Nordamerika

Für Waffenentwicklung: US-Armee finanziert Werk für Seltene Erden

Die Armee der Vereinigten Staaten will Verarbeitungsanlagen für Seltene Erden finanzieren, um seine Lieferkette für diese Mineralien und Metalle unabhängiger von China zu machen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit einem Verweis auf ein Regierungsdokument.
Für Waffenentwicklung: US-Armee finanziert Werk für Seltene ErdenQuelle: Reuters © David Becker

Die US-Armee plant, den Bau von Verarbeitungsanlagen für Seltene Erden zu finanzieren, die Teil eines dringenden Vorstoßes Washingtons sind, um die heimische Versorgung mit den Mineralien zu sichern, die für die Herstellung von Waffen und Elektronik für das Militär verwendet werden. Das besagt ein Regierungsdokument, zu dem Reuters Zugriff bekam.

Der Schritt wäre die erste finanzielle Investition des US-Militärs in die Produktion von Seltenen Erden im kommerziellen Maßstab seit dem Bau der ersten Atombombe durch das Manhattan-Projekt im Zweiten Weltkrieg.

Dazu kommt es, da US-Präsident Donald Trump das Militär Anfang dieses Jahres angewiesen hatte, seine Lieferkette in der Nische der Materialien zu aktualisieren und warnte davor, dass das Vertrauen in andere Nationen bei der Beschaffung von strategisch-wichtigen Mineralien die US-Verteidigung behindern könnte.

China, das heute die meisten der Seltenen Erden der Welt veredelt, deutete bereits im Rahmen des anhaltenden Handelskrieges mit Washington die Möglichkeit an, die Ausfuhr der spezialisierten Mineralien in die Vereinigten Staaten einzustellen. Jim McKenzie, Chief Executive Officer von UCore Rare Metals Inc., das ein Seltenerdenprojekt in Alaska entwickelt, erklärte:

Die US-Seltenerdenindustrie braucht große Hilfe, um gegen die Chinesen anzutreten.

Es geht nicht nur um das Geld, sondern auch um die Optik einer breiten Unterstützung aus Washington.

Die Armeedivision, die im vergangenen Monat die Munition der US-Armee beaufsichtigte, bat die Bergbaufirmen um Vorschläge zu den Kosten einer Pilotanlage zur Herstellung so genannter schwerer Seltener Erden, einer weniger verbreiteten Art der spezialisierten Mineralien, die laut dem US-Dokument sehr begehrt für den Einsatz in Waffen sind.

Die Antworten sind bis zum 16. Dezember fällig. Laut Firmenvertretern und anderen mit der Materie vertrauten Quellen werden Antworten von UCore, Texas Mineral Resources Corp. und einem Joint Venture zwischen Lynas Corp. und der im Privatbesitz befindlichen Blue Line Corp. erwartet.

Die US-Armee verkündete, dass sie bis zu zwei Drittel der Kosten eines Raffineriegesellschaft übernehmen sowie mindestens ein Projekt und möglicherweise sogar mehr finanzieren wird. Die Bewerber sollten einen detaillierten Businessplan vorlegen und unter anderem angeben, wo sie ihr Erz beziehen werden.

Dieser jüngste Schritt der US-Armee erfolgt nachdem eine militärische Studie über den Zustand der US-Lieferkette für Seltene Erden veröffentlicht wurde.

Die Spannungen um die Seltenerden zwischen den USA und China gehen auf mindestens 2010 zurück, als China nach einem diplomatischen Konflikt die Seltenerdenexporte nach Japan einschränkte, was die Besorgnis beim US-Militär schürte, dass China das gleiche mit den Vereinigten Staaten tun könnte.

Medien berichten, dass die Trump-Regierung, die die Abhängigkeit ihres Landes von China in dieser Frage beenden will, sich an andere Länder gewandt hat, um die Lieferkette zu diversifizieren. Washington führte Gespräche mit mehreren Seltenerdminen in Afrika. Letzte Woche vereinbarten die USA und Australien, Projekte zur Entwicklung kritischer Mineralien und Seltener Erden außerhalb Chinas zu unterstützen.

Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen mit besonderen Eigenschaften. Technisch gesehen sind diese Metalle nicht selten, aber sie sind sehr schwer in großen Konzentrationen zu finden und schwer zu verarbeiten. Die Erze enthalten oft natürlich vorkommende radioaktive Stoffe. Die Seltenerden werden nicht nur in vielen Geräten des täglichen Lebens verwendet wie Computer, DVDs, wiederaufladbare Batterien, Mobiltelefone, Katalysatoren, Magnete und Leuchtstoffröhren, sondern auch für die Herstellung von Waffen.

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