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Verbaler Ausrutscher oder eklatante Lüge? Biden spielt mit Fakten über landesweite Impfaktion

Joe Biden wurde vor seinem Amtsantritt gegen COVID-19 geimpft. Nun wird er beschuldigt, mit Fakten zu spielen, indem er behauptete, dass es bei seinem Amtsantritt keine COVID-19-Impfungen gab. Einige tun dies als einen harmlosen verbalen Ausrutscher ab.
Verbaler Ausrutscher oder eklatante Lüge? Biden spielt mit Fakten über landesweite ImpfaktionQuelle: Reuters © Tom Brenner

Im Gespräch mit Anderson Cooper vom Nachrichtensender CNN erklärte US-Präsident Joe Biden am Dienstag scheinbar zusammenhanglos, dass es den Vereinigten Staaten sowohl an Impfstoffen als auch an Gesundheitspersonal fehlte, das in der Lage war, diese zu verabreichen, als er vergangenen Monat ins Weiße Haus einzog. Er erklärte:

"Die größte Sache aber ist die eine Sache, dass wir keinen Impfstoff hatten, als wir ins Amt kamen, aber eine Impfvorrichtung. Wie bekommt man den Impfstoff in den Arm von jemandem?"

Das einzige Problem: Sowohl der Moderna- als auch der Pfizer/BioNTech-Impfstoff erhielten von der US Food and Drug Administration eine Notfallzulassung, bevor Biden am 20. Januar vereidigt wurde. Tatsächlich erhielt Biden am 21. Dezember eine erste Dosis des Pfizer-Impfstoffs. Der Vorgang wurde sogar live im Fernsehen übertragen, um den US-Amerikanern zu versichern, dass das Medikament sicher sei. Als Biden am 11. Januar die zweite Dosis des Medikaments verabreicht bekam, waren laut CNN etwa neun Millionen US-Amerikaner bereits geimpft worden.

Bidens Behauptung, dass Ende Januar keine Impfstoffe auf dem Markt gewesen seien, blieb von Cooper unbeanstandet. Die Kommentatoren in den sozialen Medien waren jedoch weit weniger nachsichtig.

Steve Guest, ein Aktivist der Republikanischen Partei und Berater von US-Senator Ted Cruz, beschuldigte Biden, eine massive Lüge zu verbreiten. Andere fragten, warum CNN die zweifelhafte Behauptung nicht auf Stichhaltigkeit geprüft hatte.

Einer populären Theorie zufolge ist Biden schlicht senil und hatte vergessen, dass er am Tag der Amtseinführung vollständig geimpft worden war. Der 78-jährige Demokrat wurde verspottet und lächerlich gemacht, da er in dem Interview zeitweise abgehoben wirkte oder seine Aussprache verlangsamte.

Unterstützer des neuen US-Präsidenten bestehen darauf, dass die Aussage nichts weiter als ein unschuldiger Versprecher war. Man hob hervor, dass Biden zuvor darauf verwiesen hatte, dass Millionen von Impfdosen für US-Amerikaner zur Verfügung stünden und daher eindeutig nicht behauptet hätte, dass es bei seinem Amtsantritt keine Impfungen gegeben habe.

Biden ist nicht der einzige Vertreter der Regierung, der andeutet, dass der ehemalige US-Präsident Donald Trump in Sachen Impfstoffe versagt hat. Vizepräsidentin Kamala Harris behauptete kürzlich in einem Interview trotz einer gegenteiligen Aussage von Dr. Anthony Fauci, die Trump-Regierung habe ihrem Nachfolger keinen Plan für die Einführung einer landesweiten Impfaktion hinterlassen.

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