Meinung

Patriarch der Zwietracht – Die Russisch-Orthodoxe Kirche und der Ukraine-Krieg

Bartholomäus, Patriarch von Konstantinopel, empfahl den russischen Mönchen auf dem Berg Athos, den Kopf unten zu halten und "stillzusitzen". Andernfalls müssten sie mit strenger Verfolgung und Verbannung vom Heiligen Berg rechnen. So lautet das Ultimatum.
Patriarch der Zwietracht – Die Russisch-Orthodoxe Kirche und der Ukraine-KriegQuelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

von Andrei Rudaljew

Das Vergehen russischer Asketen und Priester ist klar: die allgemeine Schuld der russisch-orthodoxen Kirche, deren Unterstützung der Spezialoperation in der Ukraine, vom tiefen Sinn der Operation erzählt zu haben, und vor allem – der Widerstand dem Bösen gegenüber, das sein Haupt erhoben hat und nach Blut giert.

Die Kirche ist in vielerlei Hinsicht ein Abbild dessen, was sich im weltlichen Leben abspielt. Von der Politik ist sie ebenfalls nicht zu trennen, insbesondere von derjenigen, die wesentliche Grundsätze der Zivilisation berührt. So war es zum Beispiel unmöglich gewesen, den heiligen Einsiedler Theophan zu separieren, der die russische Sonderaktion zur Befreiung Bulgariens im 19. Jahrhundert unterstützt hatte.

Was den Meister der Intrigen und der Technik des Schismas, Patriarch Bartholomäus, anbelangt, so ist er seit Langem ein fanatisches Werkzeug der Freimaurer mit dem Zweck, die Integrität der Orthodoxie zu zerstören. Auf diesem Arbeitsfeld haben sich die Sterne des persönlichen, aber auch des aktuell-politischen Auftrags und der Konjunktur ausgerichtet.

Erinnern wir uns, dass gerade er zu einem der Hauptakteure bei der Organisation der Kirchenspaltung in der Ukraine geworden war. Gerade er war es gewesen, der den früheren ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit dem Edikt zur Autokephalie begnadet hatte, worauf harte Repressionen gegen Gläubige und Kleriker der kanonischen ukrainisch-orthodoxen Kirche folgten.

Damals war der Auslöser der kirchlichen Zwietracht die Feier zum 1030. Jahrestag der Taufe der Rus (Russlands), als Patriarch Kyrill einen Aufruf zur Einheit verkündete. Wie sollte aber Einigkeit herrschen, wenn rundum Kräfte der Zwietracht wirken, die diese nur vermehren? Der Patriarch von Konstantinopel übernimmt gerade die Führungsrolle beim Schaffen divergierender Prozesse.

Bekanntlich wurde die geistige Umnachtung der Ukraine konsequent über die Sprache, die Kultur und das Bildungswesen betrieben, wobei die Betonung auf der Absonderung und Entfremdung von Russland lag, mithilfe eines fingierten Wertesystems, eines fingierten Gedankenguts und fingierter Helden. Der allgemeine Sinn des Ganzen bestand in der Gegenüberstellung Russlands und dem großzügigen Schüren von Feindseligkeit. Es gab eine Ausrichtung auf die Banderisierung der Ukraine, von der aus der Weg zum gewöhnlichen Nationalsozialismus sehr kurz ist – die Grenzlinie ist fast unsichtbar.

Die Aufgabe der Ausrodung von Beziehungen und der Gemeinschaft im geistlichen Bereich, d. h. die Banderisierung der Kirche, fiel demselben Bartholomäus zu, der konsequent alles tat, um der russisch-orthodoxen Kirche zu schaden, ihre Autorität zu zerstören und eigentlich banale kirchliche Russophobie zu betreiben. So beabsichtigte er, durch die Zerstörung der Einheit der orthodoxen Welt den Status seines Throns zu erhöhen, doch wurde er als eine marginale und selbst ernannte Figur wahrgenommen, die zugleich in der Lage war, eine Menge Ärger zu verursachen.

Heute sind die Wehen der Aufkündigung der Einheit mit der russisch-orthodoxen Kirche offensichtlich, worin ein lang gehegter Traum von der Zerstörung der Orthodoxie gesehen wird. Bartholomäus tut alles dafür. Sein geistlicher Qualm, die ukrainischen Schismatiker, verlangt bereits die Absetzung des Patriarchen Kyrill von seiner Amtswürde, und Bartholomäus soll dies durch sein "unparteiisches" Gericht tun. Übrigens, das Moskauer Patriarchat hat darauf bereits geantwortet, dass der blamierte Patriarch von Konstantinopel nicht über das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche urteilen darf, da mit der verurteilten Schisma der orthodoxen Welt er selbst "in die Einigkeit gekommen" ist.

Somit verwirklicht der Patriarch von Konstantinopel zurzeit eine Modeerscheinung – die Beseitigung der russischen Kultur und die Verfolgung von allem, was russisch ist, mit der Anwendung auf den kirchlichen Bereich.

