Russland

Wegen Einführung von Fanausweisen: Russische Fußballfans wollen Spiele boykottieren

Laut einem neuen Gesetz, das im Sommer in Kraft treten soll, dürfen künftig nur noch Zuschauer mit sogenannten Fan-IDs Fußballspiele besuchen. Kritiker behaupten, die Maßnahme könnte zu leeren Stadien führen. Zahlreiche Fans kündigten bereits einen Boykott an.
Wegen Einführung von Fanausweisen: Russische Fußballfans wollen Spiele boykottierenQuelle: Gettyimages.ru © Joosep Martinson - UEFA

Die russische Staatsduma hat im vergangenen Jahr ein Gesetz verabschiedet, wonach künftig alle Fußballfans zum Eintritt ins Stadion sogenannte Fan-IDs vorweisen müssen. Das Gesetz soll am 1. Juni 2022 in Kraft treten. Wie es in dem Dokument heißt, kann ein Fanausweis einem Bürger verweigert werden, falls es Informationen gibt, dass er gegen die öffentliche Ordnung verstoßen hat oder die Absicht hat, rechtswidrige Handlungen zu begehen – auch außerhalb Russlands. Wer keine Fan-ID bekommt, darf also dementsprechend auch nicht auf die Tribünen.

Befürworter der Maßnahme führen an, dass nach Inkrafttreten des Gesetzes Personen, die die öffentliche Ordnung gefährden, das Stadion nicht mehr betreten dürfen. Die Sportveranstaltung soll also sicherer werden, vor allem für Kinder und Frauen. Die glücklichen Besitzer einer Fan-ID sollen zudem ohne lange Warteschlangen ins Stadion gelangen können.

Die Fangemeinde hingegen stellt sich gegen das Vorhaben, vor allem, weil es für viele Fans wohl potenziell ein Stadionverbot bedeutet. Viele von ihnen geben sogar zu, dass sie während der Fußball-WM 2018 nicht einmal versucht haben, einen Fanausweis zu bekommen. Der Grund: Sie fürchten den Verlust ihrer Anonymität und behaupten, dass damit Geheimdienste Informationen zu allen Verstößen gegen die öffentliche Ordnung bekämen. Zudem kritisieren Sportbegeisterte, dass ab Juni ein spontaner Stadionbesuch unmöglich wird, da die Ausstellung eines Ausweises einige Zeit dauert.

Inzwischen haben mehrere russische Fanverbände angekündigt, die Spiele der russischen Premier Liga und andere Wettbewerbe künftig zu boykottieren. Fans des Fußballklubs Zenit Sankt Petersburg sagten, sie würden keine Fanausweise beantragen, und kritisierten diese als "nicht transparent, repressiv und überflüssig". In einer Erklärung heißt es, dass eine Verweigerung der Fan-ID-Vergabe auf unbestimmte Zeit verhängt werde und die Gründe dafür so vage formuliert seien, dass sie nahezu beliebig angewendet werden könnten.

Am Montag schloss sich dem Protest auch der Fanverband des Fußballklubs Spartak Moskau an:

"Unser Boykott beginnt ab sofort und wird bis zur vollständigen Aufhebung des verabschiedeten Gesetzes andauern. Der Boykott gilt für alle Fanverbände, Organisationen und Mannschaften, die sich mit Spartak identifizieren: in Moskau, Russland, den GUS-Staaten und auf der ganzen Welt! Kein Gesetz, kein Dokument und kein Beamter können einem Fan sein heiliges Recht nehmen: seinem Verein nahe zu sein, Teil seiner Geschichte zu sein, das Stadion und den Sektor als sein Zuhause zu betrachten, seine Gefühle und Meinungen offen zu äußern!"

Der Unmut erreichte mittlerweile auch die südrussische Stadt Rostow am Don. Die Fanverbände des FK Rostow beschlossen, die Ausstellung von Fanausweisen und die Teilnahme an Sportveranstaltungen abzulehnen, bei denen sie erforderlich sein werden.

Die Fan-ID beziehungsweise der Fanausweis ist ein Dokument, das Fußballfans zum Eintritt an Sportveranstaltungen berechtigt. Im Testbetrieb war das System bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zum Einsatz gekommen. Bei der Fußball-WM 2018 und den Spielen der EM 2020 in Sankt Petersburg wurde es bereits in vollem Umfang eingesetzt.

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