Meinung

Das Weiße Haus setzt immer wieder auf Elliott Abrams, weil das US-Imperium ebenso böse ist

Es ist kein Maß für Gesundheit, in einer zutiefst kranken Gesellschaft gut belohnt zu werden. Da unsere Gesellschaft so dermaßen krank ist, besteht einer der schnellsten Wege zu Reichtum und Ansehen darin, so böse zu sein wie Elliott Abrams.
Das Weiße Haus setzt immer wieder auf Elliott Abrams, weil das US-Imperium ebenso böse istQuelle: Legion-media.ru © Erin Schaff/Pool/Abaca/Sipa USA

Von Caitlin Johnstone

CNN berichtete, dass Präsident Joe Biden den kriminellen Neokonservativen Elliott Abrams für einen Posten in der Beraterkommission der Vereinigten Staaten von Amerika für öffentliche Diplomatie nominiert hat, die nach Angaben des US-Außenministeriums für die "Bewertung von Aktivitäten verantwortlich ist, um die Öffentlichkeit im Ausland zu verstehen, zu informieren und zu beeinflussen sowie den offiziellen Arm der US-Regierung für Auslandspropaganda, die US-Agentur für globale Medien, zu beaufsichtigen".

Wenn jemand als Neokonservativer bezeichnet wird, ist das normalerweise aus fachlicher Sicht keine wirklich treffende Beschreibung und wird häufig im Sinne von "Kriegstreiber" verwendet. Aber Elliot Abrams ist tatsächlich ein echter neokonservativer Ideologe des Projekts für das Neue Amerikanische Jahrhundert (PNAC), mit engen Verbindungen zu Neokonservativen der alten Schule aus den 1970er Jahren, und hat jahrzehntelang dazu beigetragen, den gewalttätigen US-Imperialismus in Lateinamerika und im Nahen Osten zu fördern.

Abrams fungierte nicht nur als Sonderbeauftragter der Regierung von Donald Trump für Iran und Venezuela – zwei der Staaten, in denen Trumps Außenpolitik am mörderischsten war –, sondern ist wahrscheinlich vor allem dafür bekannt, dass er seine Rolle bei der kriminellen Vertuschung in der Iran-Contra-Affäre während der Administration von Ronald Reagan eingestand. CNN – bekanntermaßen eher zurückhaltend bei der Kritik sowohl an der US-Außenpolitik als auch an einem von der Demokratischen Partei beherrschten Weißen Haus – äußerte sich in seinem Bericht über Bidens Nominierung von Abrams überraschend kritisch.

In einem Artikel mit dem Titel "Biden nominiert umstrittenen ehemaligen Trump-Beauftragten für die Beraterkommission der öffentlichen Diplomatie" schrieb Jack Forrest von CNN:

"Elliott Abrams, der in drei republikanischen Regierungen gedient hat, fungierte zuletzt als Sondergesandter der Regierung von Trump für Iran und Venezuela, wo er damals mit der Leitung der Kampagne zur Verdrängung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro beauftragt war.

Die lange Geschichte des republikanischen Insiders in der Außenpolitik ist geprägt von einem Schuldeingeständnis aus dem Jahr 1991, weil er Informationen über die Iran-Contra-Affäre zurückgehalten hatte, was ihm zwei Anklagepunkte wegen Fehlverhalten, zwei Jahre Bewährung und hundert Stunden gemeinnützige Arbeit einbrachte – obwohl er später vom Präsidenten George H.W. Busch begnadigt wurde.

Die geheime Iran-Contra-Operation, die während der Zeit von Abrams als stellvertretender Außenminister in der Reagan-Regierung stattfand, beinhaltete die Finanzierung antikommunistischer Rebellen in Nicaragua aus den Erlösen von Waffenverkäufen an Iran, obwohl der Kongress eine solche Finanzierung verboten hatte.

