Nordamerika

US-Liberale zeigen mit Tanz auf Rush Limbaughs Grab Minuten nach seinem Tod ihr wahres Gesicht

Die Reaktion der US-Liberalen auf den Krebstod des erzkonservativen Radiomoderators Rush Limbaugh zeugt von unverdünnter, schwarzer Schadenfreude und steht damit im krassen Gegensatz zu der Reaktion der US-Konservativen auf Todesnachrichten von liberalen Größen.
US-Liberale zeigen mit Tanz auf Rush Limbaughs Grab Minuten nach seinem Tod ihr wahres GesichtQuelle: Reuters © Micah Walter

Kommentar von Zachary Leeman

Viele haben den Tod der Ikone der Rechtskonservativen in den USA und des Talk-Radio-Pioniers Rush Limbaugh betrauert. Doch waren auch die eifrigsten seiner Kritiker schnell bei der Hand, sein Ableben zum Herausschlagen billigen politischen Kapitals auszubeuten, was niemandem nützen wird.

Es vergingen nur einige Minuten, bis die Liberalen den Krebstod von Limbaugh politisierten, der am Mittwoch in seiner Radiosendung von seiner Frau Kathryn bekannt gegeben wurde. Limbaugh wurde 70 Jahre alt.

Während die Radiopersönlichkeit Limbaugh vielen ein Fenster in die Welt der Politik öffnete und sie zum Nachdenken anregte, scheint er für andere wiederum der Teufel in Person gewesen zu sein. Angesichts einiger Reaktionen auf sein Ableben könnte man meinen, er sei mindestens ein ausgewachsener Terrorist oder Mörder gewesen. "Rush Limbaugh war einer der schädlichsten und giftigsten Menschen in den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika", tweetete der Autor und "politische Analytiker" Jared Yates Sexton.

Was war Limbaughs Verbrechen, werden Sie sich fragen?

"Sein Streben nach Reichtum und Macht hat unzählige Menschen verletzt und der Politik als öffentliches Gut, der Gesellschaft als Ganzes und dem Planeten selbst unabsehbaren Schaden zugefügt", schrieb Sexton. (Der hier referierte Kommentar war zum Redaktionszeitpunkt gelöscht und lediglich mittels Internetarchiven wie der Wayback Machine einsehbar; an seine Stelle rückte der Beitrag mit dem Titel "Rush Limbaugh war der misshandelnde Vater der USA und Geheimwaffe der psychologischen Kriegsführung im Dienste der Rechten". Anm. d. Red.)

Andere waren noch viel unverblümter bei der Äußerung ihres Hasses.

"Bye b**ch", tweetete die Chefredakteurin der "feministischen" Online-Zeitschrift Jezebel Julianne Escobedo Shepherd, nicht jedoch den Erzfeind Limbaugh zuvor noch mit folgendem Zitat zu würdigen: "Feminismus wurde dazu etabliert, um auch hässlichen Frauen den Zugang zu den Hauptströmungen der Gesellschaft zu ermöglichen".  

Produzentin, Komödiantin und Schauspielerin Cristela Alonzo wünschte ihren Lesern einen

"Frohen Rush-Limbaugh-Todestag! Ich hatte nicht einmal die Chance, meinen Baum aufzustellen!

Ich hoffe, er muss sich in der Hölle jede Folge seiner Show anhören."

Marc Marron, ebenfalls Schauspieler und Komödiant, nahm den Abschied kaum schwerer:

"Ein Lebewohl an den König der Drecksmäuler! Er holte das Schlimmste aus den Menschen heraus."

Journalist und Produzent Carlos Maza kommemorierte:

"Rush Limbaugh widmete jeden Moment seines Lebens dem Zweck, schutzlosen Menschen das Leben schwerer zu machen – alles im Namen seiner eigenen Bereicherung. Ehrlich gesagt wäre ich nicht gerade schockiert, wenn er nicht mal in die Hölle darf."

Limbaugh selbst war übrigens keineswegs ein Journalist, sondern ein Entertainer und ein Meinungsmoderator, der die Politik allenfalls durch das Prisma seiner eigenen konservativen Marke analysierte.

Einer der traurigeren Trends in den sozialen Medien, der nach Limbaughs Tod an Popularität gewann, war der Hashtag #restinpiss, mit dem viele den Tod des Radiostars fröhlich feierten.

"Wenn 'Rest in Piss' nur 5 Minuten nach deinem Tod trendet, dann heißt das, dass du der ÜBELSTE Abfall von Mensch warst, Rush Limbaugh. #RestInPiss!"

Komödiant und Synchronsprecher John DiMaggio (Futurama) schloss sich der posthumen Hetze an:

"Da sehe ich, dass #restinpiss plötzlich trendet, frage mich, warum – sehe dann, wer gestorben ist, und denke 'Ach so, klar ...'"

Einige waren bei ihren Reaktionen auf Limbaughs Tod etwas berechnender: Sie ließen etwa die unflätigen Ausdrücke und extreme Formulierungen weg. Stattdessen würdigten sie das Lebenswerk des Mannes anders herab – indem sie ihn als Summe politischer Sichtpunkte definierten, mit denen sie nicht einverstanden sind. Die New York Times twitterte aalglatt zu Limbaughs Tod:

"Als die Stimme des konservativen Amerikas dominierte er das Talk-Radio für mehr als drei Jahrzehnte mit seinen Angriffen auf Liberale, Demokraten, Feministen, Umweltschützer und andere."

