Meinung

Der Schütze von Buffalo vertritt dieselben Ideen wie die vom Westen unterstützten Neonazis

Amerikanische "liberale Linke" sind immer schnell dabei, "Nazi" zu rufen, wenn ein einheimischer Massenmörder wild um sich schießt und unschuldige Menschen tötet, während sie zugleich die heute in der Ukraine kämpfenden Verehrer von Adolf Hitler bejubeln.
Der Schütze von Buffalo vertritt dieselben Ideen wie die vom Westen unterstützten NeonazisQuelle: AFP © Genya Savilov

Ein Kommentar von Ian Miles Cheong

Bei der jüngsten Schieß-Orgie eines Amokläufers in Buffalo im Bundesstaat New York wurden zehn Menschen getötet. Die Handlungen des Täters Payton Gendron wurden sowohl von der Polizei als auch von ihm selbst als rassistisch motiviert bezeichnet. Der Täter beruft sich dabei auf die sogenannte Theorie des "Großen Austauschs", mit der die Angst vor einer "multirassischen" Gesellschaft geschürt wird. Damit schöpft er seine Philosophie aus der gleichen Quelle, wie eine Gruppe von Personen, die in den Mainstream-Medien seit Beginn des Konflikts in der Ukraine wohlwollend bejubelt wurden – das "Asow"-Bataillon.

Das "Asow"-Bataillon Asow ist – oder war – eine der tragenden Säulen der ukrainischen Streitkräfte und befehligt einige der besten Kämpfer, die Kiew aufbieten kann. Sie sind jedoch offen antisemitisch und vertreten die Lehren von Stepan Bandera, einem ukrainischen Nazi-Kollaborateur, der während des Zweiten Weltkriegs für ethnische Säuberungen und unbeschreibliche Gräueltaten verantwortlich war.

Das Bataillon wurde einst in den westlichen Medien wegen seiner Nazi-Ideologie zu Recht verurteilt. Sogar das von der US-Regierung finanzierte investigative Portal Bellingcat führte 2019 detailliert aus, wie "Asow" aktiv amerikanische Rechtsextremisten rekrutierte, damit sie sich ihrem Kampf gegen Russland anschließen. Allerdings hat sich der Ton seit der laufenden russischen Militäroperation in der Ukraine buchstäblich in das Gegenteil verkehrt. Jetzt wird diese Neonazi-Militärgruppierung als Hort der Verteidigung der ukrainischen Freiheit besungen.

Als diejenige Gruppe von Menschen, die jedes Mal die Karte zücken "Du bist ein Nazi", sobald ein Konservativer mal den Mund aufmacht, haben die "liberalen Linken" diesbezüglich aber ungewöhnlich "laut" über den grassierenden rechtsextremen Ethos innerhalb des ukrainischen Militärs geschwiegen. Und nichts ist offensichtlicher als die Tatsache, dass die Philosophie und die Weltanschauung des Schützen von Buffalo von den Mitgliedern des "Asow"-Bataillons geteilt wird. Tatsächlich zeigt bereits die erste Seite seines Manifests prominent das "Sonnenrad" oder "die schwarze Sonne" – jenes Symbol also, das auch unter den offiziellen Insignien von "Asow" prominent zu sehen ist.

Nach der Verhaftung von Payton Gendron tauchte sein Manifest online auf, vom Täter selbst gepostet, nur Minuten vor seinem Amoklauf, den er mittels Action-Kamera live auf dem Webportal Twitch gestreamt hatte.

In diesem langatmigen Dokument, das etwa 180 Seiten umfasst, erklärt der Täter seine Philosophie und Motivation und lässt durchblicken, dass er sich auch vom Massenmörder Brenton Tarrant inspirieren ließ. Tarrant, der im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen in mehreren Moscheen ermordete, veröffentlichte sein eigenes 74-Seiten-Pamphlet, das übrigens ebenfalls das "Sonnenrad"-Symbol an prominenter Stelle aufwies und in dem er dieselben Argumente vorbrachte wie eben Gendron, das "Asow"-Bataillon und andere Rassenextremisten.

Nach seiner schießwütigen Orgie in Buffalo haben es "liberale Linke" wieder auf sich genommen, die Konservativen anzugreifen, denen sie vorwerfen, leicht zu beeinflussende junge weiße Männer zu "indoktrinieren". In ihrem Bemühen, etwa Tucker Carlson bei Fox News dessen Plattform zu entziehen, instrumentalisieren "liberale Linke" und "Demokraten" die Tragödie von Buffalo, um ihm den Amoklauf vorzuwerfen und übersahen dabei großzügig jede Verbindung, die der Schütze durch seine Motive und seine Philosophie mit den ukrainischen Rechtsmilitanten teilte.

Der Rassenhass und die Angst vor einer multirassischen Gesellschaft – wie sie in der von den Mördern von Christchurch und Buffalo vertretenen Theorie des "Großen Austauschs" detailliert beschrieben wird – gehen auf Äußerungen von solchen "liberalen Linken" und einigen Mainstream-Medien zurück, die vor gerade einmal vier Jahren solch einen "Austausch" als denkbar positive Entwicklung dargestellt haben.

Wie in einem Interview von 2018 auf CNN mit Professor Rogelio Saenz, einem Demographen an der Universität von Texas, veranschaulicht wurde, zeigen die Trends auf, dass der Anteil der Latinos in der Bevölkerung von Texas jenen Anteil der weißen Bevölkerung sehr bald übertreffen wird. Die politischen Implikationen, so der Professor, entwickeln sich jedoch langsamer als die tatsächlichen Bevölkerungszahlen. Es gibt eine erhebliche Verzögerung in Bezug auf die demographische Stärke, bis sie sich als politische Macht manifestiert.

Während die "liberale Linke" eine solche Entwicklung begrüßt, wirft sie denjenigen, die den Verlust ihrer demographischen Stellung befürchten, vor, Verschwörungstheoretiker zu sein und marginalisiert zugleich deren Sorgen und Befürchtungen, die sie pauschal als hundsgemeinen Rassismus abtun. In der Folge werden Manifeste von Mördern wie Tarrant und Gendron dann zu einem Schlachtruf für Neonazis weltweit. Das Manifest von Tarrant zog sogar weite Kreise – bis in die Ukraine, wo eine Person unter dem Verdacht festgenommen wurde, das Dokument übersetzt und verbreitet zu haben, wie Newsweek berichtet.

Es liegt eine gewisse Ironie darin, wenn die "liberale Linke" in Amerika das heimischen Nazi-Schreckgespenst beklagt, während sie dasselbe "Asow"-Gespenst als einen Verbündeten in der Ukraine betrachtet und dieses Gespenst aktiv mit Milliarden von Dollar unterstützt – und obendrein auch noch dessen Weltanschauung und Ideologie beschönigt.

Tageslicht ist das beste Desinfektionsmittel, und es ist notwendig, das Böse als das zu erkennen, was es ist – unabhängig davon, wer es wo begeht, sei es auf einem Schlachtfeld in der Ukraine oder auf einer Straße in Amerika.

Mehr zum Thema - "Sie sind was sie sind" – Selenskij über Asow-Bataillon

Übersetzt aus dem Englischen

Ian Miles Cheong ist ein Politik- und Kulturkommentator. Seine Arbeiten wurden in The Rebel, Penthouse, Human Events und The Post Millennial veröffentlicht. Man kann Ian auf Twitter unter @stillgray und auf Telegram @CultureWarRoom folgen.

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