Russland

Analysten im Gespräch mit RT: Sabotagevorwürfe Tschechiens gegen Moskau eher "James-Bond-Szenario"

In einem Interview mit RT haben Analysten mitgeteilt, dass die Behauptung, russische Geheimagenten hätten vor ein paar Jahren ein Munitionslager in Tschechien gesprengt, eher an die Handlung eines Hollywood-Spionage-Thrillers erinnert. Ihnen zufolge kann es einen politischen Hintergrund haben.
Analysten im Gespräch mit RT: Sabotagevorwürfe Tschechiens gegen Moskau eher "James-Bond-Szenario"© © @PolicieCZ / Twitter

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hat am Wochenende bekannt gegeben, dass die russischen Geheimdienste im Jahr 2014 möglicherweise hinter einer Reihe von Explosionen in einem Munitionsdepot in der kleinen Stadt Vrbětice gestanden hatten. Die tschechische Polizei setzte die russischen Staatsangehörigen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow auf die Fahndungsliste.

Es handelt sich dabei um dieselben Männer, die vor drei Jahren von den britischen Behörden wegen der Vergiftung des ehemaligen russischen Doppelagenten Sergei Skripal und seiner Tochter Julia im britischen Salisbury angeklagt worden waren. Petrow und Boschirow bestritten, mit der Tat etwas zu tun zu haben. Auch Moskau wies die Vorwürfe zurück.

Jetzt wies Prag 18 russische Diplomaten im Zusammenhang mit der Vrbětice-Affäre aus. Moskau ordnete daraufhin an, dass 20 tschechische Diplomaten das Land zu verlassen haben.

In einem Gespräch mit RT wies der Journalist und Schriftsteller Luc Rivet die tschechischen Vorwürfe gegen Russland als "völlig lächerlich" zurück. Er fügte hinzu, die ganze Geschichte erinnere an ein "James-Bond-Szenario", das einer Hollywood-Produktion würdig sei:

"Es klingt so, als würde man Russland so weit wie möglich dämonisieren – wie von Bidens Weißem Haus gefordert, das zehn russische Diplomaten ausgewiesen hat."

Die Regierung von US-Präsidenten Joe Biden hatte letzte Woche russische Diplomaten ausgewiesen und neue Sanktionen gegen Dutzende russischer Personen und Unternehmen verhängt, unter Berufung auf angebliche Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 und das Hacken des US-amerikanischen IT-Unternehmens SolarWinds. Russland wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, im Gegenzug zehn US-Diplomaten ausweisen zu wollen.

Rivet merkte an, dass sich der Streit mit Prag inmitten in einer neuen Welle von Spannungen zwischen dem Westen und Moskau ereignet. Er wies auch darauf hin, dass die Vertreibung russischer Diplomaten mit dem Druck der EU auf Moskau im Namen des inhaftierten russischen Oppositionellen Alexei Nawalny zusammenfiel:

"Ich glaube nicht mehr an Zufall. Dies ist eindeutig eine orchestrierte Aktion des Westens."

Mark Almond, Leiter des Krisenforschungsinstitutes in Oxford (CRIOx), sagte in einem Interview mit RT, dass die Hauptfrage sei, ob die erhöhte Spannung ein "Sturm im Wasserglas" oder ein Symptom einer tiefen Krise und eines zunehmendem Antagonismus zwischen Russland und dem Westen sei. Er sagte:

"Es gibt die Gefahr, dass ein unbeabsichtigter Vorfall plötzlich etwas viel Größeres auslöst."

Almond findet es "sehr seltsam", dass die tschechischen Behörden Petrow und Boschirow im Jahr 2018 nicht sofort identifiziert hatten, als ihre Namen im Rahmen des Skripal-Falles erstmals Schlagzeilen machten und dass die neuen Vorwürfe gegen die Männer erst jetzt auftauchen. Er sagte, dies sei ein Zeichen für eine Politisierung der Angelegenheit:

"Warum wurden diese Beweise nicht mit den britischen Behauptungen von 2018 abgeglichen, warum wurden sie nicht damals vorgelegt? Es drängt sich der Eindruck auf,  dass dahinter auf allen Seiten düstere politische Motive stehen."

Das russische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Explosionen in Vrbětice als "unbegründet und weit hergeholt". Russland fügte hinzu, Prag habe versucht, die USA durch seinen Streit mit Moskau zu "besänftigen".

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