Russland

Stellvertretende Behördenleiterin über Impfpflicht in Russland: "Maßnahme ist notwendig"

In einigen russischen Regionen wurde eine Impfpflicht für bestimmte Branchen eingeführt. Die Mitarbeiterin des Zentralen Forschungsinstituts für Epidemiologie Natalja Pschenitschnaja verteidigte die Entscheidung ihrer Behörde gegenüber RT DE.
Stellvertretende Behördenleiterin über Impfpflicht in Russland: "Maßnahme ist notwendig"Quelle: www.globallookpress.com © www.imago-images.de

Natalja Pschenitschnaja ist stellvertretende Direktorin für klinische und analytische Arbeit am Zentralen Forschungsinstitut für Epidemiologie. Ihre Behörde ist für die Impfpflicht zuständig. Über ihre Einschätzung der Lage spricht sie im schriftlichen Interview mit RT DE.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation bei der Ausbreitung des Coronavirus in Russland ein? Womit hängt Ihrer Meinung nach die Ankunft der dritten Welle zusammen? Gibt es Gründe, neue Beschränkungen einzuführen?

Die Nichtbeachtung der empfohlenen unspezifischen Präventionsmaßnahmen durch einige Bürger, hauptsächlich durch junge Menschen, und eine niedrige Impfrate haben zu einem Anstieg der Inzidenz von COVID-19 geführt. Der Anstieg der täglich nachgewiesenen COVID-19-Fälle in Russland hat vor einigen Wochen begonnen. Der Ruf nach Vorkehrungen und aktiveren Impfungen fand damals leider bei vielen keine gebührende Resonanz. Darüber hinaus ist der Sommer eine Jahreszeit der Massenferien, in der alle aktiv von Stadt zu Stadt, von Region zu Region oder ins Ausland reisen. Inzwischen ist das Coronavirus nicht verschwunden, und eine so vollständige Missachtung der Schutzmaßnahmen schafft alle Voraussetzungen für seine weitere Ausbreitung.

Wie ist die Situation mit neuen Coronavirus-Stämmen in Russland? Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für die Verbreitung im Land?

Jetzt breitet sich der indische SARS-CoV-2-Stamm, der bei der überwältigenden Zahl von COVID-19-Patienten nachgewiesen wird, am aktivsten im Land aus. Die Gründe sind immer dieselben: Ignorieren der elementaren Vorsichtsmaßnahmen und der Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Der aktivste Teil der Bevölkerung – junge Menschen – ist sowohl in seinem Umfeld als auch in den Familien zum Hauptverbreiter des Virus geworden.

Wie schätzen Sie die Impfrate in Russland ein? Was könnte Ihrer Meinung nach der Grund für die Zurückhaltung russischer Bürger sein, sich impfen zu lassen? Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis eine Herdenimmunität erreicht wird?

Russland hat bereits vier Impfstoffe gegen COVID-19 registriert. Natürlich möchten wir, dass die Impfung aktiver abläuft. Vielleicht ist dies durch die Besonderheiten unserer Mentalität zu erklären. Wenn etwas nicht nur frei verfügbar, sondern auch kostenlos ist, denken manche Leute, dass alles auf später verschoben, später geimpft werden kann, da Impfstoffe ja weiter existieren, und der mutige "russische Geist", der sich über viele Jahrhunderte gebildet hat, flüstert weiter ins Ohr, dass "das Coronavirus Unsinn ist und man es nicht fürchten muss". Ja, es gibt solche Menschen, und dies trotz der Tatsache, dass jede Person in der Umgebung Freunde, Verwandte, Kollegen hat, die unter dieser Krankheit gelitten haben oder daran gestorben sind. Aber ich möchte daran glauben, dass der gesunde Menschenverstand noch vorherrscht. Wir werden in der Lage sein, die Impfrate zu erhöhen. Hierdurch wird die Immunität in der Bevölkerung erhöht und die Ausbreitung des Coronavirus gestoppt.

Wäre es Ihrer Meinung nach eine wirksame Lösung im Kampf gegen die Pandemie, eine Impfpflicht für Bürger oder für bestimmte Kategorien von Bürgern landesweit einzuführen? Warum?

Bei einer Pandemie kann für bestimmte Kategorien von Bürgern eine Impfpflicht eingeführt werden. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern und die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten. Trotzdem bleibt die Impfung rein freiwillig.

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