Es ist deshalb nicht verwunderlich: Die Äußerungen von Bartholomäus, der über russische Mönche sagte, sie sollten stillsitzen, damit niemand hinausgeworfen werde, sind den Äußerungen vieler "fortschrittlicher" Persönlichkeiten sehr ähnlich, die sagen, die Russen sollten die Schuld bekennen, alle Demütigungen hinnehmen, ihre Stimme nicht erheben und froh sein, dass ihnen nicht ins Gesicht gespuckt wird. So ist der Patriarch zu einer ideologischen Waffe geworden, die alles rundum in eine rasende Hysterie versetzt.

Aus diesem Grund sieht er die russischen Mönche auf dem Athos als Geiseln an und fordert, dass seine Gefangenen "stillhalten". Andernfalls könnten sie vermeintlich provozieren, wobei eine Provokation durchaus schon ihre bloße Existenz sein kann: Schließlich werden sogar Mönche als russische Agenten aufgefasst, und auf sie wird das Prinzip der Mitschuld angewandt. All das riecht nach der Logik eines Konzentrationslagers mit Bartholomäus als Aufseher …

Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass Repressionen aus Gründen der Staatsangehörigkeit nicht mehr überraschend oder schockierend sind – sie scheinen die Norm zu sein.

Die Mönche sind nur deshalb schuldig, weil sie Russen sind. So hat die neue Realität (oder die vorübergehend vergessene alte Realität) bereits eine ernsthafte Bewusstseinsveränderung bewirkt.

Was bedeutet dieses Bartholomäussche "Stillhalten"? Wir würden doch nicht davon ausgehen, dass die russischen Mönche einen Aufstand und Unruhen auf dem Heiligen Berg planen oder irgendeine Art von Protest gegen den Patriarchen anzetteln wollen. Die Rede ist von etwas anderem – es wird behauptet, dass Geistliche kein Recht haben, ihre nationale Zugehörigkeit zu zeigen, dass sie der russischen Zivilisation abschwören und alles Russische in sich ausrotten müssen.

Nicht auszuschließen ist zudem die Nötigung der Mönche, unter Androhung von Verfolgung Flüche gegen Russland und die russisch-orthodoxe Kirche auszusprechen. Immer derselbe eifrige Fall des Schismas, nur dass es in der Ukraine unter dem Banner der spekulativen Hervorhebung des Nationalen und des Eigenwilligen vollzogen wurde, angewandt auf die Russen hingegen geht es um die vollständige Säuberung des Ursprünglichen (der Wurzeln).

An diesem lokalen Beispiel der kirchlichen Sphäre zeigt sich, wie genau die Umsetzung dessen vor sich geht, was der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki kürzlich gefordert hat, nämlich die "Ausrottung der russischen Welt". Dabei ist die Kirche eine der wichtigsten der Säulen. Der schismatische Patriarch versteht das sehr gut und will den Berg Athos von allem Russischen säubern. Deshalb, so scheint es also, werden die Mönche vor eine ähnliche Wahl gestellt werden wie die internationalen Sportstrukturen, die mit Händen und Füßen von der Politik gefesselt sind, die die russische Olympiamannschaft letztlich vor die Wahl gestellt hat: entweder Verzicht auf die Olympischen Spiele oder auf alle nationalen Attribute und Auftreten unter einer neutralen Flagge.

Um die russisch-orthodoxe Kirche zu neutralisieren, benötigt Bartholomäus eine Abspaltung in ihren Reihen, eine separate Struktur, die unter neutraler Flagge oder besser noch unter antirussischer Flagge agieren wird. Möglicherweise wird er seine Bemühungen darauf ausrichten. Zumal die ideologische Forderung nach einer solchen Maßnahme sehr stark ist. Es gibt auch einen bestimmten Teil der russischen Gesellschaft, der am 24. Februar ins Leere eines schwarzen Quadrats des Benutzerbildes (in den sozialen Medien) versunken ist und nicht nur eine kulturelle und politische, sondern auch eine religiöse Trennung und Abgrenzung wünscht, um ein komfortables Bild von der Kirche zu schaffen – als Konstrukteur, wie in einem Baukasten. Der Patriarch der Zwietracht und der Russophobie wird dem nur förderlich sein.

Im Allgemeinen möchte man dem Patriarchen von Konstantinopel empfehlen, nach dem Berg Athos auch nach Solowki zu gehen. Vielleicht wird er dort etwas von den Rudimenten der Orthodoxie und der Bedeutung globaler politischer Prozesse verstehen.

In den ersten Tagen der militärischen Spezialoperation Russlands hielt der Klostervorsteher Porfiry aus Solowki eine Rede, in der er eine religiöse Sicht auf das Geschehen offenbarte. Dabei sprach er von einem "sündigen Volk", das die Sünde des Nazismus und des Nationalismus auf sich genommen habe, die Sünde der Zwietracht. Für ein solches Volk gebe es zwei Möglichkeiten: Die erste ist die Reue, und wenn diese nicht erfolgt, lässt Gott einen Krieg zu, der zu einer Läuterung wird.

Gleichzeitig rief der Hegumenos dazu auf, "für unsere Streitmacht zu beten, die jetzt für die Wahrheit steht". Der russisch-orthodoxen Kirche ist diese Wahrheit und die Sache des Gerechten bekannt, doch Bartholomäus kümmert das nicht: Er ist anderweitig beschäftigt – er webt Schismen in der Sünde der Zwietracht.

Andrei Rudaljew ist Journalist, Schriftsteller und Literaturkritiker

Übersetzt aus dem Russischen.

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