Nordamerika

Aufspaltung der USA: Viele Amerikaner sind dafür

Die bei der vergangenen Präsidentschaftswahl sichtbar gewordene tiefe politische Spaltung der Vereinigten Staaten hält an. In Umfragen bekunden in manchen Regionen sogar große Teile der Bevölkerung ihre Unterstützung für eine Aufspaltung der USA.
Aufspaltung der USA: Viele Amerikaner sind dafürQuelle: www.globallookpress.com © Laurent Grandadam

Zwei Drittel der Republikaner im Süden wollen sich, das ergab eine neue Umfrage, inmitten der politischen Teilung und des beständigen Kulturkampfs vom Land abspalten; das Gleiche gilt für fast die Hälfte der Westküstendemokraten.

Die Meinungsforschungsinstitute Bright Line Watch aus den USA und das britische YouGov veröffentlichten am Mittwoch eine Umfrage, die enthüllt, dass ein großer Teil der Amerikaner quer durch die USA sich eine Sezession ihrer Region von der Union wünscht. Republikaner im Süden und Demokraten von der Westküste sind anscheinend mit dem Status Quo am wenigsten zufrieden.

Insgesamt unterstützen 44 Prozent der Bürger im Süden eine Abtrennung, unter den Republikanern zeigen sogar 66 Prozent den Wunsch, der Süden möge seinen Weg getrennt von Washington suchen. Die Hälfte der Unabhängigen im Süden äußerte ebenfalls ihre Unterstützung für eine Abtrennung, wie selbst 20 Prozent der Demokraten in der Region.

An der Westküste (einschließlich Alaska und Hawaii) gab es einen geringeren Wunsch nach Loslösung, insgesamt äußerten sich nur 39 Prozent zustimmend zu einer Sezession – aber hier waren es die Demokraten, die diesen Wunsch am häufigsten hegten, mit 47 Prozent, gefolgt von den Unabhängigen (33 Prozent) und den Republikanern (27 Prozent).

Obwohl der Süden und die Westküste die beiden US-Regionen mit den deutlichsten Abtrennungswünschen waren, waren die Zahlen auch im Rest des Landes hoch.

In den Staaten des Nordostens sagten 34 Prozent der Befragten insgesamt, sie wollten sich von der Union trennen, darunter Demokraten und Unabhängige mit 39 Prozent resp. 35 Prozent, doch nur 26 Prozent der nordöstlichen Republikaner.

Währenddessen will selbst in den Gebirgsstaaten ein Drittel der Befragten sich aus den Vereinigten Staaten lösen; 43 Prozent der Republikaner, 35 Prozent der Unabhängigen und 17 Prozent der Demokraten.

Bright Line Watch nannte diese Zahlen "besorgniserregend hoch", während der Datenjournalist Ingraham sie den "beunruhigendsten Datensatz, den ich in letzter Zeit gesehen habe" nannte.

Obwohl Ingraham anmerkte, dass die meisten Amerikaner, die ihre Unterstützung für eine Sezession äußern, vermutlich nur ihre "Parteiposition bestärken", behauptete er doch, dass "ein Teil des Grundes, warum die Unterstützung der Republikaner für eine Sezession so hoch ist, der ist, dass die Parteiführung überall im Land die Leidenschaften in diese Richtung schürt."

Ingrahams Analyse berücksichtigt aber nicht die hohe Zahl von Demokraten und Unabhängigen quer durch die USA, die sich ebenfalls für eine Sezession aussprachen.

Amerikaner im Herzen der USA sind offenbar am zufriedensten, denn dort ist die Unterstützung für Sezessionsbestrebungen mit ungefähr 30 Prozent die niedrigste.

Diese Unterstützung dürfte wohl kaum allzu schnell wieder fallen; Bright Line Watch hat beobachtet, dass die Zahlen in den sechs Monaten seit der "Stürmung des Kapitols" durch Anhänger von US-Präsident Donald Trump am 6. Januar aus Protest gegen die Amtseinführung von Joe Biden gestiegen sind.

Der bekannteste Sezessionsversuch in der US-Geschichte fand in den 1860ern statt, als die südlichen Staaten Südcarolina, Mississippi, Florida, Texas, Alabama, Virginia, Louisiana, Georgia, Tennessee, Arkansas und Nordcarolina aus der Union austraten und die Konföderierten Staaten von Amerika bildeten – was den Amerikanischen Bürgerkrieg auslöste.

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