Nordamerika

Studie: US-Amokschützen hatten mehrheitlich unbehandelte Geisteskrankheiten

Die meisten Angreifer hinter den Massakern der vergangenen 40 Jahre in den USA hatten unbehandelte psychiatrische Störungen, vor allem Schizophrenie. Die rechtzeitige Behandlung solcher Patienten hätte das Risiko von Gewalttaten verringern können, so eine neue Studie.
Studie: US-Amokschützen hatten mehrheitlich unbehandelte GeisteskrankheitenQuelle: Reuters © Rick Wilking

Ein Forscherteam der Stanford University School of Medicine untersuchte im Rahmen einer großen psychiatrischen Analyse die 35 überlebenden der insgesamt 115 Amokschützen, die in den Jahren zwischen 1982 und 2019 Massenmorde in den USA verübt hatten. Dabei stellten die Wissenschaftler bei 28 von ihnen Symptome schwerer psychischer Erkrankungen fest, die als klinische psychiatrische Störungen diagnostiziert werden können.

Die meisten Täter (18) litten an Schizophrenie, während bei zehn weiteren bipolare, wahnhafte und Persönlichkeitsstörungen nachgewiesen wurden. Diejenigen mit Schizophrenie hatten typische psychotische Symptome wie Botschaften von Dämonen, paranoide Wahnvorstellungen und Befehlshalluzinationen zum "Töten, Verbrennen oder Zerstören". Dabei wurde keiner von ihnen vor der Bluttat einer medikamentösen oder anderen Behandlung unterzogen.

Außerdem untersuchten die Forscher stichprobenartig 20 weitere Amokläufer, die nach dem Verbrechen am Tatort gestorben waren. Davon hatten acht ebenfalls an Schizophrenie gelitten, während sieben weitere psychotische Erscheinungen aufgewiesen hatten. Genauso wie im ersten Fall wurde keiner der Täter aus dieser Gruppe zu ihren Lebzeiten gemäß seiner Diagnose medizinisch behandelt.

Um Symptome psychischer Erkrankungen und psychiatrische Zustände festzustellen, werteten die Autoren der Studie klinische Informationen aus verschiedenen Quellen, darunter den Gutachten forensischer Psychiater und Gerichtsprotokollen, sowie Tagebücher und Social-Media-Posts der Täter aus. Die Erhebungen zeigten, dass die meisten Gewalttaten möglicherweise hätten verhindert und Menschenleben gerettet werden können, wenn die Schützen rechtzeitig mit den Krankheiten diagnostiziert und mit geeigneten Medikamenten behandelt worden wären. Bisher sei die psychiatrische Forschung in Bezug auf die Art und Häufigkeit von psychischen Erkrankungen bei Massenschützen jedoch weitgehend unzureichend fortgeschritten, hieß es in der Studie.  

In den letzten Jahren kommt es in den USA immer häufiger zu Massenschießereien an öffentlichen Orten. Nach Angaben des Gun Violence Archive wurden im vergangenen Jahr über 600 solche Gewalttaten verzeichnet, im Jahr davor waren es mehr als 400. Im laufenden Jahr wurden bisher rund 230 Massenerschießungen registriert. Gleichzeitig hat der Waffenkauf im Land stark zugenommen, obwohl die neue Regierung mehr Einschränkungen für den Vertrieb und Besitz von Schusswaffen anstrebt. Laut Umfragen gaben im Jahr 2020 44 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner Waffenbesitz in ihrem Haushalt an, von denen 32 Prozent persönlich eine Schusswaffe besaßen.

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