Russland

Russlands "Öko-Rakete" Angara A5 bringt erfolgreich Last in die Umlaufbahn

Angara A5, die erste nach dem Zerfall der Sowjetunion komplett neu konstruierte Schwerlastrakete der russischen Raumfahrtstreitkräfte, hat einen erfolgreichen zweiten Teststart absolviert. Sechs Jahre nach dem ersten Testflug im Jahr 2014.

Am Montagmorgen um 8.50 Uhr Moskauer Zeit schoss Angara A5 vom Kosmodrom Plesezk in Mirny etwa 800 km nördlich von Moskau in den Himmel. Die Flugdauer betrug etwas über 12 Minuten. Danach löste sich die Nutzlast in Form einer Raumschiffattrappe von der dritten Stufe der Trägerrakete und trat in eine Umlaufbahn ein. Die Zeitung Iswestija zitiert die Meldung des Pressedienstes der russischen Luft- und Weltraumkräfte, die den Start und die Flugüberwachung am Boden durchführen: 

"Zwölf Minuten nach dem Start trennte sich der Orbitalblock, bestehend aus dem Boosterblock Bris-M und einer nicht abtrennbaren Masse- und Größenattrappe einer Nutzlast, von der dritten Stufe der Trägerrakete Angara A5."

Alle Maßnahmen der Startvorbereitung ebenso wie der Start selbst verliefen planmäßig. Die Zielumlaufbahn ist geostationär in einer Höhe von etwa 36 Tausend Kilometern. Ursprünglich war der Start der Rakete für Ende November geplant, wurde aber aus technischen Gründen auf Dezember verschoben.

Zur Feier des Tages postete Dmitry Rogosin, Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, auf Twitter: "Sie fliegt, verdammt noch mal!"

Die Angara-Raketenfamilie ist die erste russische Weltraumrakete, die nach dem Zerfall der Sowjetunion von Grund auf neu entwickelt wurde. Aufgrund der Verwendung von Kerosin und Sauerstoff als Treibstoffkomponenten wird sie als Öko-Rakete angepriesen. Dies ist wichtig, wenn man die Toxizität anderer beliebter Raketentreibstoffe wie Hydrazin bedenkt, mit dem das ältere russische Klassenpendant Proton angetrieben wird. Die Entwicklung der Angara begann ursprünglich in den 1990er-Jahren, die Variante A5 wurde fast zwanzig Jahre später im Jahr 2014 erstmals getestet. Sie brachte eine Nutzlastattrappe von zwei Tonnen Gewicht in den Orbit. Neben der schweren A5 umfasst die Angara-Familie die mittelschwere A3, die überschwere A5W und die leichte Angara 1.2, die im Jahr 2014 ihren Erstflug hatte.

Die Innovationen, die Roskosmos in der Angara-Raketenfamilie umsetzt, wurden weltweit gelobt, auch vom südafrikanischen Raumfahrtunternehmer Elon Musk. Dieser hatte im Frühjahr 2019 die Idee einer wiederverwendbaren Angara-Rakete ins Gespräch gebracht:

"Russland hat hervorragende Raketeningenieure und das beste Triebwerk, das derzeit fliegt. Eine wiederverwendbare Version ihrer neuen Angara-Rakete wäre großartig."

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Im November vergangenen Jahres kündigte Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu an, dass vom Weltraumhafen Plesezk ab dem Jahr 2025 jährlich bis zu 20 Starts der Angara-Raketen stattfinden können.