Österreich

Wien: Vier von zehn Neugeborenen haben keinen österreichischen Pass

Die demografische Entwicklung in Wien verändert sich spürbar. Während die Zahl der Geburten rückläufig ist, steigt der Anteil nicht-österreichischer Neugeborener kontinuierlich an. In einzelnen Bezirken stellen sie bereits die Mehrheit.
Wien: Vier von zehn Neugeborenen haben keinen österreichischen PassQuelle: Sputnik © Igor Zarembo / Symbolbild

Der Anteil der in Österreich geborenen Kinder ohne österreichische Staatsbürgerschaft ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gestiegen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Wien. Dort hatten im Jahr 2024 laut Statistik Austria 40,5 Prozent der Neugeborenen keinen österreichischen Pass. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei rund 20 Prozent.

Bundesweit wurden 2024 insgesamt 77.238 Lebendgeburten registriert. Damit erreichte die Zahl der Neugeborenen den niedrigsten Stand seit 2009. Während die absolute Zahl der Geburten sinkt, nimmt der Anteil jener Kinder zu, die rechtlich nicht als Österreicher gelten.

In Wien betrifft das inzwischen mehr als vier von zehn Babys, in einzelnen Bezirken wie Favoriten, Ottakring oder Rudolfsheim-Fünfhaus sogar mehr als die Hälfte eines Jahrgangs.

Die Kinder werden zwar in Österreich geboren und wachsen hier auf, besitzen jedoch kein automatisches Anrecht auf die Staatsbürgerschaft. Eine Einbürgerung ist grundsätzlich möglich, setzt jedoch lange Aufenthaltszeiten, umfangreiche Nachweise und ein komplexes Verfahren voraus. In der Praxis erfolgt sie häufig erst im Erwachsenenalter.

Aus demokratietheoretischer Sicht wirft diese Entwicklung Fragen auf. Die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien weist darauf hin, dass mit der Staatsbürgerschaft zentrale politische Rechte verbunden sind, insbesondere das aktive und passive Wahlrecht.

Wenn in einzelnen Bezirken mehr als die Hälfte der Bevölkerung im wahlfähigen Alter nicht stimmberechtigt sei, stelle sich die Frage nach der demokratischen Repräsentation gewählter Organe.

Kohlenberger plädiert daher für eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts. Kinder von Eltern ohne österreichische Staatsbürgerschaft sollten ihrer Ansicht nach bei der Geburt eingebürgert werden können, sofern die Eltern seit längerer Zeit rechtmäßig in Österreich leben, erwerbstätig sind und Steuern zahlen. Eine solche Änderung würde aus ihrer Sicht die politische Integration fördern und langfristig die demokratische Legitimation stärken.

Sowohl der Bund als auch die Wiener Stadtregierung lehnen derzeit eine grundlegende Reform des Staatsbürgerschaftsrechts ab. Damit bleibt die Rechtslage unverändert. Der Trend deutet jedoch darauf hin, dass eine wachsende Bevölkerungsgruppe dauerhaft in Österreich lebt, ohne formell Teil der politischen Gemeinschaft zu sein. 

Die Zahl der Geburten in Österreich ist erneut zurückgegangen. Mit dem Rückgang setzte sich ein Trend fort, der seit 2016 anhält. Parallel dazu sank auch die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. Die Fertilitätsrate fiel von 1,44 im Jahr 2023 auf 1,31. Frauen mit österreichischer Staatsbürgerschaft lagen dabei mit 1,22 deutlich unter dem Wert von Müttern mit ausländischer Staatsbürgerschaft, die im Schnitt auf 1,58 Kinder kamen.

Auffällig sind regionale Unterschiede bei der Herkunft der Eltern. Bundesweit waren 64 Prozent der Mütter und 62 Prozent der Väter in Österreich geboren. In Wien stellt diese Gruppe jedoch eine Minderheit dar. Dort kamen 2024 nur 42 Prozent der Mütter und 39 Prozent der Väter geborener Kinder aus Österreich. Einen ebenfalls hohen Anteil an im Ausland geborenen Eltern weist Vorarlberg auf.

Gleichzeitig steigt das Alter der Mütter weiter an. Das durchschnittliche Alter beim ersten Kind lag bei 30,4 Jahren und erreichte damit einen historischen Höchstwert. Die Familienministerin verwies auf gesellschaftliche Ursachen für den Geburtenrückgang und betonte die Bedeutung familienfreundlicher Rahmenbedingungen, insbesondere bei Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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