Wirtschaft

China überholt Deutschland beim Leistungsbilanzüberschuss

Deutschland hat im Folge der Corona-Krise seinen Spitzenplatz beim Leistungsbilanzüberschuss verloren. China löste die Bundesrepublik ab, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte. Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss schrumpfte 2020 zum fünften Mal in Folge.
China überholt Deutschland beim LeistungsbilanzüberschussQuelle: AFP © Wang Zhao

Der deutsche Überschuss sank 2020 demnach um rund 13 Milliarden auf 261 Milliarden US-Dollar (228 Mrd Euro) beziehungsweise von 7,1 auf 6,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vor allem weil die Nachfrage nach Autos, Maschinen und Ausrüstungen in vielen seiner wichtigsten Exportmärkte zurückging, so die Studie. "Der chinesische Überschuss dagegen schnellte hoch um 170 Milliarden auf 310 Milliarden US-Dollar", sagte Ifo-Forscher Christian Grimme. Das sind 2,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung.

Den drittgrößten Überschuss hat Japan mit 158 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,2 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Das Leistungsbilanzdefizit der USA wuchs deutlich – um 155 Milliarden auf 635 Milliarden Dollar – den höchsten Wert seit 2008. Damit bleiben die Vereinigten Staaten das Land mit dem weltweit größten Leistungsbilanzdefizit.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung blieb der deutsche Leistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent jedoch ungewöhnlich hoch und sank nur leicht von 7,1 Prozent im Jahr 2019. Seit 2011 liegt der deutsche Leistungsbilanzsaldo durchgängig über dem von der Europäischen Union vorgegebenen Schwellenwert von sechs Prozent. Im Jahr 2015 erreichte der Überschuss ein Rekordhoch von 8,6 Prozent. Zum Vergleich: Chinas Leistungsbilanzüberschuss lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent und Japans bei 3,2 Prozent, so die Studie.

Während das Ifo-Institut Corona für den deutschen Überschuss-Rückgang verantwortlich macht, wirkte sich die Pandemie für die chinesischen Exporteure positiv aus: Sie verkauften etwa mehr elektronische Ausrüstungen wie Datenverarbeitungsgeräte als Folge der verstärkten Arbeit von zu Hause. Außerdem stieg die chinesische Ausfuhr von Mund-Nasen-Masken kräftig.

Die Daten unterstreichen eine grundlegende Verschiebung im Welthandel, die durch die Coronavirus-Krise ausgelöst wurde, da die höhere weltweite Nachfrage nach medizinischer Schutzausrüstung und elektronischen Geräten die chinesischen Exporte ankurbelte.

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