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RKI: Syphilisdiagnosen in Deutschland auf Höchststand seit 2001

Die Zahl der Syphilisdiagnosen in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Höchststand seit dem Jahr 2001 erreicht. Im Jahr 2019 wurden um rund sieben Prozent mehr Fallzahlen als im Jahr zuvor verzeichnet. Homo- und bisexuelle Männer sind am meisten betroffen.
RKI: Syphilisdiagnosen in Deutschland auf Höchststand seit 2001Quelle: Gettyimages.ru

Seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes (IFSG) im Jahr 2001 wurde in Deutschland im Jahr 2019 die größte Zahl der Syphilisdiagnosen registriert. Das IFSG führte im Jahr 2001 eine neue Labormeldepflicht für Syphilisdiagnosen ein, was den Anstieg der gemeldeten Infektionen zwischen den Jahren 2001 und 2004 verursachte.

Im Zeitraum vom 2004 bis zum 2008 wurde die Stabilisierung der Meldezahlen für Syphilis festgestellt, während im Jahr 2009 die Inzidenz sogar sank. Jedoch wurde seit dem Jahr 2010 die kontinuierliche Zunahme der Fälle beobachtet. Nur im Jahr 2018 gab es einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. So wurden im Jahr 2019 laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts 7.889 Fälle der Geschlechtskrankheit gemeldet, rund sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr sind laut RKI-Datenbank bisher rund 6.400 Diagnosen gemeldet.

Die meisten Nachweise im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter den Bundesländern weist demnach das Land Berlin auf. Dort sticht insbesondere der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit fast 93 Fällen pro 100.000 Einwohner hervor (Berlin gesamt: 39,7). Ebenfalls über dem Bundesschnitt von 9,5 Fällen pro 100.000 Einwohner liegen der Stadtstaat Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In vielen Städten beobachtet das RKI eine vergleichsweise starke Verbreitung, darunter Köln, München und Frankfurt am Main. Infektionen "in relevanter Zahl" würden aber auch aus ländlichen Regionen gemeldet, hieß es.

Vorwiegend wird die Krankheit laut RKI bei Männern diagnostiziert (über 90 Prozent). Der Frauenanteil an den um 2019 gemeldeten Fällen liege bei knapp sechs Prozent. Bei Frauen ist die Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen, bei Männern die der 30- bis 39-Jährigen am häufigsten betroffen. Der überwiegende Anteil von Infektionen bei Männern wird von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), erworben. Bei Frauen erfolgen Infektionen ganz überwiegend auf heterosexuellem Weg. Aus einer Analyse der Syphilismeldedaten und der Studiendaten einer umfangreichen Studie zu Wissen, Einstellungen und Verhalten von MSM in Deutschland folgt, dass der wichtigste Grund für die hohe Syphilisinzidenz unter Männern durch Veränderungen im Sexualverhalten als Resultat neuerer Risikominimierungsstrategien bezüglich HIV bestimmt ist. Außerdem erhöhen die erweiterten Möglichkeiten der Online-Partnersuche das Risiko der potenziell gefährlichen sexuellen Kontakte.

Die venerische Syphilis, die am häufigsten durch sexuelle Kontakte übertragen wird, gehört zu den weitverbreiteten Infektionskrankheiten. Syphilis wird von Bakterien hervorgerufen und ist mit Antibiotika heilbar. Bei der Krankheit unterscheiden Mediziner drei Erkrankungsstadien. Zunächst bildet sich ein schmerzloses Geschwür an der Eintrittsstelle des Erregers, später können Symptome wie Fieber, geschwollene Lymphknoten, Haarausfall und Hautausschläge auftreten. Unbehandelt sind mehrere Jahre nach der Ansteckung Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße möglich. Es gibt aber auch viele symptomlose Fälle. In Deutschland ist die Übertragung beim Sex am häufigsten. Kondome senken das Risiko einer Übertragung.

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(rt/dpa)