Nordamerika

Hält die US-Behörde CDC wichtige Daten über die Wirkung von Impfungen und Boostern unter Verschluss?

Die US-Gesundheitsbehörde CDC steht für ihren Umgang mit Daten und Zahlen zur Wirkung der Corona-Impfstoffe in der Kritik. Renommierte US-Wissenschaftler verdächtigen sie in einem Medienbericht, Daten zurückzuhalten. Eine CDC-Sprecherin erklärt Verzögerungen in der Veröffentlichung mit einer nötigen "Aufbereitung für das Publikum".
Hält die US-Behörde CDC wichtige Daten über die Wirkung von Impfungen und Boostern unter Verschluss?© youngvet / E+

Eine Analyse von Maria Müller

Nach Informationen der New York Times vom 20. Februar kritisieren mehrere renommierte US-Wissenschaftler die seit über einem Jahr anhaltende Zensur von Pandemie-Zahlen durch die US-Gesundheitsbehörde CDC (Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten).

Samuel Scarpino, Geschäftsführer der Pathogenüberwachung am Institut für Pandemieprävention der Rockefeller-Stiftung, erklärte vor wenigen Tagen: "Die CDC ist eine politische Organisation und gleichzeitig Teil des öffentlichen Gesundheitswesens." Und weiter: "Die Freigabe von Daten liegt oft weit außerhalb der Kontrolle vieler Wissenschaftler, die bei der CDC arbeiten."

Als die Institution vor zwei Wochen die ersten signifikanten Ziffern zur Wirksamkeit von Auffrischungsimpfungen bei Erwachsenen unter 65 Jahren veröffentlichte, verschwieg sie die Zahlen der Gruppe der 18- bis 49-Jährigen. Ein großer Teil der Bevölkerung fiel damit unter den Tisch.  

Das Material ist vorhanden, denn seit Beginn der Impfkampagne vor über einem Jahr sammelten die US-Gesundheitsbehörden systematisch alle Informationen über Krankenhauseinweisungen und schlüsselten sie nach Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Impfstatus auf. Doch die meisten Informationen wurden bisher nicht veröffentlicht.

Einige US-Wissenschaftler fühlen sich durch die zurückgehaltenen statistischen Daten in ihrer bisherigen Einschätzung bestärkt, dass das Boostern in dieser Altersgruppe keine zusätzliche Schutzwirkung bringe. Ältere Bevölkerungsgruppen erhielten durch die Auffrischung hingegen einen erneuten, verstärkten Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf.

Inzwischen haben sich Millionen jüngere Menschen weltweit "boostern" lassen – ohne Sicherheit über die Wirkung der dritten Dosis. Monica Gandhi, Spezialistin für Infektionskrankheiten, und Paul Offit vom Impfstoff-Beratungsausschuss der staatlichen Lebensmittel- und Medikamentenverwaltung (FDA) weisen schon seit mehreren Monaten darauf hin, dass Booster-Impfungen nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen sinnvoll und wirksam seien. Die CDC-Zentren hätten am 5. Januar mit ihrer generellen Empfehlung voreilig und ohne eine sichere Datengrundlage gehandelt. Beide erklärten öffentlich, sie würden ihre Kinder (Teenager über zwölf Jahren) nicht zusätzlich impfen lassen.

Die USA und Deutschland gehören zu den wenigen Ländern, die Auffrischungsimpfungen generell für alle Personen ab zwölf Jahren empfohlen haben. Großbritannien und Finnland haben die Impfung nur für Jugendliche mit schweren Vorerkrankungen autorisiert. Dänemark, Schweden, Japan und Spanien haben Auffrischungsimpfungen nur für Erwachsene zugelassen, und in Irland darf niemand unter 16 Jahren eine solche Impfung erhalten.

Manipulation bei der Datenverarbeitung

US-amerikanische Wissenschaftler kritisieren zudem die "Verarbeitung" von Zahlenströmen aus den Krankenhäusern und anderen Institutionen, da die Daten über Durchbruchsinfektionen oft nicht in Zusammenhang mit dem jeweiligen Impfstatus veröffentlicht werden. Dadurch sind sie überwiegend nicht als solche zu erkennen und werden den Infektionen Ungeimpfter zugerechnet. Die staatliche FDA präsentierte sie lediglich als Risikovergleiche zwischen geimpften und ungeimpften Erwachsenen, ohne weitere Detailangaben zu machen.  

Bislang mussten sich die US-Experten auf Zahlen aus Israel verlassen, weil sie keine hauseigenen offiziellen Statistiken über die Wirkung von Auffrischungen bei 18- bis 49-Jährigen zur Verfügung hatten. Doch seien israelische Statistiken nicht ohne Weiteres auf die Verhältnisse in den USA übertragbar. Vor allem schwere COVID-Erkrankungen werden in beiden Ländern nach unterschiedlichen Kriterien definiert.

Kaum glaubwürdige Erklärungen für die Datenprobleme

Kristen Nordlund, eine Sprecherin der CDC, sagte gegenüber Pressevertretern: "Wir haben die verschiedenen Zahlenströme erst spät veröffentlicht, weil sie im Grunde genommen am Ende des Tages noch nicht für das Publikum aufbereitet sind." Und: "Der Agentur geht es beim Datensammeln vor allem darum sicherzustellen, dass diese exakt und nachvollziehbar sind."

