Nordamerika

"Captain Kirk" jetzt bei RT America – Abgespacter Shitstorm bricht los

Mit William Shatner landete RT einen Coup: Ein neues Format des legendären Schauspielers und Autors wird bei RT America ausgestrahlt. Am 12. Juli soll es losgehen, doch schon jetzt fegt ein Shitstorm über "Captain Kirk" hinweg.
"Captain Kirk" jetzt bei RT America – Abgespacter Shitstorm bricht losQuelle: AFP © Ethan Miller

Wir schreiben das Jahr 2021. Mit dem Schauspieler und Autor William Shatner hat RT America ein Schwergewicht der US-Unterhaltungsindustrie an Land gezogen.

In dem Format will sich der Fernseh- und Kinostar der Klärung von Fragen wahrlich interstellarer Dimension widmen. Fragen, auf die wohl ein Großteil der Erdenbürger keine plausible Antwort parat hat, darunter auch Fragen, die sich die Menschheit seit jeher stellt: Sind wir allein im Universum? Woher kommen wir, und wohin gehen wir? Was hat es mit dem Urknall auf sich? Selbst Captain Kirk hat da nicht immer die passenden Antworten, weshalb Shatner auch eher Fragen stellen möchte.

Michail Solodownikow, der Chef von RT America, kommentierte mit Stolz die Zusammenarbeit mit Shatner.

"Wir sind sehr stolz, das einzigartige Talent von William Shatner für unser Netzwerk und die digitale Plattform Portable.TV gewonnen zu haben. Es ist eine Show für den neugierigen Intellektuellen, der lieber gebildet als von einer TV-Show unterhalten werden möchte."

I Don't Understand scheint derweil auch das Motto zu sein, unter dem unmittelbar nach Bekanntgabe der Zusammenarbeit diesseits und jenseits des Atlantiks ein Shitstorm kosmischer Dimension in den sogenannten sozialen Medien losbrach. Schließlich wuchsen ganze Generationen transatlantisch geprägter Erdenbürger mit den Abenteuern der Enterprise auf. Auch wenn Captain James T. Kirk nicht mit dem Marvel-Helden Captain America zu verwechseln ist, schien die Welt bis jetzt noch in Ordnung.

Auch in der deutschen Medienlandschaft hat sich das neue Engagement Shatners bereits herumgesprochen. Da Shatner bald bei RT America zu sehen sein wird, verortet etwa der Tagesspiegel den Star nun "im klingonischen Staatsfernsehen".

Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mach sich Enttäuschung breit, und was die Einteilung zwischen Gut und Böse anbelangt, scheint das Weltbild vieler Erdlinge nach wie unerschütterlich eindimensional.

Die Trauer über den "Verlust" von Captain Kirk bahnt sich ihren Weg. Schließlich handelt es sich bei den diversen RT-Formaten mit zum Teil preisgekrönten und hochkarätigen Gastgebern schlicht und ergreifend um "russische Propaganda".

Bei der Trauer, die nun in Wut umschlägt, wird international auch vor durchaus irdischen Kraftausdrücken nicht haltgemacht.

Doch Shatner wäre nicht Captain Kirk, wenn er der Flut negativer Energie nicht zu begegnen wüsste. So kontert er Vorwürfe, wonach er sich an RT "verkauft" habe, mit dem Hinweis darauf, dass RT die Vertriebsrechte an dem Format I Don't Understand erworben habe.

Zuvor hatte die RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan davon gesprochen, dass Shatner nun bei RT auftreten werde und sich folglich für die "Seite der Guten" entschieden habe.

Zudem wehrte sich der gebürtige Kanadier vor der Politisierung seiner bei RT America ausgestrahlten Sendung.

"Es ist politisch, weil Sie es so wollen. Sie wissen schon, dass Nachrichtensender wie der BBC World Service teilweise aus dem Verteidigungshaushalt Großbritanniens finanziert werden? Was haben Sie dazu zu sagen?"

In diesem Zusammenhang weist Shatner nochmals auf den Charakter seiner neuen Show hin. Es gehe in dieser darum, Fragen zu stellen. Es handele sich um Fragen, auf die RT ebenso wenig Einfluss habe wie auf zukünftige Gäste.

"In meiner Sendung geht es um Fragen, die mich faszinieren. RT kauft das fertige Produkt - sie haben kein Mitspracherecht, ob es um die Fragen geht, die Gäste oder irgendetwas, was die Sendung betrifft".

Verräterischer Umtriebe mag sich Shatner ebenfalls nicht bezichtigen lassen, weil seine Show bei RT America ausgestrahlt wird. Konfrontiert mit dem Narrativ, wonach sich Russland etwa in die US-Wahlen eingemischt und Donald Trump als "nützlichen Idioten" zum US-Präsidenten gemacht habe, warnt der Fernseh- und Kinostar davor, der "Boulevardpresse" glauben zu schenken.

Am 12. Juli soll der Startschuss für die Sendereihe des Stars bei RT America erfolgen.

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