Russland

Wie Russland eine Wende im Kampfeinsatz von Drohnen erreichte

Das Jahr 2025 brachte im Hinblick auf den Einsatz von Kleindrohnen durch Russlands Streitkräfte eine Wende. Taktische Drohnen wurden zur Hauptschlagkraft der russischen Truppen. Wie gelang dies und welche Rolle spielen die Drohnen auf dem Schlachtfeld heute?
Wie Russland eine Wende im Kampfeinsatz von Drohnen erreichteQuelle: Sputnik © Witali Ankow

Von Boris Dscherelijewski

In den vergangenen vier Jahren wurden Russland und die Ukraine zu führenden Mächten im Hinblick auf Kampfeinsatz und Bekämpfung von Drohnen. Doch im Jahr 2025 gelang es den russischen Streitkräften, den Gegner in einer äußerst wichtigen Einsatznische von Drohnen einzuholen und zu überholen – in der sogenannten "kleinen Luft".

An dieser Stelle lohnt es sich zu erklären, dass Drohnen grob in drei Gruppen unterteilt werden können: strategische Drohnen mit großer Reichweite für den Einsatz im tiefen Hinterland des Gegners, operative Drohnen mit mittlerer Reichweite zur Zerstörung von gegnerischen Objekten im operativen Hinterland, also 40 bis 50 Kilometer von der Frontlinie entfernt, sowie taktische Drohnen mit kleiner Reichweite, die an der Kontaktlinie und im nächsten Hinterland eingesetzt werden. Im Herbst 2022 und mit dem Beginn des Einsatzes von Geran-2-Drohnen nahmen Russlands Streitkräfte die führende Stellung im strategischen Segment ein und halten sie bis zum heutigen Tag. Im operativen Segment ist Russlands Überlegenheit dank der Lancet-Drohnen ebenfalls offensichtlich.

Doch im taktischen Segment entwickelte sich die Lage anders. Noch während der Aggression gegen die Donbass-Republiken hatte das ukrainische Militär begonnen, kleine zivile Drohnen nicht nur zur Aufklärung, sondern auch zum Abwurf von Sprengladungen einzusetzen. Etwas später begann der Einsatz von FPV-Drohnen als Kamikazedrohnen. Erst im Verlauf der Sonderoperation wurde klar, dass eine FPV-Drohne keine Haubitzen, Mörser oder Panzerabwehrraketen ersetzen kann. Allerdings ist diese Präzisionswaffe viel billiger als ein "intelligentes" Geschoss oder eine Panzerabwehrrakete.

Beim Aufbau seines Kampfsystems stützte sich das ukrainische Militär auf kleine Drohnen. Dies sieht in etwa so aus: Entlang der gesamten Kontaktlinie hängen Aufklärungscopter vom Typ Mavic in der Luft und halten alles fest – von Fahrzeugkolonnen bis zu Bewegungen einzelner Kämpfer. Bewegliche Ziele werden mit FPV-Drohnen angegriffen, während gegen befestigte Positionen, wie etwa Unterstände, schwere Drohnenbomber vom Typ Baba Jaga eingesetzt werden, die 120-Millimeter-Mörserminen oder noch schwerere Sprengsätze abwerfen.

Auf diese Weise konnte das ukrainische Militär den Mangel an ausgebildeter Infanterie ausgleichen. So halten unmittelbar an der Kontaktlinie zwei bis drei Trupps die Verteidigung, während sich im nächsten Hinterland Positionen von Drohnenpiloten befinden. Dabei befinden sich in den nächstgelegenen Siedlungen stärkere ukrainische Verbände, die bereit sind, einen Durchbruch abzufangen oder einen bedrohten Abschnitt zu verstärken.

Freilich fanden kleine Drohnen auch in der Struktur der russischen Armee schnell ihren Platz. Darin liegt ein großes Verdienst engagierter Privatpersonen – ideenreiche Ingenieure, Volontäre und eine Reihe von Militärbloggern, die eine Popularisierung der "kleinen Luft" betrieben.
Zu einem regelrechten Durchbruch der jüngsten Zeit wurde die Entwicklung glasfasergesteuerter Drohnen, die gegen gegnerische Mittel der elektronischen Kampfführung (Eloka) resistent sind.

Erstmals wurden diese Drohnen, die den Namen Knjas Wandal Nowgorodski ("Fürst Wandal von Nowgorod") beziehungsweise KWN erhielten, bereits 2024 gegen ukrainische Invasionstruppen im Gebiet Kursk eingesetzt. Der Einsatz von KWN-Drohnen begünstigte die Einhegung und die folgende Beseitigung des Durchbruchs im Gebiet Kursk. Anfang des Jahres 2025 begann die Serienproduktion dieser Drohnen. Ungefähr zu dieser Zeit begannen ukrainische Quellen, von einer zahlenmäßigen Überlegenheit russischer FPV-Drohnen zu berichten, die nicht nur Personal und Technik eliminierten, sondern auch zum Abfangen ukrainischer Drohnen eingesetzt wurden.

