Meinung

Iran ist das siebente Land auf der Liste – Lüge und Täuschung, wie immer

Erneut haben die USA – diesmal mit der Unterstützung Israels – einen mörderischen Krieg begonnen. Die Ursachen hierfür reichen weit zurück. Welche Auswirkungen dieser Krieg letztlich haben wird und wie er enden wird, ist derzeit nicht absehbar.
Iran ist das siebente Land auf der Liste – Lüge und Täuschung, wie immer© Urheberrechtlich geschützt

Von Wolfgang Bittner

Die Verhandlungen in Genf zwischen Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm schienen gerade zu einem Erfolg zu führen, als am 28. Februar 2026 plötzlich die amerikanischen und israelischen Raketen flogen und der Krieg gegen Iran begann. Dieser Krieg hat eine lange Vorgeschichte.

Im Jahr 1951 erfolgte – noch während der Pahlavi-Dynastie – unter dem gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh die Verstaatlichung der Ölindustrie, wogegen die CIA und der britische MI6 mit gezielten Aktionen vorgingen. Daraufhin wurde Mossadegh im Jahr 1953 im Rahmen der "Operation Ajax" entlassen und festgenommen, womit ein laizistischer Staat verhindert wurde und ein internationales Konsortium Zugriff auf die iranischen Ölvorkommen erhielt. Im Jahr 1979 verließ dann der Schah Mohammad Reza Pahlavi das Land, der Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück und Iran wurde eine autoritär geführte Islamische Republik.

Seither steht das Land im Fokus der USA und der Briten und kam nicht mehr zur Ruhe. Es verfügt zwar über die größten Erdgas- und die viertgrößten Erdölvorkommen und nimmt damit erheblichen Einfluss auf die weltweite Versorgung mit fossilen Energieträgern. Zudem unterhält es wirtschaftliche Beziehungen zu westlichen Ländern sowie wirtschaftliche und militärische Kooperationsabkommen mit Russland und China. Die erdrückenden Sanktionen der USA, denen sich Großbritannien und die Staaten der Europäischen Union angeschlossen haben, führten jedoch zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen.

Hinzu kommt, dass Iran als größte Regionalmacht Vorderasiens eine inoffizielle Militärkoalition anführt, wozu die Hamas, Hisbollah und Huthi gehören. Das hat ihm, wie auch anderen Ländern, die sich gegen den verheerenden Einfluss der USA und Westeuropas wehren, deren erbitterte Gegnerschaft eingetragen. So gesehen ging es Ende Februar 2026 bei dem völkerrechtswidrigen Angriff und der Ermordung Ajatollahs Ali Chamenei, des Nachfolgers von Ruhollah Chomeinis, nur zum Teil um die Beilegung des Atomstreits.

Wie zum Beispiel 2015 in Minsk, als Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Konflikts stattfanden, die sich als Täuschungsmanöver der westlichen Allianz erwiesen, gab es auch in Genf lediglich Scheinverhandlungen zur Aufgabe des iranischen Atomprogramms. Dass die USA ganz andere Pläne hatten, zeigt ein kurzer Blick hinter die Kulissen. 2007 enthüllte der Viersternegeneral Wesley Clark, zeitweise Oberbefehlshaber der NATO, skandalöse Interventionsvorhaben der Bush-Administration gegen sieben Länder.

Clark sagte, es habe unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 einen Plan für Regimewechsel und Kriege im Nahen Osten und in Afrika gegeben. Gelistet waren außer Afghanistan der Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und letztlich Iran. Die Interventionen gegen sechs Länder wurden nach und nach "abgearbeitet", nur Iran war übrig geblieben, und dieser Krieg wird nach Jahren der Intrigen, Hetze und Sanktionen jetzt nachgeholt.

Dass die USA damit ein weiteres Pulverfass angezündet haben und die Konflikte mit Russland und China eskalieren, scheint Donald Trump in Kauf zu nehmen – ein Beweis dafür, dass es eine Langzeitstrategie der USA gibt, die unabhängig von der jeweiligen Präsidentschaft funktioniert. Unter der Regierung von Donald Trump ist vieles anders, chaotischer geworden. Aber Trump führt die US-Politik im Sinne der Wirtschafts- und Finanzeliten sowie des militärisch-industriellen Komplexes weiter wie vorgesehen.

Wieder haben die USA, diesmal mit Unterstützung von Israel, einen mörderischen Krieg begonnen. Welche Auswirkungen er letztlich haben wird und wie er enden wird, ist derzeit nicht absehbar. Aber der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der dem US-Präsidenten am 3. März seine Aufwartung gemacht hat, weiß von der Entwicklung in Iran und den Hintergründen der US-Aggression offensichtlich nichts. Völkerrecht hin oder her, er findet den Angriff auf Iran nötig und gerechtfertigt.

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Zuletzt erschien im Verlag Hintergrund sein Buch "Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland", Berlin 2025.

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