Nordamerika

Geschlechtskrankheiten in den USA im sechsten Jahr in Folge auf Rekordhoch

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (CDC) hat einen kritischen Bericht veröffentlicht. Dieser bestätigt, dass die Rate sexuell übertragbarer Krankheiten im sechsten Jahr in Folge ein Rekordhoch erreicht hat. Längst überwunden geglaubte Krankheiten kehren zurück.
Geschlechtskrankheiten in den USA im sechsten Jahr in Folge auf RekordhochQuelle: Gettyimages.ru © 5./15 WEST/iStock/Getty Images Plus

Im Jahr 2019 hatten den neuesten Daten zufolge mehr als 2,5 Millionen US-Amerikaner entweder Chlamydien-, Gonorrhoe- oder Syphilis-Infektionen. Vorläufige Daten für das Jahr 2020 zeigen, dass sich der Trend auch im vergangenen Jahr fortgesetzt hat.

Ethnische Minderheiten, schwule und bisexuelle Männer sowie die Jugend auf dem Lande sind laut CDC-Daten am stärksten betroffen. Schwarze haben eine fünf- bis achtmal höhere Rate bei den Geschlechtskrankheiten als Weiße, während die Rate bei der Spanisch sprechenden Minderheit ein- bis zweimal höher war als bei Weißen.

In einigen Regionen der USA war die Rate bei den Gonorrhoe-Infektionen unter heterosexuellen Männern 42-mal höher als der Durchschnitt, während schwule und bisexuelle Männer fast die Hälfte der primären und sekundären Syphilis-Infektionen ausmachten.

Infektionen mit Chlamydien stiegen unter jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren um 61 Prozent, jene mit Gonorrhoe um 42 Prozent, während sich in den Jahren 2015 bis 2019 die Syphilis-Infektionen bei Neugeborenen vervierfachten.

"Vor weniger als 20 Jahren waren die Zahlen bei der Gonorrhoe in den USA auf historischen Tiefstständen, die Syphilis stand kurz vor der Ausmerzung und Fortschritte in der Chlamydien-Diagnostik erleichterten die Erkennung von Infektionen", sagte der Forscher Dr. Raul Romaguera, Direktor der CDC-Abteilung für die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten. In den Jahren 2015 bis 2019 sei jedoch ein Anstieg dieser sexuell übertragbaren Krankheiten um fast 30 Prozent festgestellt worden, so der Experte.

Romaguera fügte hinzu, dass sich die historischen Fortschritte bei der Eindämmung sexuell übertragbarer Krankheiten in den vergangenen Jahren "aufgelöst" haben.

Experten befürchten, dass sexuell übertragbare Krankheiten aufgrund fehlender Tests pandemiebedingt zunehmen könnten. Hinzu kommt, dass die offiziellen Stellen zur Überwachung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten nicht ausreichend ausgestattet sind. Dies hat zur Folge, dass Infektionen nicht erfasst werden, da insbesondere viele Patienten zumindest anfänglich häufig symptomfrei sind.

Unbehandelte Infektionen können unter anderem zu einem erhöhten Risiko für entzündliche Schmerzen im Beckenbereich, chronischen Schmerzen, Unfruchtbarkeit und schweren Komplikationen bei Schwangerschaften führen.

"Diese aktuellen Informationen sollten die Dringlichkeit hervorheben, die benötigten Ressourcen zu mobilisieren, damit zukünftige Berichte besser ausfallen können", sagte Romaguera. Er hob hervor:

"Wir müssen uns jetzt dieser Herausforderung stellen."

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