In seiner Rolle unter dem ehemaligen Präsidenten Ronald Reagan wurde Abrams auch in einem Bericht von Human Rights Watch angeprangert, weil er in einer Aussage vor einem Senatsausschuss im Februar 1982 versucht hatte, Berichte über das Massaker an 1.000 Menschen in der salvadorianischen Stadt El Mozote im Dezember 1981 – den größten Massenmord in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas – durch in den USA ausgebildete und ausgerüstete Militäreinheiten herunterzuspielen.

Abrams beharrte darauf, dass die Zahlen der gemeldeten Todesopfer "unglaubwürdig" seien und lobte das Militärbataillon, das hinter dem Massaker steckte, "überschwänglich" – eine Haltung, die er erneut unterstrich, als diese Zahl während einer Anhörung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses im Jahr 2019 durch den Abgeordneten Ilhan Omar vorgelegt wurde, einen Demokraten aus Minnesota, dessen lateinamerikanische Abstammung Abrams nutzen wollte, um dessen Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen."

Wenn man so ekelhaft ist, dass sogar CNN davon angewidert wird, muss man ein ganz besonderes Ekel sein. Wie Jack Forrest feststellte, wäre die jetzige US-Regierung die vierte, der Abrams angehören würde, obwohl er ein verurteilter Gauner war und obwohl er bei einigen der berüchtigtsten kriminellen Aktionen des US-Imperiums bei jeder Gelegenheit auf Blutvergießen drängte. Abrams ist ein dermaßen kaltherziger Mörder, dass er während einer Konferenz 1985 offen zugab, dass der Zweck der Unterstützung der Contras in Nicaragua darin bestanden habe, "Menschen, die auf unserer Seite kämpfen, die Anwendung von mehr Gewalt zu ermöglichen". Auch hat er die militärische Gewalt der USA gegen den Irak, Syrien und Iran im Laufe seiner Karriere mit bemerkenswerter Eindringlichkeit gefördert. Die Tatsache, dass jemand, der so tyrannisch, so korrupt und so skrupellos ist, immer und immer wieder in Positionen berufen wird, die mit der US-Außenpolitik zu tun haben, verrät alles, was man über die Natur der US-Außenpolitik wissen muss.

Tatsächlich ist es eine vernichtende Anklage gegen unsere Zivilisation, dass Sumpfmonster wie Elliott Abrams nach wie vor geschätzte Mitglieder dieser Gesellschaft sind und keine geschmähten Ausgestoßenen, die ihr Gesicht nicht gefahrlos in der Öffentlichkeit zeigen können. Solche Leute sollten aus jeder Stadt vertrieben werden, die sie betreten, und nicht mal in der Lage sein, auch nur einen Mini-Job mit Mindestlohn zu bekommen. Stattdessen werden sie als hochkarätige Experten, als Mitarbeiter in Denkfabriken und als politische Funktionäre eingesetzt, um ihr Fachwissen bei einigen der folgenreichsten Angelegenheiten in der Welt bereitzustellen. 

Laut einem Zitat, das oft Jiddu Krishnamurti zugeschrieben wird, ist es kein Ausdruck von Gesundheit, in einer zutiefst kranken Gesellschaft gut belohnt zu werden. Da unsere Gesellschaft zutiefst krank ist, besteht einer der schnellsten Wege, zu Glück und Ansehen zu gelangen, darin, so ekelhaft zu sein wie Elliott Abrams. Vielmehr muss man so kaputt wie Elliott Abrams sein, um im US-Machtgefüge Bedeutung zu erlangen, bereit sein, alles zu sagen und zu tun, was gesagt und getan werden muss, um die anhaltende Dominanz eines globalen Imperiums zu sichern, das von menschlichem Blut durchtränkt ist.

Übersetzt aus dem Englischen.

Caitlin Johnstone ist eine unabhängige Journalistin aus Melbourne, Australien. Ihre Webseite findet sich hier und man kann ihr auf Twitter unter @caitoz folgen.

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