Zudem nannte sie einen weiteren Grund für das offizielle Mauern: "Wir befürchten, dass die Informationen falsch interpretiert werden könnten und die Impfstoffe als unwirksam erscheinen." Nordlund entschuldigte das statistische Vakuum zudem damit, dass die Daten nur zehn Prozent der Bevölkerung der USA erfassen würden, … obwohl sich die CDC seit Jahren auf das gleiche Stichprobenniveau stützt, um die Entwicklung der Influenza nachzuverfolgen.

Daniel Jernigan, stellvertretender Direktor der CDC-Abteilung für Wissenschaft und Überwachung der öffentlichen Gesundheit, brachte ein weiteres Argument ins Spiel, das kaum glaubwürdiger ist: "Die Pandemie hat offengelegt, dass die Datenbanken bei den CDC-Zentren und überhaupt auf staatlicher Ebene veraltet und nicht in der Lage sind, große Mengen zu verarbeiten. Die CDC-Wissenschaftler versuchen, die Systeme zu modernisieren. … Wir wollen bessere, schnellere Daten, die zu Entscheidungen und Maßnahmen auf allen Ebenen der öffentlichen Gesundheit führen können, die uns helfen können, die Verzögerung zu beseitigen."

Man bedenke, dass es sich hier um die Vereinigten Staaten handelt, die sich in vielen Belangen als weltweite technologische Vorreiter sehen. Nordlund von der CDC-Zentrale legte vor der Presse ein weiteres, nicht unwichtiges Detail offen: "Die staatliche Agentur teilt Daten häufig mit den Bundesstaaten und mit Partnern, bevor sie diese veröffentlicht. Das kann auch zu Verzögerungen führen." Dabei blieb offen, wer mit den "Partnern" gemeint ist, die Einsicht in gesundheitssensible Daten erhalten, lange bevor die Bevölkerung davon etwas erfährt.

Die politische Kontrolle der COVID-Informationen

Es scheint in erster Linie die politische Kontrolle zu sein, die der Transparenz der staatlich erhobenen Daten im Wege steht. Das Gesundheitsministerium, dem die CDC-Zentren unterstehen, und selbst das Weiße Haus beurteilen und zensieren bis heute die Gesundheitsdaten, bevor sie an die Presse gelangen. Mehrere bürokratische Abteilungen des CDC müssen wichtige Informationen gegenzeichnen, bevor sie veröffentlicht werden können.

 "Der Mangel an genauen Echtzeitinformationen war einer der größten Fehler der US-Antwort auf die Covid-19-Pandemie", sagte Tom Frieden, ehemaliger Direktor der CDC-Zentren, bei einer Anhörung vor dem House Energy and Commerce Committee im März 2021. Fast ein Jahr später bestehen diese Probleme weiterhin.

Kontrolle der Abwasserdaten als Frühwarnsystem

Das CDC-Zentrum hat kürzlich auf seiner Website ein Dashboard mit Abwasserdaten eingeführt, das täglich aktualisiert wird und frühe Signale für einen bevorstehenden Anstieg von COVID-19-Fällen liefern könnte. Einige Bundesstaaten und Gemeinden hatten der Institution seit Beginn der Pandemie Abwasserinformationen übermittelt, die noch nie zuvor veröffentlicht wurden.

Zwei volle Jahre nach Beginn der Pandemie soll die Gesundheitsbehörde nur einen winzigen Bruchteil des gesammelten Materials zugänglich gemacht haben, äußerten mehrere mit den Daten vertraute Mitarbeiter gegenüber der New York Times. Die landesweite Abwasserüberwachung hätte demnach Ausbrüche und die Ausbreitung neuer Varianten frühzeitig erkennen können.

Einige externe Experten für öffentliche Gesundheit waren fassungslos, als sie erfuhren, dass diese Informationen existieren. "Wir betteln seit zwei Jahren um diese Art von differenzierten Daten", sagte Jessica Malaty Rivera, eine Forscherin im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Sie arbeitet bis März 2021 in einem unabhängigen Beobachtungsprojekt der Pandemie. "Eine detaillierte Analyse baut das Vertrauen der Öffentlichkeit auf und zeichnet ein viel klareres Bild davon, was tatsächlich vor sich geht", so Rivera.

"Sagen Sie die Wahrheit, präsentieren Sie die Daten", forderte auch Paul Offit. "Ich muss daran glauben, dass es einen Weg gibt, diese Dinge zu erklären, damit die Leute sie verstehen können."

Das Fehlverhalten der US-Institutionen wirkt sich auf die wissenschaftlichen Bewertungen der Impfungen und Auffrischungen nicht nur in den USA negativ aus. Ein Großteil der Welt orientiert sich an den Zulassungsentscheidungen der CDC und der FDA.

Mehr zum Thema - Geimpft, geboostert, trotzdem krank: RKI verzeichnet Hunderttausende Impfdurchbrüche

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Information:

Sicherheit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe sind umstrittene Themen. Zahlreiche Experten in Wissenschaft, Politik und Medien schätzen diese als sicher und effektiv ein, da sie das Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung weitgehend verhindern und die Vorteile einer Corona-Impfung die Risiken und Nebenwirkungen überwiegen. Langzeitnebenwirkungen der Impfungen sind generell nicht bekannt. Nebenwirkungen wie der ADE-Effekt (antibodydependent enhancement, auf Deutsch: infektionsverstärkende Antikörper) wurden bisher bei weltweit Milliarden verabreichter Impfstoff-Dosen nicht berichtet. Auch, dass Gensequenzen von beispielsweise mRNA-Vakzinen in die menschliche DNA eingebaut werden, gilt unter zahlreichen Experten als ausgeschlossen. Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der bundesdeutschen Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) lassen sich hier und hier nachlesen.

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