Nordamerika

"Kommen Sie nicht": US-Vizepräsidentin Kamala Harris wandelt auf den Spuren von Donald Trump

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat potenzielle Migranten in Guatemala aufgefordert, nicht zu versuchen, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Nachdem sie jahrelang den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump für seine strenge Haltung gegenüber illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staaten scharf kritisiert hat, wiederholt Harris nun seine Botschaft.

Am Sonntag hat US-Vizepräsidentin Kamala Harris ihre erste offizielle Auslandsreise als Mitglied der Biden-Administration gemacht. Während der ersten Etappe der Reise in Guatemala wurde Harris von Demonstranten konfrontiert, die ihr zuriefen: "Trump hat gewonnen" und "Geh nach Hause". Der guatemaltekische Präsident Alejandro Giammattei, mit dem sich Harris auch traf, hat in diesem Jahr mehrfach US-Präsident Joe Biden für die Migrantenkrise an der Grenze zu den USA verantwortlich gemacht.

In einer Rede aus der Hauptstadt Guatemala-Stadt warnte Harris potenzielle Migranten aus mittelamerikanischen Ländern, die in die Vereinigten Staaten einwandern wollen, davor, sich auf den Weg nach Norden zur US-Grenze zu machen. Harris sagte:

"Ich möchte betonen, dass es das Ziel unserer Arbeit ist, den Guatemalteken zu helfen, in ihrer Heimat Hoffnung zu finden. Gleichzeitig möchte ich den Menschen in dieser Region, die darüber nachdenken, den gefährlichen Treck zur US-Mexiko-Grenze zu unternehmen, deutlich machen: Kommen Sie nicht, kommen Sie nicht."

Harris' Aussagen in Guatemala am Montag stehen in starkem Kontrast zu denen, die sie 2018 machte, als sie als US-Senatorin aus Kalifornien die US-Grenze zu Mexiko in San Diego besuchte und behauptete, dass die Null-Toleranz-Politik der Trump-Administration – die zur Trennung von Erwachsenen und Kindern führte – eine "Menschenrechtsverletzung" sei. In einer Rede vor Demonstranten vor dem Otay-Mesa-Inhaftierungszentrum für illegale Einwanderer sagte Harris:

"Ich habe mit den Müttern gesprochen, die dort sind, und mein Herz ist gebrochen. Diese Mütter dort drinnen denken, dass sie allein sind. Wir müssen sie und alle anderen daran erinnern, dass sie nicht allein sind und dass wir alle bei ihnen stehen."

Viele Beobachter wiesen schnell auf das hin, was sie als erhebliche Scheinheiligkeit interpretierten, wenn es um den Umgang der Demokratischen Partei mit dem Thema der illegalen Einwanderung in den Vereinigten Staaten geht, sowie um die Berichterstattung der Medien über die entsprechenden politischen Persönlichkeiten.

Harris sollte sich in Guatemala mit führenden Vertretern der Zivilgesellschaft sowie Wirtschaftsvertretern treffen und anschließend nach Mexiko fliegen, wo sie sich heute mit Präsident Andrés Manuel López Obrador treffen wird. Kurz vor dem Treffen mit Giammattei sagte Harris, dass ihre Reise in das Land den Fokus der Biden-Administration auf die Wiederherstellung der Beziehungen zu Verbündeten auf der ganzen Welt demonstriere und "ein Spiegelbild der Priorität ist, die Präsident Biden dieser Region einräumt".

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