurden in den Kontoabrechnungen versteckt. Verbraucherschützer sind alarmiert.
Corona-Folgen: 70 Milliarden weniger Bargeld im Umlauf, mehr Kartenzahlungen, höhere GebührenQuelle: www.globallookpress.com © Ute Grabowsky/photothek.net via

Durch verstärkte Kartenzahlungen 2020 seien im Handel mehr als 70 Milliarden Euro Bargeld weniger eingesetzt worden als im Vorjahr, bestätigt Harald Olschok, der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste, in der Frankfurter Allgemeinen. Gleichzeitig haben 460 Geldinstitute prompt gehandelt und verlangen nun zwischen 9 und 75 Cent pro Kartenzahlung. Bei der Berliner Sparkasse etwa muss man 30 Cent pro Transaktion berappen. Erklärt werden die Kosten gern beispielsweise als Sammelposten bei der Abrechnung unter dem Posten Debit-Karte. In Brandenburg nehmen 16 Volks- und Raiffeisenbanken Geld fürs Kartenzahlen, Beispiel: die Raiffeisenbank Oder/Spree etwa 30 Cent. 

Seit 2016 müssen Banken und Sparkassen privaten Kontoinhabern gegenüber ausweisen, welche Kosten für die Dienstleistung entstehen. Verbraucherschützer warnen und raten zum Vergleich. Denn die Banken verschleiern die Kosten auch geschickt. Fachanwalt Ulrich Schulte am Hülse erklärte in der rbb-Sendung super.markt: "Wenn man etwa 'POS' auf seiner Abrechnung sieht, weiß kein Mensch, dass das 'Point of Sale' heißt. Oder dass Begriffe verwendet werden, wie 'beleglose Buchung': Damit kann der Bürger nichts anfangen. Es wäre doch für die Banken überhaupt kein Problem, in die Buchungsbelege reinzuschreiben: Kosten für die Nutzung einer Zahlungskarte." Das machen die Banken aber nicht.

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Mindestens drei Möglichkeiten könnten aus der Kartenbezahl-Falle führen:

1. Bei der eigenen Bank das Kontomodell wechseln. Das neue ist zwar meistens nicht kostenlos (etwa 3 Euro/Monat), das richtige garantiert dann aber wenigstens keine zusätzlichen Transaktionskosten,

2. Wechsel zu einer Bezahl-App, wie etwa Apple Pay, Google Pay oder PayPal,

3. Bank wechseln.   

Auch normalerweise sinkt der Anteil des Bargeldes im Handel um etwa einen Prozentpunkt im Jahr. Mit der Pandemie hat sich das beschleunigt auf zuletzt weniger als 40 Prozent des Volumens der Zahlungen im Handel. Die Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten, in der unabhängige Automatenaufsteller zusammengeschlossen sind, habe im Zuge der Pandemie bis zu 10 Prozent ihrer Automaten abgebaut. Bei den Banken und Sparkassen, die nicht von den Automaten leben müssen, sei die Entwicklung langsamer. In der Kreditwirtschaft mache sich aber bemerkbar, dass die Krise dafür genutzt werde, das Zweigstellennetz zu verringern. Der Verband schätzt, dass es 2025 nur noch 15.000 Bankfilialen in Deutschland geben wird – nicht einmal mehr die Hälfte des Jahres 2000. 

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