Nordamerika

Nach Twitter, Facebook und Co: Kommt nun das große "Reinemachen" bei Podcasts?

Ein Bericht der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) nimmt das Format Podcasts ins Visier. Laut AP würden die großen Social-Media-Plattformen mittlerweile zwar verstärkt auf ihre Inhalte achten, doch bei Podcasts sei die Sache nach wie vor anders.
Nach Twitter, Facebook und Co: Kommt nun das große "Reinemachen" bei Podcasts?Quelle: Gettyimages.ru

In dem Bericht von AP ist die Rede davon, dass man in den von den beiden Tech-Unternehmen Apple und Google zur Verfügung gestellten Podcasts auch weiterhin "in die Welt der QAnon-Verschwörungstheorie eintauchen, sich in Präsident Donald Trumps falschen Behauptungen über eine gestohlene Wahl suhlen und sich in anderem Extremismus sonnen" könne.

Konten, die in den sozialen Medien wegen falscher Wahlinformationen, Bedrohung oder Mobbing und Verstößen gegen andere Regeln gesperrt wurden, lebten als Podcasts auf den Plattformen der Tech-Giganten weiter, so der Bericht. Als Beispiel verweist AP auf Steve Bannon. Dessen YouTube-Kanal "Bannon's War Room" wurde von YouTube (das Google gehört) gesperrt. Aber Podcast-Versionen von Bannons Kanal "lebten bei Apple und Google weiter".

Die Nachrichtenagentur verweist auf einen Bericht der Anti-Defamation League von 2018, nach dem Podcasts bei Gruppen, die eine sogenannte "White Supremacy" anstreben, "eine besonders übergroße Rolle spiele". "Podcasting ist eine intime, humanisierende Art der Kommunikation, die Extremisten für Stunden ihre Ideen ausbreiten lässt", zitiert AP Oren Segal, den stellvertretenden Direktor der Anti-Defamation League.

Anderswo in den sozialen Medien, bei Twitter, Facebook und YouTube, ginge man stärker gegen derartige Inhalte vor. 

"Podcasts, die mit Hass und Aufstachelung zur Gewalt gefüllt sind, sollten nicht anders behandelt werden als jeder andere Inhalt", erklärte Segal gegenüber AP. "Wenn man auf der Plattform in irgendeiner Weise gegen Hass und Extremismus vorgehen will, sollte das allumfassend sein."

Laut Dave Zohrob, CEO der Podcast-Analysefirma Chartable, kuratierten Apple, Spotify und Google Listen von Top-Podcasts und gäben Nutzern Empfehlungen. Apple und Spotify seien die dominierenden Anbieter in den USA, die anderen lägen weit dahinter. Trotz seines Bekanntheitsgrades habe Google nur eine winzige Präsenz.

Spotify erklärte, dass es Podcasts herunternehme, die gegen seine Richtlinien zu Hassrede, Urheberrechtsverletzungen oder gegen andere Gesetze verstießen. Dafür nutze das Unternehmen "algorithmische und menschliche Erkennungsmaßnahmen". Apples Richtlinien verbieten Inhalte, die illegal sind oder Gewalt, grafischen Sex oder Drogen fördern oder "anderweitig als obszön, anstößig oder geschmacklos gelten". Auf Anfrage von AP äußerte sich Apple jedoch nicht zum Thema Inhaltsrichtlinien oder Moderation.

Google lehnte es gegenübender der Nachrichtenagentur ab, die Diskrepanz zwischen dem, was auf YouTube und dem, was auf Google Podcasts verfügbar ist, zu erläutern und erklärte nur, dass sein Podcast-Dienst "im Web verfügbare Audiodaten indiziere", ähnlich wie seine Suchmaschine Webseiten indiziere. Google entferne Podcasts nur "in sehr seltenen Fällen" und größtenteils wegen Verstößen gegen lokale Gesetze.

Gegenüber AP sagte Shane Creevy, Redaktionsleiter von Kinzen, einem Startup, das von ehemaligen Facebook- und Twitter-Führungskräften gegründet wurde, dass Podcasts unter dem gleichen Fehlinformationsproblem litten wie andere Plattformen. Sein Unternehmen biete einen sogenannten "Tracker für Desinformation" an, darunter auch einige, die Podcasts hosten oder kuratieren.

Creevy wies darauf hin, dass es schwieriger sei, Fehlinformationen aus Video und Audio zu fischen als aus Texten. Außerdem könnten Podcasts stundenlang laufen und seien daher nur schwer zu überwachen. Podcasts stellten zudem eine zusätzliche Herausforderung dar, da es keine verlässlichen Statistiken über ihre Zuhörerschaft gäbe, im Gegensatz zu einem YouTube-Stream, der Aufrufe zeige, oder einem Tweet oder Facebook-Post, der Likes und Shares darstelle.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die vor einer übertriebenen Kontrolle warnen. Zumal die Moderation der Technik-Unternehmen undurchsichtig und inkonsistent sei, wodurch neue Probleme entstünden. Zensur "geht mit der Flut gegen das, was in einem bestimmten Moment populär ist", so Jillian York, ein Experte bei der Electronic Frontier Foundation, eine Gruppe für digitale Rechte, gegenüber AP. Im Moment rolle "diese Flut gegen Äußerungen von Rechtsextremisten ... aber morgen könnte sich die Flut gegen andere Oppositionsaktivisten wenden".

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