Nordamerika

New York Post: Journalistin kündigt nach Verbreitung von Fake News über Kamala Harris

Die Story hatte sich rasend schnell in den US-Medien verbreitet: Migrantenkinder, auch illegal einreisende, erhalten ein Willkommenspaket inklusive eines Buches von Vizepräsidentin Harris. Ein Faktencheck ergab: Das waren Fake News. Nun meldete die Autorin der Story ihre Kündigung bei der "New York Post".
New York Post: Journalistin kündigt nach Verbreitung von Fake News über Kamala HarrisQuelle: www.globallookpress.com © Leigh Vogel - Pool via Consolidated News Photos

Laura Italiano, eine Journalistin im Dienste der New York Post, meldete am Dienstag in einem Twitter-Beitrag, dass sie ihre Kündigung eingereicht habe. Als Grund dafür nennt sie den Druck, der auf sie ausgeübt worden sei, eine nicht wahrheitsgetreue Story über die US-Vizepräsidentin Kamala Harris und die Migrationspolitik der USA zu verfassen. Die New York Post befindet sich im Besitz der News Corp. von Multimilliardär Rupert Murdoch.

Italiano schrieb auf Twitter, dass ihr angeordnet worden sei, den Bericht über Kamala Harris zu schreiben. Sie selbst habe nicht genug Widerstandskraft gehabt, sich dagegen zu wehren, obwohl die Geschichte nicht wahr sei:

"Die Kamala-Harris-Story – eine unwahre Geschichte, die ich auf Anordnung geschrieben habe und bei der ich versagt habe, sie zurückzuweisen – war meine Belastungsgrenze."

Die Journalistin bedauerte, den Schritt der Kündigung gehen zu müssen. Sie habe das Privileg genossen, für die lebendigste Zeitung von New York schreiben zu dürfen.

Die New York Post veröffentlichte am 23. April einen Artikel mit der Überschrift "Kam on in". In diesem wurde behauptet, dass Migrantenkinder in Los Angeles ein Willkommenspaket inklusive einer Ausgabe eines Kinderbuches von Kamala Harris mit dem Titel "Superheroes Are Everywhere" erhalten würden. Diese Nachricht wurde von zahlreichen anderen Medienträgern aufgegriffen – unter anderem von Fox News, das ebenfalls zu Murdochs Medienimperium gehört.

Das britische Nachrichtenmagazin The Guardian berichtet, die ganze Story habe lediglich auf einem einzigen Foto der Nachrichtenagentur Reuters basiert. Das Foto – aufgenommen in einer Aufnahmeunterkunft für minderjährige Migranten im südkalifornischen Long Beach – zeigt eine Ausgabe von Harris' Buch auf einer Pritsche zusammen mit anderen Utensilien eines Willkommenspakets. Daraus bastelte Italiano eine Geschichte, wonach allen minderjährigen Migranten ein solches Paket mit dem Buch überreicht werde. Die Journalistin zitierte aus Harris' Buch:

"Wann immer es Schwierigkeiten gibt, erscheinen Superhelden genau pünktlich."

Ein Faktencheck der Washington Post ergab, dass das Buch über einen Bücher- und Spielsachen-Lieferanten für Migrantenkinder in die Unterbringung gelangte. Das Buch sei eines von Hunderten anderer Bücher, die gespendet wurden. Es sei also genau ein Exemplar von Harris' "Superheroes Are Everywhere" in der Aufnahmeunterkunft Long Beach präsent gewesen.

Mittlerweile veränderte die New York Post ihren Beitrag und schreibt:

"In der Originalversion dieses Artikels wurde ausgesagt, Migrantenkinder würden Harris' Buch in einem Willkommenspaket erhalten. Der Artikel wurde dahingehend überarbeitet, dass nur bekannt ist, dass ein Exemplar des Buches an ein Kind gegeben wurde."

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