Nordamerika

"Hassverbrechen" in Kanada: Vier Mitglieder einer muslimischen Familie beim Angriff mit Auto getötet

In einer Stadt in der kanadischen Provinz Ontario wurden bei einem Angriff mit einem Auto vier Menschen aus einer muslimischen Familie getötet. Eine weitere Person wurde schwer verletzt . Die Polizei geht von einem rassistischen Tatmotiv und "vorsätzlichen" Angriff aus.
"Hassverbrechen" in Kanada: Vier Mitglieder einer muslimischen Familie beim Angriff mit Auto getötetQuelle: AFP © Nicole Osborne

Der Angriff auf eine Familie im Ort London im Süden der kanadischen Provinz Ontario sei nach Angaben der Polizei mit einem Pick-up-Truck geschehen. Ein 20-Jähriger hatte am Montag mit seinem Auto mehrere Personen angefahren und wurde anschließend festgenommen. Vier Menschen wurden getötet, eine weitere Person schwer verletzt.

Die Polizei geht Medienberichten zufolge von einem rassistischen Tatmotiv aus. Detective Superintendent Paul Waight von der örtlichen Polizei sagte Reportern am Montag: 

"Es gibt Beweise, dass dies eine geplante, vorsätzliche Tat war, motiviert durch Hass."

"Wir glauben, dass die Opfer wegen ihres islamischen Glaubens angegriffen wurden", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters weiter den Polizeibeamten.

Nach Angaben der Polizei seien am Montag gegen 20.40 Uhr Ortszeit Rettungskräfte zu einer Kreuzung in London, rund 200 Kilometer südwestlich von Toronto gelegen, gerufen worden. Dem Bericht der Zeitung Global News zufolge wurde angegeben, dass der Fahrer eines schwarzen Pick-up-Trucks auf den Gehweg gefahren sei und mehrere Menschen angefahren habe. Nach Angaben der Polizei sei der Verdächtige zunächst "mit hoher Geschwindigkeit" vom Tatort geflohen, wurde aber rund sechs Kilometer weiter gefasst. Der Verdächtige sei nicht vorbestraft und bislang nicht als Mitglied einer Hassverbrechergruppe bekannt.

Bei den Opfern handelt es sich um Mitglieder einer muslimischen Familie, die vor etwa 14 Jahren aus Pakistan nach Kanada eingewandert sei. Eine 74-jährige Frau starb noch am Tatort, während ein 46-jähriger Mann, eine 44-jährige Frau und ein 15-jähriges Mädchen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlagen. Ein 9-jähriger Junge überlebte und befindet sich derzeit mit "schweren, aber nicht lebensbedrohlichen" Verletzungen im Krankenhaus, berichtet Reuters weiter.

Der mutmaßliche Täter wurde wegen vierfachen Mordes angeklagt, auch eine Anklage wegen Terrorismus sei Medienberichten zufolge möglich.

London liegt im Süden Ontarios, etwa auf halbem Weg zwischen Toronto und der US-Stadt Detroit. Die Stadt hat rund 400.000 Einwohner, darunter eine große muslimische Gemeinde. Nach Angaben des Bürgermeisters Ed Holder sei Arabisch die am zweithäufigsten gesprochene Sprache nach Englisch in der Gemeinde.

Der Vorfall vom Sonntag war der schlimmste Angriff auf kanadische Muslime seit den Schüssen im Januar 2017. Damals wurden sechs Menschen in einer Moschee in Quebec getötet.

Mustafa Farooq, Vorsitzender des Zentralrates der kanadischen Muslime, bezeichnete den Vorfall als "Terroranschlag auf kanadischem Boden" und forderte, dass der "als solcher behandelt werden soll". Kanadas Premierminister Justin Trudeau sagte am Montag, er sei "entsetzt" über die Nachrichten aus London.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "An die muslimische Gemeinde in London und an die Muslime im ganzen Land, ihr sollt wissen, dass wir an eurer Seite stehen. Islamophobie hat keinen Platz in irgendeiner unserer Gemeinschaften. Dieser Hass ist heimtückisch und verachtenswert – und er muss aufhören."

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