Cenk Uygur von Young Turks pflichtete dem bei:

"Diese Vorstellung, dass man gekünstelt nette Sachen über Menschen sagt, nachdem sie gestorben sind, ist befremdlich. Ich habe die Logik dahinter nie verstanden. Als er noch lebte, war Rush Limbaugh ein schrecklicher Mensch. Er hat seinen Lebensunterhalt damit verdient, die Machtlosen anzugreifen. Sein Tod ändert das in keiner Weise und macht es auch nicht wieder gut." 

Würde einem liberalen Koryphäen gleichermaßen eine solche Behandlung zukommen? Würde die Times die Bilanz seines Lebenswerks aus Angriffen auf Konservative, Abtreibungsgegner, Waffenrechtsaktivisten und dergleichen mehr zusammenrechnen? Oder würde stattdessen ein anderer Ton angeschlagen werden?

Limbaugh wurde aber auch eine Flut an Liebesbekundungen zuteil, mit denen viele tatsächlich den Mann betrauerten und seine Leistungen feierten. Ted Cruz, republikanischer Senator für den US-Bundesstaat Texas, gab folgende Kondolenz ab:

"Ein 'Ruhe in Frieden' an die unermüdliche Stimme der Freiheit und der konservativen Bewegung – Rush Limbaugh. Ich bete für die ganze Familie Limbaugh."

Der Schauspieler Nick Searcy zeigte sich sehr betroffen:

"Gott segne Rush und die Millionen Menschen, die zu seiner Familie gehören. Es wird nie einen Zweiten geben. Keiner hat die Welt mehr verändert als er. Ich mochte ihn mehr, als ich in Worte fassen kann."

In seinem ersten Fernsehinterview seit seinem Ausscheiden aus dem Amt sprach auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump auf Fox News über Limbaugh:

"Er war sehr tapfer – ich meine, er hätte theoretisch schon vor vier Monaten erledigt sein können, wirklich. Aber er hat bis zum Schluss gekämpft. Er war ein Kämpfer."

Trump verriet zudem, nur wenige Tage zuvor mit dem Mann gesprochen zu haben, dem er seinerzeit die Presidential Medal of Freedom verlieh.

Es gibt schon einen scharfen Kontrast in der Art und Weise, wie die sprechenden Köpfe der Linksliberalen und die Mainstream-Medien einen Konservativen "betrauern" – im Gegensatz dazu, wie ein großer Teil der Rechtskonservativen jemanden auf der Seite der Linksliberalen betrauert. Die liberale Ikone und Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Ruth Bader Ginsburg, war zum Beispiel nicht gerade jemand, mit dem viele Konservative einverstanden waren. Doch tanzten damals ebenso viele Konservative auf ihrem Grab, um einen vermeintlichen politischen Sieg zu feiern, als sie verstarb?

"Meine Leserschaft und ich haben für RBG gebetet, als sie krank wurde. Ihr seid doch Sektanten."

Mit dieser Erinnerung an die eigene Reaktion auf den Tod der höchsten Richterin der USA antwortete mit Jack Posobiec ausgerechnet ein hochumstrittener Alt-Right-Aktivist auf die folgende Suggestion:

"Erinnert ihr euch, was ihr über RBG gesagt habt? Ich bin gerade so glücklich."

Schauspielerin Kristy Swanson (Buffy – der Vampir-Killer, 1992), eine Leserin von Posobiec, bestätigt dies:

"Wir alle haben RBG gelobt und ihr Respekt gezollt."

Es geht hier nicht um linksliberal gegen rechtskonservativ. Das sollte niemals das Thema einer Unterhaltung sein, die man nach dem Tod eines Menschen führt. Jemanden zu feiern, der krank wird und dem Krebs erliegt, sagt nichts über größere politische Kämpfe aus, aber dafür alles über den Charakter des Feiernden. Doch die Tatsache, dass so viele davon anscheinend einer Seite angehören, zeigt, dass auf einer Seite der politischen Barrikaden solches Verhalten entschuldigt und Hass normalisiert wird – solange man sich damit nur gegen die richtige Person richtet.

Nimmt man aber die Politik aus der Gleichung heraus, so leistete Limbaugh Pionierarbeit im politischen Talk-Radio in den USA und öffnete damit zahlreichen anderen Individuen die Türen, sodass auch ihre Stimmen gehört werden konnten. Er war Autor von Büchern, die Kinder über die US-Geschichte unterrichteten, und unabhängig von den Schock-Zitaten, die seine Kritiker aus dem Zusammenhang gerissen haben, war er immer bereit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die anderer Meinung waren als er selbst, und sie zu respektieren. Im Laufe der Jahre hatte er mehrfache Auftritte in der liberalen Zeichentrickserie "Family Guy" und freundete sich mit Elton John an.

Politische Spaltungen aller Art vergiften die USA zusehends. Und die Feier von Limbaughs Tod ist hierfür nur noch ein weiterer Beweis von vielen. Wir werden heutzutage nicht nach unserem Handeln beurteilt, sondern nach unseren Ansichten: Vertritt man die falschen, kann man seine Arbeit oder seine Plattform verlieren. Vertreten Sie irgendetwas, was von den extremen "woken" augenblicksaktuellen Losungen abweicht, sind Sie ein "Hassprediger" – und daher nicht mehr länger ein Mensch. Nur damit lässt sich erklären, dass eine Seite der politischen Kluft das Ableben von Menschen zu feiern imstande ist – und, schlimmer noch, einen solchen Tod als ihren eigenen Sieg zu feiern.

So etwas ist kein Sieg – und wenn es sich dennoch so anfühlt, dann sind Sie zentraler Bestandteil im Wirken der kulturellen Kluft, die diese Nation so schnell auseinanderreißt.

Ruhe in Frieden, Rush.

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Übersetzt aus dem Englischen

Zachary Leeman ist ein in den USA lebender Journalist und Autor des Romans Nigh.

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