Die KWN ermöglichte es Russland, seinen Rückstand bei Produktion und Einsatz von FPV-Drohnen und taktischen Eloka-Anlagen aufzuholen. Mehr noch, inzwischen ist es die Ukraine, die gezwungen ist, Russland einzuholen und zu versuchen, eigene Drohnen dieses Typs herzustellen. Doch das ist allein deswegen nicht einfach, weil Russland Glasfaser produziert und die Ukraine nicht. China verkauft keine Glasfaser an die Ukraine, weswegen Kiew zu deren Anschaffung zu "grauen" Schemata greifen muss.

Den größten Fortschritt im Bereich Drohnen erzielte Russland ausgerechnet im Jahr 2025. So erwähnte Präsident Wladimir Putin noch 2024 Probleme mit Drohnen an einem der Frontabschnitte der Sonderoperation. Doch bereits Ende 2025 hob Russlands Staatschef beträchtliche Änderungen bei der Versorgung der Front mit Drohnen hervor:

"Im Hinblick auf Drohnen wurden wir zu unumstrittenen Vorreitern."

Der Präsident fügte hinzu, dass sich die Lage im Hinblick auf Drohnen gewaltig verändert habe, vor allem dank der Bemühungen des Verteidigungsministers Andrei Beloussow. Der Verteidigungsminister selbst erklärte dazu Mitte Dezember 2025:

"Während im letzten Jahr die Überlegenheit beim Kampfeinsatz taktischer Drohnen noch beim Gegner lag, kam im August dieses Jahres eine Wende."

Unter anderem wurde diese Wende durch die Gründung des Zentrums für perspektivische unbemannte Technologien "Rubikon" (ZPBT) noch in der zweiten Jahreshälfte 2024 ermöglicht.

Das ZPBT ist nicht nur eine militärische Einheit, die Drohnenpiloten vereinigt, sondern auch ein Lehrverband, in dem Drohnenpiloten und Ausbilder, die Soldaten unmittelbar vor Ort ausbilden sollen, trainiert werden. Außerdem ist es auch ein Forschungszentrum, das Erfahrungen im Drohneneinsatz unter realen Kampfbedingungen analysiert und sammelt, Lösungen zur Steigerung der Effektivität entwickelt und neue Modelle in Zusammenarbeit mit Entwicklern und Herstellern testet.

Gruppen von ZPBT-Spezialisten arbeiten an den wichtigsten Frontabschnitten. Dabei behauptet die ukrainische Seite, dass zur wichtigsten Aufgabe der "Rubikon"-Kämpfer die Ausschaltung gegnerischer Drohnenpiloten gehöre. Piloten des ZPBT spüren Positionen ukrainischer Drohnenpiloten auf und zerstören sie entweder selbstständig oder lenken Artilleriefeuer oder Luftangriffe auf stärker befestigte Ziele.

Anfang November 2025 stellten Russlands Streitkräfte eine neue Waffengattung auf – Truppen für unbemannte Systeme. Deren stellvertretender Leiter, Sergei Ischtuganow, meldete, dass inzwischen planmäßig Regimenter, Bataillone und sonstige Einheiten aufgestellt werden.

Inzwischen wird das Personal bei bereits bestehenden Verbänden aufgestockt, und es werden neue Einheiten aufgestellt. Es werden Piloten, Ingenieure und Techniker angeworben. Gegenwärtig werden Spezialisten für Drohnentruppen an Hochschulen des russischen Verteidigungsministeriums, militärischen Ausbildungszentren bei zivilen Universitäten, an Drohnenproduktionsstätten und sogar bei gesellschaftlichen Organisationen ausgebildet. Die Arbeit zur Gründung einer spezialisierten militärischen Hochschule läuft auf Hochtouren. Laut Ischtuganow zerstören russische Drohnenpiloten täglich etwa 300 Ziele. Andrei Beloussow merkte an, dass etwa die Hälfte der ukrainischen Militärverluste auf russische FPV-Drohnen entfalle und dass unbemannte Luftstreitkräfte zur Hauptschlagkraft der russischen Streitkräfte wurden. Der Minister erklärte:

"Heute erreichten wir eine zweifache zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber dem Gegner. Gleichzeitig erweitert sich das Einsatzspektrum der unbemannten Luftstreitkräfte in den Bereichen Aufklärung, Artilleriebekämpfung, Munitions- und Materialversorgung der Front."

Doch bei den Truppen für unbemannte Systeme geht es nicht nur um Fluggeräte. Russlands Marine erweitert zunehmend den Einsatz unbemannter Schnellboote. So versenkte im August eine russische Seedrohne erstmals ein gegnerisches Schiff, das Aufklärungsschiff Simferopol der ukrainischen Marine. Die Landtruppen setzen unbemannte Landfahrzeuge sowohl für Transport- als auch für Kampfaufgaben ein. So liefert etwa die Landdrohne vom Typ Kurier Verpflegung und Munition an vorderste Linien.

Als weitere Entwicklungsrichtung unbemannter Kampfsysteme erscheint deren Ausstattung mit dem, was heute als Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet wird. Der erweiterte Einsatz von KI an Drohnen aller Typen – etwa zur Aufklärung oder Versorgung von Truppen – wird wohl zum Haupttrend des Jahres 2026 werden. Russlands Streitkräfte werden nicht nur über mehr Drohnen verfügen, sondern diese auch intelligenter und für den Gegner noch gefährlicher machen.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 16. Januar.

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